Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 39 (19.11.1883)
- Date
- 1883-11-19
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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— 7׳ — Am zweiten Abend fand abermals ein Diner im kaiserlichen Palaste statt, an welchem auch der Großrabbiner Iehuscha Al l ew i theilnabm, an dessen Brust der große Osmanie-Orden prangte. Der Großrabbiner sowohl, als auch der armenische Patriarch hielten Ansprachen an den Sultan, welcher dieselben mit seinem kaiserlichen Danke an die zwei hohen Glaubensvertreter erwiderte. Am dritten Abend wurde im kaiserlichen Palaste ein Diner gegeben für die fremdländischen Vertreter, Gesandte u. s. w>, welche den Sultan huldigten. Ein Theaterstück (.Faust") wurde auf Verlangen des SultanS von einer zufällig hier weilenden italienischen Gesellschaft im Palaste aufgesührt, nach dessen Beondigung der Director der Gesellschaft 300 und der Leiter der Theatercapelle 25 türkische Goldlire als Geschenk erhielten. Km russischer Kriedensrichter. Aus dem Städtchen Koretz wird gemeldet: Vor ungefähr 6 Wochen fuhr der Ortssriedensrichter P . . . an den Mehlwagen des Juden Wolf Scharbvsch vorüber und schlug den Juden, ohne geringsten Anlaß, mit der Peitsche ins Gesicht. Der Mehlsuhrmann erwiderte die Schläge sogleich. Anfangs bildete dieser Vorfall das Stadtgespräch und dann vergaß man daran. Für den armen Inden kam aber noch der Tag der Vergeltung — und zwar am Versöhnungstage. Der Friedensrichter ließ den Juden durch einen Gendarm zu sich bringen, er legte die Amtsketten ihm an und erklärte, dass er für die ihm persönlich widerfahrene Beleidigung den Wolf Scharbosch zur Prügelstrafe verurtheile. Dem Juden wurde der Mund verbunden, desgleichen band mau ihm die Hände mit Stricken und warf ihn zu Boden. Der Kutscher des Richters setzte sich ihm auf die Füße und der Gendarm auf den Kopf. Der Gendarm wollte anfangs nicht mithelfen, aber der Richter befahl ihm mit den Worten: ,Ich als Richter übernehme die Verantwortung!" Zugleich ergriff er die Flinte, richtete den Lauf auf die Brust des Gendarmen und sagte: ,Und wenn ihr nicht gehorcht, erschieße ich euch!" Die Execution dauerte über zwei Stunden, halb todt wurde dann der Jude in die Polizei gebracht, er kann nicht sprechen und ist außer Stande, Nahrung zu sich zu nehmen. Der Ortsarzt hat starke Verletzungen eonstatirt. Die Frau des Mißhandelten hat an den Procurator und an den Gouverneur Klagen eingereicht und um Einleitung einer Untersuchnng gebeten. Aus San Krancisco schreibt man: In Cincinnati hält eine jüdische Gesellschaft, darunter Prediger und Cantoreu in großer Zahl, eine tresene Mahlzeit; in Chicago predigt -ein sogenannter Rabbiner am Samstag den religiösen, am Sonntag Vormittag den fortgeschrittenen Juden und Sonntag Nachmittag den Christen. In San Francisco macht nunmehr ein Cantor die Abhaltung eines öffentlichen Gottesdienstes zu einer förmlichen Waare, die er in wahrhaft marktschreiender Weise ausbietet. Er fürchtet sich nicht vor einem £חילול הש, den er dadurch begeht, daß er durch seine Annonce den jüdischen Gottesdienst in den Augen der Andersgläubigen herabgesetzt und lächerlich macht. Man lese und urtheile über diese famose Annonce: ,Der Unterzeichnete Rev. R. Shwersky, vormaliger Cantor an der Maion Street-Synagoge, erlaubt sich die Juden von San Francisco davon in Kenntuiß zu setzen, dass er den Tempel der Hauptstadt für die folgenden Feiertage, mit Einschluss von Schabboth Theschubo gemiethet hat. Er wird dort nach dem Rödelheimer (?) Minhag in Verbindung mit einem tüchtigen Chor einen Gottesdienst abhalten, der Orthodoxe (?!) und Reformer in gleicher Weise befriedigen wird. "Der Gottesdienst wird der ergreifendste und ausdruckvollste sein, der je im Lande gesehen worden ist, da die Orgel, die beste der Stadt, von dem besten Organisten des Staates gespielt wird. Dazu kommt noch das wohleingeübte Doppelquartett, dessen Meisterhafte Wiedergabe der Gesänge noch nie übertroffen wurde. Die hiesigen Juden, welche diesen Gottesdienst besuchen, werden also einen geistigen Genuß finden, den sie vorher nie genoffen. Das Schafor, ein origineller Musikgedanke, wird von einem Fachmanns geblasen, deffen Töne das Herz rühren und den Verstand erfreuen werden. Kol Nidre wird wiedergegeben werden unter Mitwirkung eines Doppelquartetts und eines Orchesters von 12 tüchtigen Musikern. Am Versöhnungstage gegen Abend wird Maskir-Neschomoth in einer neuen, sehr angemeffenen Art gegeben werden. Der Preis der Sitze für die sämmtlichen Feiertage ist 2, 3, 4 und 5 Dollars. Karten können gelöst werden, täglich von 9 bis 12 Uhr Vormittags und von 3 bis 5 Uhr Nachmittags. Gründlings- und Vereinsbeitrage. G. Rosenfeld, Ungereiden, dreivierteljährigen Beitrag; C. Grünfeld, Gaudenzdorf, vierteljährigen Beitrag; D. Kohn, Nakonitz, ganzjährigen Beitrag; D. Löwenthal, Wölkersdorf, vierteljährigen Beitrag; M. Krrener, Galgoez, halbjährigen Beitrag; I. Blum, Troppau, halbjährigen Beitrag; M. Salzer, Tulln, ganzjährigen Beitrag; I. Saller, Breitenbrunn, vierteljährigen Beitrag; A. Adler, Ung. Hradisch, vierteljährigen Beitrag; Samnylow, Tarnow, halbjährigen Beitrag; Anonynimus eine Spende von 3 fl. * * * A l s Nachtrag der für die Witwe Freisinger eingeleiteten Sammlung sind noch zu verzeichnen: Restaurateur M. Winteruitz, Wien, fl. 2; College» Grünberger und Herz in Prerau, fl. 2. Strüenverändrrungen. College I. Duldner ist von Szentes nach Fünfkirchen. College S. Jakob o witsch von Theresiopel nach Csakathurn und College S. Steiner von Unter-Bukovsko nack Neustadtl bei Haid übersiedelt. College'I. Löwy v. Jriz nach Kunowitz, Mähren. (Allen diesen Herren College» wünschen wir die besten Erfolge in ihren neuen Stellungen. Die Red.) Berichtigung. In der letzten Nummer unseres Blattes hat. sich in der ersten Änmcrknng zu dem Artikel ״Ein Wort — am Ort" Zeile 4 ein sinnstörcnder Druckfehler eingeschlichen. Statt: ״den Vorwurf der Parteilosigkeit^ soll es daselbst heißen: ״ den Vorwurf der Parteilichkeit 2c ". Correspondenz der NedaeLion. Kollegen L. in K-, Kr in Pl-, Sch. in Gr. W., Ein S-, H. in B-, R. in Tribl., Cultg. K. M. in Gr. W., P. in B. N. sind noch 50 kr. auf das letzte Quartal Rest. H. in W., Tin W>, F. in Mo. bestätige dankend die eingesandtrn Beträge. Gruß. Fr. in Jerz. Das von Ihnen mit verändertem Titel eingesandte Ge- I dicht gehört freilich zu den besten Parabeln der deutschen Literatur und wäre gewiß der Ausuahme würdig, wenn es nicht schon bedeutend früher gedruckt worden wäre. Sie können dasselbe in allen Gedichtsammlungen von Rückert finden. Fr. in Str. Wir sind der Ansicht, daß Ihr Eingesandtes vorläufig zurnckzuhalten ist und wollen erst abwarten, welche Stellung der Neuangestellte Beamte daselbst unseren Aeußerungen gegenüber einnehmen wird. Auf Ihren Wunjch haben wir auch Herrn N. darüber befragt, und stimmt derselbe in diesem Punkte vollkommen überein. Kin Kob. Sie sind bis Ende d. I. mit noch fl. 2.50 im Rückstände. Gruß. W. in R. Es freut uns, endlich von Ihnen zu hören und zu sehen. L. in Ku. Sind noch 2 Quartale im Rückstände. ״ Sch. i n Gr. W. Sind noch 1 Quartal von früherer Stellung im Rückstände. H. in B- Sind noch mit 1 Quartal im Rückstände. Vereinsbeitrag ist fl. 4 jährl., Gründungsbeitrag pr. 1883 fl. 2. M. in Gr. W. College K. ist von seinem Posten zurückgetreten. Gruß. G. in Gr. Ka. Sind noch mit 1 Quart, im Rückstände. Besten Gruß. Gr. in D. Wollen Sie uns mittheilen, welche Nummer Sie wünschen. Gruß.