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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-10-10 · Heft 35 (10.10.1883) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 35 (10.10.1883)
Date
1883-10-10
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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! Gentleman von etwa dreißig Jahren, diftinguirt in Erscheinung und Manieren und' lebte in der Weise eiüeS gebildeten reichen Mannes. Nach einigen Tagen forderte er'seine Rechnung und befahl, ihn zum nächsten Zuge zur Bahn zu bringen. Er hatte seither den größten Theil der Zeit außer dem Hause zugebracht und Niemand wußte, mit wem er verkehre, noch was hier betreibe. Der Hotelier suchte den interessanten Fremden zu halten, indem er ihm die Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt pries, welche wohl werth seien, daß man einige Zeit an ihre Besichtigung verwende. Master Stern. erwiderte, er müsse in Eilmärschen wieder nach Hause zurück, von wo er sich ohnehin nur mit schwerer Mühe losgemacht habe, um hier einer Psticht zu genügen,; die er schon seit Jahren immer wieder habe verschieben müssen. Im weiteren Verlaufe des Gespräches erzählte er dann: ,Ich bin ein geborener Pester, aber seit meinem vierten Lebensjahre von hier abwesend. In den Fünfziger Jahren ging ich mit meinem Oheim, den ׳ hier große materielle Verluste und mancherlei Mißgeschick zu Grunde -gerichtet hatten, nach Amerika; mein Vater blieb hier zurück. Mein -׳?Oheim ließ sich in San Francisco nieder, woselbst er prosperirte und wo ich heute noch als sein Erbe domicilire. Mein Vater ist mittlerweile hier verstorben und hat bei seinem Tode den Wunsch ausge- sprechen, daß ich noch einmal nach der Heimat zurückkehren und an seinem vereinsamten Grabe für ihn beten möge. Diesem Wnnsche des Seligen bin ich nunmehr nachgekommen. Ich habe auf dem alten jüdischen Friedhof das verfallene Grab des armen Mannes eruirt, habe einen Leichenstein darauf setzen lassen und Vorsorge getroffen, daß alljährlich an seinem Sterbetage eine Gedächtnißfeier für ihn gehalten werde. Nun hält mich nichts mehr weiter hier zurück und ich reise'. Sprach's, stieg in den Wagen und trat die Heimreise ,in Eilmärschen' an. Aula. Es wird von dort berichtet, daß ein drohender Judenkrawall an einem der letzten Sonntage die gesammte Bevölkerung der Stadt in Aufregung setzte. Beinahe wäre es wiederum zu beklagenswerthen Ausschreitungen gekommen. Vor dem Tagesgottesdienst hatte sich, wie gewöhnlich, im Bazar eine große Menge von Händlern und Käufern eingesunden. Unter Anderen hatte sich auch ein handelnder, abgedankter Soldat mit seinem 8jährigen Sohne eingestellt. Letzterer hatte sich im Gedränge von seinem Vater entfcrnt und wurde von diesem 15 bis 20 Minuten hindurch vergeblich gesucht. Der Vater wandt e sich schließlich an die Umstehenden mit der wiederholten Frage, ob nicht aus ihrer Mitte Jemand Auskunft über den Verbleib des Knaben geben könne. Sofort behaupteten Einige aus der Menge, Laß sie gesehen, hätten, wie einige Juden ein Kind, das etwa 8 Jahre zählen mochte, fortschleppten. Sofort erhob sich ein unglaublicher Lärm. Die Menge gerieth in nicht geringe Aufregung, und vielfach konnte man Aufforderungen zu Exzessen gegen die Inden vernehmen. Die Juden, welche die Aeußerungen vernahmen, schlossen sofort ihre Buden und waren im nächsten Moment spurlos verschwunden. Es fehlte nur noch ein Funken — und die Volksmasse hätre nicht gezögert, ein Verbrechen zu begehen. Die Polizei erwies sich glücklicher Weise in diesem Fall äußerst wachsam und tüchtig, und wirklich gelang es ihr nach Aufbietung aller denkbaren Ueberredungskunst und vielem gütlichen Zureden die rachetrunkene Menge zu beschwichtigen. Schließlich nahm die ganze Affaire einen günstigen Verlauf, wobei übrigens merkwürdig blieb, daß, trotzdem der Knabe sich inzwischen gefunden hatte, die Gerüchte von einem nahe bevorstehenden Krawall nicht schwinden wollten. Aus vielen gleichlautenden Behauptungen von Augenzeugen dieses Vorfalls geht hervor, daß hauptsächlich der Neid und der Aerger einiger russischer Händler gegen die kaufmännisch gewandteren und gefürchteten jüdischen Concurrenten die ganze Scene veranlaßt haben. Gründungs- und Vereinsbeiträge. B. Tritsch, Döllitschen ganzjährigen Beitrags A. Lederer, Eger. halbjährigen Beitrag. S. Rosenberger, Komoiau halbjährigen Beitrag. Singer, Jungbunzlau halbjährigen Beitrag. M. Kulka, Kolin vierteljährigen Beitrag. K. Grünfeld, Gaudenzdorf, ö. W. fl. 2-50. Schor, Groß-Wardein vierteljährigen Beitrag. A. Adler, Ung.-Hradisch vierteljährigen Beitrag. A. Kornitzer, Tapolcza halbjährigen Beitrag. Stellenveranderung. Unser geschätzter College und Mitarbeiter, Herr Cantor I. Schwarz, vordem in Kanitz angestellt, ist nach M.-Weißkirchen berufen worden und hat seinen Posten bereits vor den hohen Feiertagen angetreten. (Unsere herzlichste Gratulation.) Die Redaction. Aviso! Wir ersuchen unsere geehrten Herren Abonnenten dringendst um Pünktliche Einsendung des Abonnementsbetrages für das laufende Quartal. Zugleich erlauben wir uns Jene, welche ihre Rückstände mit dem größtem Gleichmuthe von Quartal zu Quartal wachsen sahen, daran zu erinnern, daß es jetzt endlich einmal an der Zeit wäre, dieselben zu begleichen. Die Administration. Correspondenz der Nedaetion. Sch. in M. W. Auf ihr Ansuchen sandten wir das Blatt nach B. . Daß Sie Ihr Amt in M. W, angetreten, konnten wir nicht wiffen, da Sie uns davon nicht benachrichtigten, und das Blatt auch niemals von B. . retonrnilt wurde. Gruß. W. in G- Sie sind noch ein Quartal im Rückstände. Besten Gruß. Schr. in G. I. Ihr Conto ist bis 1. Dezember beglichen. Collegen Schw. in Dr., W. in Fr., Lin W., S. in N., L. in W., Fr. in Str., B. in L-, W. in A-, H. in T-, R. in P., B. in L., Lin H., D. in W-, Fr. in Sz., Br. in W., St. in K. C-, I. in K-, Joach. in B., Gr. in Bp., Gin D, bestätigen dankend die eingesandten Beträge. Besten Gruß. — Aus Anlass des Neujahrsfestes sind uns von zahlreichen Collegen des In- und Auslandes, sowie von vielen Freunden und Gönnern unseres Blattes herzlichste Gratulationen und Widmungen zugekommen, welche uns einen neuerlichen Beweis der grossen Sympathie, deren sich unser Unternehmen allseitig erfreut, iieferten. Ausser Stande, jede derartige Kundgebung einzeln zu beantworten, statten wir hiemit allen Jenen, die sich zum Jahreswechsel unser in so freundlicher Weise erinnerten, unseren innigsten Dank ab. Die Redaction. Der hohen Feiertage halber erscheint die nächste Nummer erst Freitag den 26. Oktober. Die Nedaetion. 1

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