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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-12-05 · Heft 41 (5.12.1883) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 41 (5.12.1883)
Date
1883-12-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische ^PtMilmerallllns-PrelL^ Organ ^cdadta« für Wien und Umgebung und Provinz: Ganzjährig . . fl. 6.— kür die Gesummt-Interessen jüdischer Gnvtnrm. Administration Wien, Halbjährig . . fl. 3.— Vierteljährig . fl. 1.50 Erscheint jeden achten Tag. II., Novaragasse 27. -\J\J- _*OOO־— Inserat« Für das Ausland: Ganzjährig . . fl. 7.— Halbjährig . . fl. 3.50 Vierteljährig . fl. 1.75 Illstellllug in', %ma. Begründ er: Obercantor §a&oß Ncrrrev. ■ werden billigst berechnet. Manuseripte werden nicht retournirt. - - .^ Nr. 41 Wien, 5. Derember 1883. 3. Jahrgang. Wien, 5. Hecemher 1883. Bon einigen Seiten ist die ungerechtfertigte Behauptung aufgestellt worden, dass so ziemlich alle das Cantorenthum be-- treffenden Fragen zur Genüge erörtert worden sind, dass somit eine Fortsetzung in dieser Richtung überflüssig sei und man sich nur auf die Förderung der Bereinsinreressen beschränken .müssen Jeder/Einsichtige wird wohl erkennen, wie hinfällig diese Meinung ist, da dock das Leben' nnme^Neue-Berbätknisse heranbildet, denen entgegenzutreten oder denen sich anzupassen die Klugheit, die Selbsterhaliung in gleichem Maße verlangt. Hier ist nun ein weites Feld für die Thätigkeit unseres Organes. Wir sagen der Tbätigkeit und nicht blos der eitlen Phrasendrescherei, da es doch sicherlich thätig sein heißt, wenn man die Wunden bloslegt, die der Arzt beilsn soll, wenn man die Uebelstände aufdeckt, die beboben werden müssen. Und eine solche verdeckte Wunde, ein solcher tiefempfundener Uebelstand ist das schon öfter erörterte und noch immer nicht genügend klargelegte Verhältnis zwischen Cantorenthum und Nab׳ binerthum. Die Conflicte, welche jetzt häufiger als je, zwischen beiden ausbrechen, und die schon vor Jahrzehnten von kampflustigen Geistern vorbereitet wurden, gehen — wir können dies constatiren — zum großen Theile von Seite des Rabbinerthums aus. — Was sie an streben, was ihr endliches Ziel ist, das ist längst kein Geheimnis. Die Omuipotenz des Nabbinerthums soll durch die ausschließliche Leitung des Gottesdienstes, durch die Vereinigung aller Functionen in einer Hand verstärkt oder herbeigeführt werden. Man nimmt sich dabei die Geistlichkeit anderer Confessionen zum Muster und brüstet sich dennoch mit der ״Ehrfurcht vor den heiligen Traditionen, mit Beobachtung der religiösen Vorschriften'. Dabei vergißt man aber wohlweislich, dass die jüdische Religion eine Geistlichkeit in dem angestrebten Sinne nicht verträgt, dass das Rabbinerthum, seiner ursprüng׳ lichen Mission nach, den hohen und edlen Zweck, zu belehren, zu bilden, nicht aber den, zu herrschen und zu knechten, hat. Man glaubt durch Vernichtung des.Cantorates zu gewinnen, aber eS ist dies ein Jrrthum, der sich einst bitter rächen würde, wenn das angestrebte Ziel erreicht werden sollte, was wir durchaus nicht befürchten. Es hat ja die Weltgeschichte nicht einmal gezeigt, dass gerade die übergroße Macht des PriesterthumS zu einer Vernichtung oder wenigstens Schwächung desselben geführt bat. Dieses und so manches Andere wird vergessen und munter wird in'sHorn geblasen, dass es alle Welt hört und über den erheuchelten Fortichrittssinn erstaune: ״Das Cantorenthum ist nicht mehr zeitgemäß, es muß abgeschaffl werden." Wenn wir uys-nm den gleichen Standpunkt stellen wollten, wenn auch wir es versuchen würden, in das gleiche Horn zu stoßen, dann möchten wir die Frage stellen: Ist etwa das Rabbinerthum zeitgemäßer als das Cantorenthum? Ist es darum zeitgemäßer, weil es, wie es irgendwo heißt, ״dem Jndenthum ein neues Mäntelchen umhängen und daraus ein evangelisches Christenthümchcn machen möchte?" Wenn das Cantorenthum reif ist zum Falle, dann ist es das Rabbinerthum sicherlich auch. Beide stehen und fallen miteinander und mit beiden die alte, ehrwürdige Tradition, das wahre, unverfälschte Judenthum. Wir glauben daher nicht an das Unzeitgemäße des Nabbinerthums, aber auch nicht an das des Cantorenthums. Beide sind Grundpfeiler der jüdischen Religion, des jüdischen Gottesdienstes; fällt der eine, so stürztauch der andere nach. Diese Ueberzeugung gerade ist es, welche uns auf's Deutlichste zeigt, dass nicht Uneinigkeit, sondern Einigkeit und gegenfettige Unterstützung den beiden Ständen noth thut. Indem das Rabbinerthum das Cantorenthum untergräbt, schaufelt es sein eigenes Grab, indem es aber die Lebenswurzeln unseres Standes pflegt, trägt es zum Blühen des eigenen Standes bei. Und ist es denn nothwendig, dass man sich gegenseitig befehdet, dass man, ohne es zu wissen, warum und wofür, sich die schönsten Complimente an den Kopf wirft? Wir meinen, es ist nicht nur unnöthig, sondern sogar ein frevelhaftes und gewagtes Spiel. Man sollte viel eher von beiden Seiten eine auf den bisherigen, tiefeingewurzelten Gewohnheiten beruhende Abgrenzung der Competevzen des Cantors und Predigers herbeizuführen und dadurch allen möglichen Conflicten vorzubeugen suchen. Aber wird auch diese unsere Anficht zum Durchbruche

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