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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-08-31 · Heft 30 (31.8.1883) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 30 (31.8.1883)
Date
1883-08-31
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische S\ Präiuimeratillns-Preis für Wien und Umgebung und Provinz: Ganzjährig . . fl. 6.— Halbjährig . . fl. 3.— Vierteljährig . fl. 1.50 Für das Ausland: Ganzjährig . . fl. 7.— Halbjährig . . fl. 3.50 Vierteljährig . fl. 1.75 incl. Zastkllllng in'« Ha«», K Organ kür die GrÄMmt-Mmssm jüdischer (kMiurm. Erscheint jeden achte» Hag. Begründer! Obercantor Jakob Warrsv. ^Kctlacitan Administration LtopoldstaLt, Circusgasse Nr. 20. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. Nr. 30. Wien, 31. August 1883. 3. Jahrgang. Wien, am 31. August 1883. Nach vielen Veränderungen und Verschiebungen, welche leider alljährlich um diese Zeit in unseren Kreisen eintreten, macht sich jetzt, beim Herannahen der hohen Festtage, eine gewisse Stabilität am Cantorenhorizonte geltend. Da drängt sich uns die bange Frage ans, wie lange wird dieser Zustand dauern? Werden wir Cantoren nicht bald von dem chronischen Hebet des ewigen Wechsels befreit werden? Bevor wir jedoch au die Beantwortung dieser höchst wichtigen Frage schreiten, wollen wir zunächst die Grunde, welche diese widerkehrende Erscheinung Hervorrufen, in Betracht ziehen und hiebei die, namentlich in letzter Zeit, gesammelten Erfahrungen verwerthen. Wenn im Allgemeinen in jedem Menschen das Verlangen herrscht, seine Stellung zu verbessern und das Streben nach höheren Zielen in der menschlichen Natur bedingt ist und eine mächtige Triebfeder zur weiteren Entwickelung des Individuums bildet, so scheint bei uns Cantoren, die wir uns doch so gerne mit dem Künstlervolke vergleichen und die wir an der Ungebnndenheil desselben so viel Geschmack finden, durch die Tradition voll Hecnmziehenoen Eyasonim und Meschorerim eine allzu große Sucht nach Neuerungen eingerissen zu sein und dadurch ist manch' böse Frucht gezeitigt worden. Woht kann man einräumen, daß in manchen Gemeinden die Stellung des Cantors eine keineswegs beneidenswerthe ist und das Verlangen nach Besserung eine große Berechtigung hat, aber dennoch müssen wir es bekennen, daß in vielen Fällen, in denen diese Veränderungen nicht zum Guten ansgehen, wir selbst daran Schuld tragen und das Uebel unter Anwendung von eiwas größerer Vorsicht leicht hätte vermieden werden können. Wer in den letzten Wochen die Erzählungen und Schilderungen der vielen bei uns eingetrosfenen Collegen mit angehört hätte, der müßte nach objectiver Prüfung der Verhältnisse zu dieser, wenn auch wie eine Anschuldigung klingenden Behauptung kommen. Der Eine berichtet über die schönen Institutionen in der Gemeinde, über die Liebenswürdigkeit und Freigebigkeit der Gemeindemitglieder, das Leben in dem Städtchen ist ein angenehmes, das Einkommen, wenn auch nicht glänzend, doch noch groß genug, um alljährlich einen kleinen Sparpsennig bei Seite zu legen—kurz er ist voll des Lobes über seine jetzige Anstellung. Da wird das Gespräch zufällig auf einen in den letzten Tagen vaeant gewordenen Posten gelenkt und siehe da — mit einem Schlage hat sich Alles.verändert. Die Gemeinde ist nicht mehr so liebenswürdig, das Städtchen nicht mehr angenehm, daS Einkommen "zu gering, das weitere Verbleiben daselbst also nicht mehr möglich. In seiner Verblendung, die durch das Mehrgebot von hundert Gulden erzeugt wird, sieht er nicht mehr seine jetzige sichere Existenz, er ist zu etwas Höherem geboren und trotz aller Abmahnungen concurrirt er sofort aus den vacanten Posten. Und was ist das Ende vom Liede?- Hören wir den Anderen. Vor einigen Jahren war er in einer Gemeinde angestellt und erfreute sich dort des besten Wohlwvllens. Da erschien auch ihm die Fata, morgana in Gestalt eines verlockenden Concnrses — also ohne viel Ueberlegen, schnell die Zelte abgebrochen und ein neues Heim geschaffen. In der ersten Zeit gefiel es ihm recht gut daselbst, bald aber war er dabei angelangt, Vergleiche zwischen seiner früheren und der jetzigen Gemeinde anzustcllen, und sie ftelen nicht zu Gunsten der Letzteren ans. Er verlor dadurch die Lust zum Amte und damit auch das Amt selbst. Jetzt sucht er leider schon längere Zeit einen anderen Posten — aber alles Suchen ist vergebens. Reuig schlägt er sich an die Brust und ruft: »mea culpa, mea culpa*;-doch die Nene kommt zu spät. Wir wünschen von ganzem Herzen, daß allen unseren Collegen, die in der letzten Zeit ein neues Amt anzetreten, solche traurige Erfahrungen erspart bleiben, aber Jenen, die vor einem so wichtigen Schritte stehen, glaubten wir durch Vorführung beider Exempel, die gewiß nicht vereinzelt dastehen, diese Er- Mahnungen schuldig zu sein. Mögen sie dieselben beherzigen und dann, hoffen wir, wird auch die Kunde vom ewigen Wechsel, wie ein Märchen aus alten Zeiten klingen.

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