Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 28 (15.8.1883)
- Date
- 1883-08-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische ^jftännintratfoiH-fSmf für Wien und Umgebung und Provinz: Ganzjährig . . fl. 6.— Halbjährig . . fl. 3.— Vierteljährig . fl. 1.50 Organ für die OMmmt-JickreWil judiZcher Cantaten. Erscheint jeden achten Hag. Für das Ausland: Ganzjährig. . fl. 7.— Halbjährig . . fl. 3.50 Vierteljährig . fl. 1.75 iiul. Instellung iu's Haus. J Begründer: Obercantor Icrkob Wcruev. ®cdactixm Administratton LcopoldstaLt, Circusgasse Nr. 20. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. — Nr. 28. Wien, 15. August 1883. 3. Jahrgang. € Ha i onus von Hbercailtor I. Singer in Wien. VI. D i e O r g e l. Wir vermeinen, im letzten Aufsatze genügend klargestellt zu haben, daß die Orgel heidnischen Ursprunges sei, ebenso dürfte es jedem in der Geschichte der Musik nur einigermaßen Bewanderten einleuchten, daß die VervöllkommMng^'Les''Orgelbaues und die mit demselben gleichen Schritt haltende Ausbildung der Orgelspielart das unumschränkte Verdienst des Chriftenthums ist'; wir sagen absichtlich des Christenthums und nicht etwa ,christlicher Meister-, weil die Orgel, gleich anderen Einrichtungen, einen integrirenden Theil des christlichen Gottesdienstes, somit des Chriftenthums bildet. Diese historische Nichtigstellung beabsichtigt jedoch keineswegs ein schwerwiegendes Argument für das Ausschließen des Orgelspieles beim jüdischen Gottesdienste anzuführen, wie über- Haupt durchaus nicht der Anschauung Raum verliehen werden mag, als ob das Judenthum nur jener Segnungen des Kunststrebens und Kunstschaffens theilhaftig werden dürfte, deren Anbeginn in ber jüdischen Geschichte zu suchen sei — wir müßten ja sonst aus die Anwendung anderer Kunstbestrebungen und die Verwendung bedeutender Kunstproducte vollständig verzichten. Mit dem Hinweise auf die Thatsache, daß der Ansgangs- Punkt des Orgelbaues, wie all' die eminenten bis in die Gegenwart hineinreichenden Vervollkommnungen des Orgelspieles, keineswegs in jüdischer Tradition zu suchen sei, beabsichtigen wir lediglich einem historischen Jrrthume entgegenzutreten, einem Jrrthume, der unter dem uns unverständlichen Geleitsbriefe wirklicher Fachautoritäten, welche die Magreppa als Orgel hinstellten, im Lause der Zeiten eine Berechtigung für sich beansprucht, die ihm entschieden vorenthalten werden muß. Nachdem dies geschehen, wenden wir uns wieder dem eigentlichen Inhalte unserer Besprechung zu. Die Verwendung der Orgel in der Synagoge muß fachmännisch — und nicht etwa mit der historischen Seifenblase des Hinweises auf die.jerusalemische Margareppa, oder gar mit der landlansig gewordenen Phrase, .die Orgel schaffe die andächtige Stimmung-, oder mit anderen leeren Phrasen begründet werden. Es müssen die Aussprüche ,Aller' gehört, die Urtheile streng geprüft, der Stoff gesichtet werden, wenn der überaus wichtige Gegenstand einem endlichen, günstigen Resultate entgegengeführt werden soll. Die Einführung des Orgelspieles in der Synagoge wäre längst ersprießlich bewerkstelligt, würde man vor Decennien in etwas״weniger - stürmischer Weise, sondern ruhig, fachmännisch und zielbewußt zu Werke gegangen sein. Die wichtige Frage hätte längst eine zweckentsprechende Lösung gefunden, würden unsere Altvordern, denen die Erfüllung dieser heiligen Aufgabe oblag, leider nicht den zweiten Schritt vor dem ersten gemacht haben, indem sie lediglich aus Nachahmungssucht, die Orgel in der Synagoge aufnahmen, ohne früher durchdacht zu haben, wasder eigentliche Zweck der Orgel in der Synagoge sei. Wie manche Gemeinde brachte mit dem Aufgebote der äußersten Anstrengung die Mittel für den kostspieligen Bau einer Orgel zusammen, ohne daß die maßgebenden Kreise früher nur einen Moment darüber nachgedacht hätten, wozu die riesigen Opfer gebracht seien — was die Orgel eigentlich soll. — Wir wollen keinen Namen nennen — allein, wir könnten manche hochanseynliche Gemeinde anführen, die eine prachtvolle Orgel für ihre Synagoge bauen ließ, ohne daß in ihrer Synagogen- I gesangsordnung nur mit einem Federstriche der Orgel und ihrer Wirksamkeit gedacht worden wäre. Nun die Orgel war nach vielen Monden, vielleicht Jahren endlich fertig und die Gemeinde betrachtete es als eine große Errungenschaft, als einen bedeutenden Fortschritt anderen jüdischen Gemeinden gegenüber, daß sie endlich dieses ״echt kirchliche- Instrument für ihre Synagoge gewonnen habe; — allerdings .echt kirchlich-, das war ja die stehende Redensart, mit welcher man auch an den modernen Aufbau unserer Synagozengesangsverhältnisse ging — alles nur ״kirchlich-. Der Cantor, der niemals irgend welche Fachschule frequentirte, weil eben keine bestand, sondern aus eigener Machtvollkommenheit sich zum jüdischen Cantor decretirte, der keinen Moment über die geschichtliche Entwickelung des synagogalen Gesanges nachdachte, konnte dem Lockrufe ״Kirchengesangnicht wiederstehen SM- Hiezu eine Mnsikbeilage. "WZ