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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-11-03 · Heft 37 (3.11.1883) · p. Seite 5

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 37 (3.11.1883)
Date
1883-11-03
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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י-,5 — gesellschaftlicher Vorzüge, den Franzosen und Italienern den Preis unbedingt zugesteben müssen. Die Opern, besonders die komischen, Mohüls, Boycldieu's. Gr^try's, Plantade's u. A. unter Jenen, Cimarosa's, Paisiello's, Marlins, Nicolo's von Malta. Mosca's, Blangini's, Nossini's u. Ä. unter Diesen, stellen, mit großer Verschiedenheit, das Originellste und Reizendste aus, was in dieser Art vorhanden ist. Erinnerungen an meine MelchorerM. (Fortsetzung.) Scheinbar betrübt, zogen wir von dannen, in unserem Inneren sah es aber nicht so traurig aus! Kaum waren wir aus Schussweite von dem Hause entsernt, so hatten wir unsere alte Lustigkeit wieder gesunden und lachten aus vollem Halse über das tragi-komische Intermezzo. Schloimele war von dem Banne, der ihn bisher umgeben und seine Sprache gelahmt batte, vollkommen befreit und in Ermangelung, einem Baalbo's das Chauuka-Liedel zu credenzen, saugen wir es uils selber aus, ich sang den Discant, Schloimele grunzte den Baß mit seinem Saitele und accompagnirte mit der Quitarre. So marschirten wir munter und erheitert unter allerlei kleinen Abwechslungen heimwärts bis nach Szobotisch. Zm nächsten Sommer erbat sich unser Chasen einen mehr, wöchentlichen Urlaub, um eine größere Neise zu unternehmen. Die Meschorerim wurden frisch recrutirt, alte und neue Sacken tüchtig einstudirt. Nun reisten wir nach Mähren. Zn Ung.-Brod wurde der Chasen sammt den Meschorerim über die Feiertage (Rosch haschono und Jom Kipur) engagirt. Da der Chasen sehr viel Beifall beim Publikum gefunden hatte, mußten wir sogar über Sukoth bleiben. Ich halte den Löwenantbeil der Arbeit, denn in Folge der vielen Ucbnngen und einer besonderen Gedächtnißkrast, gelang es mir, alle Sachen, die größten wie die kleinsten Piecen sammt der Begleitung im Kopfe zu behalten. Ick mußte mit dem Baß, dem Fistelsinger und dem Tenorsinger einstudiren. Letzterer, Namens Schüller, war früher als Kollsingerl bei Awrom Werbo. Mit Schüller hatte ich die größte Plage. Er war der verkörperte Drong! Als Entlohnung für meine wahrhaft anstrengende Thätigkeit übertrug mir der Chasen die Ehre, am Vorabende zu Simchas Thora im großen Tempel Maarowis vorbeten zu dürfen. Ung.-Brod hat einen sehr großen Tempel, der jedoch blos im halben Raum mit Tempelsitzen versehen ist. Die andere Hälfte des Tempels wartet heute noch auf einen Zuwachs der Gemeindemitglieder. Ich konnte schon 3 bis 4 Nächte vorher nicht ruhig schlafen, als aber der ersehnte Abend langsam herangekommen war, da bemächtigte sich meiner eine noch nie geahnte Angst und zum ersten Male empfand ich die Unannehmlichkeiten des sogenannten Conlissensiebers. Dock ich raffte allen meinen Muth zusammen, begann leise, ließ mir schön begleiten und sieh', nachdem ich ein wenig warm geworden war, ging es sehr gut von statten und ich erntete großen Beifall. Gewiß hat das Gros der Chasonim und Meschorerim das Aehnliche durchgemacht. Fast gerade so erging es mir in Freistadtl a. d. Waag, doch daran knüpft sich noch eine besonders angenehme Erinnerung. Meine Garderobe mag nicht aus dem ersten Atelier der Residenz gekommen sein und als ich nach Schluß des Gottesdienstes den Tempel verließ, lud mich der Vorsteher der Hoiche Reb Ensel . . ... . . g zum Nachtessen und am anderen Tage überraschte er mich in seiner Großmuth, mit einem vollstänoig neuen Anzuge. Zm Winter 1850 wurde mein Chasen nach Szered a. d. Waag berufen und daselbst acceptirt, selbstredend mußte auch ich mit. Wir hatten damals den Baß, Zaikel Werbau, und bildeten׳ nun ein Terzett. Der Zaikel lebte gerne gut, er spielte vortrefflich Karten und gewann zumeist. Doch außer diesem besonderen Glücke im Spiel wüßte ich wenig von ihm zu erzählen. Nachdem wir nahezu ein Jahr in Szered waren, wurde ich plötzlick, Abends 7 Ubr, zu Neb S'rol Weiß in's Gasthaus gerufen. Zch kam hin und wurde einem fremden Chasen, der mit zwei Singerln dort anwesend war, vorgestellt. Zch erfuhr, daß der Chasen Neb S'rol Hlinik heiße, und die zwei Singerl seine Knaben seien. Einer von den Zweien dürfte der heutige Obercantor in Wien sein. Den Abend verbrachten wir sehr angenehm und es wurde auch sehr viel gesungen. Gegen das Frühjahr desselben Jahres kam der Bruder des berühmten Componisten A. Grünzweig, Herr Moriz Grünzweig, der noch heute in Waag-Neustadtl ist, nach Szered in seine Vaterstadt. Dort lebte noch seine hochbetagte und acktbare Mutter, die alte Chasenten, denn Grünzweigs Vater war in Szered Chasen gewesen. Während seiner Anwesenheit daselbst Hörle er mich singen, meine Stimme gesiel ihm sehr gut und er rieth mir nach Waag-Neustadtl zum Cantor Friedbach als Singerl zu gehen. Ich acceptirle den vernünstigen Vorschlag und ging bald darauf nach Neustadtl a. d. Waag. Freilich entließ mich Reb Wolf Szobotisch sehr ungern, da ich gewissermaßen seine lebendige Partitur war. Alle seine und tremder Leute Sachen und Nigunim trug ich im Kops herum, bereit und willig jede Minute, wenn es nöthig war, anzustimmen. Mein Vortheil erforderte jedoch, jede fremde Rücksicht bei Seite zu lassen und von dannen zu ziehen. Den größten Theil des Weges ging ich zu Fuß, denn mein sckmaler Geldsäckel reichte nicht hin, um so weit fahren zu können. Als ich in W-Meustadtl angelangt war, stellte ich mich dem Herrn Friedback vor. Es war an einem Donnerstag Vormittag, gegen 10 Uhr, gerade wurde mir den übrigen Meschorerim .ongelernt". Herr Grünzw.ng war ebenfalls zugegen und empfahl mich als Bekannter in liebenswürdigster Weise. Am nächsten Samstag debutirte ich zum ersten Male zur Zufriedenheit des Chasens und wurde in W.-Neustadrl, welches anno 1850 noch eine der bedeutendsten Cultus-Gemeinden in jener Gegend war, mit einem jährlichen Gehalte von 80 Gulden C.-Münze angestellt. Ueber Verwendung des Chasens erhielt ich noch außerdem Kosttage. Zur Ehrenrettung der dortigen Gemeinds-Mitglieder sei es erwähnt, daß ich blos einmal es war im Winter — diesbezüglich traurige Erfahrungen machen mußte. Ich besuchte nämlich die dortige Muster-Normal-Schule und hatte jeden Tag bei einem anderen Baalbos einen Kosttag,, da bekam ich — weiß Gon, aus welchem Grunde es geschehen — jeden Tag, von Sonntag bis Samstag, zu Mittag Bohnen zur Speise. Die Hausfrau mag gedacht haben: »Heute iist das Singerl da, nun so koche ich Bohnen' und so kam es, daß ich die ganze Woche hindurch diese Speise essen mußte. Zch glaube damals, für mein Lebenlang genug Bohnen gegessen zu haben. Zn Neustadtl lebte zur damaligen Zeit ein Greis unter dem Namen »Schachtitzer-Melamed'. Dieser Mann war ein Unicum in jeder Beziehung; denn seine Tracht, sein Aussehen sowohl, wie sein ganzes Wesen war originell und höchst komisch. Er war groß gewachsen, ziemlich dick und trug Sommer wie Winter einen blauen, abgeschosfenen Rock aus grobem Tuch, eine

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