Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 21 (20.6.1883)
- Date
- 1883-06-20
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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gelten dürfte — nicht die persönliche Eitelkeit, nicht der Egoismus, nicht selbstsüchtige Zwecke als- Mittel ansehen, worunter die Heilige-Hache entschieden leiden mühte. Gerade der Ausdruck »Dirigent', ,dirigiren', .leiten', v e!leitete die betreffenden Herren zu einer Handlungsweise, Sie, keineswegs einen Segenskeim in sich barg, sondern viele, die heilige Sache' schädigende Unzulänglichkeiten herbeisührte; wie wenige unter den Herren Leitern oder Dirigenten der Synago'genchöre sind es, denen, vermöge ihres Musikwissens und ihrer Fachkenntniß, das Epitheton .Dirigent' voll und ganz beigelegt werden kann; die geringe Zahl wäre geradezu .an. den Fingern abznzählen, und wir meinen, es bliebe so mancher Finger 1m־; gezählt — allein, trotzdem ist die Zahl der.Synagogengesangs- Directoren" zur Legion geworden und gerade.jene.Herren, denen keineswegs ein Ucbermaß an Musiktheorie oder Begabung vorgeworfen werden könnte, geberden sich, kraft ihres Titels, am pofsierlichsten und möchten dem Cantor gegenüber-'den-Herrn . spielen.' Auch denjenigen Herren .Dirigenten', denen wir diese Benennung kraft ihres Wissens und Sirebens zuerkenncn müssen, dürfen wir den Vorwurf nicht vorenthalten, daß sie ihr Verbältniß dem Cantor gegenüber nicht in der Weise präcisiren, wie es ihrer Intelligenz, ihrer fachmännischen Tüchttgkcit und logischen Denknngswcise gemäß zu erwarten wäre. Dieser Umstand erfüllt uns mit um so tieferer Besorgniß, indem die Position, welche sie dem Eantor gegenüber einnehmen, den Nachwuchs zweifcl- Hafter Talente im Bereiche der Herren ״SynagogeugesaugS- Dircctoren' zu Uebcrgriffen ermuthigt, welche nicht allein den Gegenstand selbst, sondern alle Factoren des Synagogengesanges schädigen. Allerdings ist bei uns jüdischen Cantoren der mnsikalische und allgemeine Bildungsausschwung noch nicht in dem Grade universell, wie es zu wünschen wäre; allerdings leiden noch Viele, zumeist in Folge mangelhafter Vorbildung darunter, daß sie keine v o l l e Anschauung ihrer göttlichen Kunst, kein klares Bewußtsein ihrer, heiligen Ausgabe besitzen und daher, um nur zu imponiren, anstatt zu lernen, zu dem armseligen, längst abgenützten Noihbehelf der Anmaßung greisen müssen und rütteln demgemäß an den Grundpfeilern derjenigen Errungenschaften, die dem Cantorenstaude insgesammt durch die Arbeiten und Bestrebungen verdienstvoller Männer geworden. — Doch wie soll diesem Trübsal endlich Einhalt geboten werden, wenn sich Niemand veranlaßt sieht — lediglich von der Wichtigkeit der Sache geleitet — לשם שמים — zu belehren, ansznklärcu, zu unterweisen; der Ignoranz in zarter, aber zielbewußter Weise cntgegenzutreten und dem wirklichen Talente, der wahrhaften Strebsamkeil volles unverkürztes -Recht zu. wahren? Ist cs wirklich der Fall, daß hie und da der Dirigent bedeutendcre Mnsikkennttiisse besitzt, als der Eantor, cS wäre in diesem Falle zweckentsprechender, durch Milde und Schonung, gepaart mit Klugheit und Umsicht, den Cantor zu stützen, ihn in Lelicatcr Weise zu belehren, vielleicht gar zum Stndiien anznregen, als durch Ueberhcbnug und ewige Fehde sich gegenseitig zu bekämpfen, da, wo ein ehrliches Zusammenwirken gar so uöthig erscheint. Wir haben gottlob, wenn auch nur wenige, doch ׳einige Männer, die seit Jahrzehnten auf dem heiligen Gebiete des Synagogengesanges und namentlich als Organisatoren und Leiter von Synagogenchörcn solch' außerordentliche Resultate erzielten, daß ihnen ein Blatt der Anerkennung und Werthschätzung -in der Geschichte des Synagogengesanges sicher ist; nun von diesen erwarten wir, jüdische Cantoren, die baldige sachgemäße Beilegung des angeregten Gegenstandes; wir dürfen und können es nicht gleichmüthig mitansehen, daß allüberall, wo der Dirigent beim Synagogengesange das erste und letzte Wort zu sprechen hat, die cantorale Wirksamkeit nnd-.chemgcmäß auch das -Zlnsehen des Cantors unter Null gesunken erscheint; und weshalb das? — Es istebenfällä: eich armseliger Nothbehelf,' wsnn der eine Factor, umseine eigenen Verdienste in's rechte Licht zu setzen, die Bestrebmigen des- Anderen entweder' zu/ Nichte macht, .odep als ,Nichts' erscheinen läßt. Wäre es nicht ersprießlicher, wenn neben dem stimmlich und fachmännisch bedeutenden, nach jeder Richtung gediegenen Cantor — der unbestritten der allererste Träger des jüdischen Gottesdienstes bleibt — ein tüchtig.. geschulter Musterchor. endlich den erhebenden. Gesang an st im ml:; הנה מה טוב ומד. נעים שבת-אולם גם יהד•‘ das wäre dann ein Gottesdienst, würdig unserer Geschichte, würdig unserer Aufgabe. ' Cantor, Chvrdirigent, Chor — ist es nicht möglich, daß dieser׳ (l-dnr-Dreiklaiig--voll und rein ertöne, ohne daß die Terz dominiren nlüßte? (Fortsetzung folgt.)־■ ׳ ׳'• Sprechen und Singen von r o f e s s o r K r. G a 15 ׳ S t o e r lk. U n t er such u ng des Kehlkopfes während des Sin g en s. Mit dem rcu Tönen kann man jeden gut geschulten Sänger ganze Arien unter dem Kehlkopfspiegel singen lassen mit allen Modulationen,, deren er überhaupt fähig ist. Hält er dabei feine Zunge, wie es nothwendig ist, hinausgestreckt, die Spitze mit einem Tuche bedeckt, ist der Kehlkopfspiegel genügend erwärmt, so kann man ein Lied vom Anfang bis zu Ende anhören und all’ diejenigen Veränderungen beobachten, die das iLtimmbandpaar eingeht, und dies für die einzelnen Singformen ansnützen. So kann man leicht das Staccato, das Legato, ein Mordent, das Springen von einer Octav zur anderen, ja bei geübten Coloratur-Sängerinnen ganze Passagen und Triller in ihren Bewegungen beobachten. Eine weitere Beobachtung, die man unter dem« Kehlkopfspiegel machen kann, ist das Wechseln der Register. Wenn der Kehlkopf zur Srimmgebnng in einer bestimmten Stellung feststeht, so ist er mit diesem Ansatz im Stande, eine bestimmte Reihe von Tönen zu produciren, ohne also seine Stellung zu verändern; um nun die nächst höhere Reibe von Tönen zu nehmen, muß der Kehlkops viel größere Anstrengungen machen. Daher kommt es, daß nur wenige Menschen, mit der Einstellung für Brusttöne, hohe Töne zu nehmen im Stande sind. Wie es aber sonst im Leben verschieden muskulär geübte Menschen gibt, so ist das auch im Singen der Fall. Es gibt von Obigen Ausnahmen, wie z. B. Frau Wilt, die die hohen Töne ohne Veränderung der Kehlkovfeinstellung mit sogenannter Bruststimme zu nehmen iin Stande ist. Wenn dies Andere versuchen wollten, ohne Einstellung des Kehlkopfes für die Fistelstimme, so würden sie einfach Onetschtönc von sich geben, unnatürliche Töne. In den meisten Fällen wird also der Kehlkopf die Stellung, die er zur Brusttonetzengung eingenommen, verlassen und eine andere Stellung einnehmen, in der es ihm wieder bequem wird, hohe Töne zu singen. Aus diesem unwillkürlichen Hinauf- und Hinabfteigen des Kehlkopfes bei verschiedenen Stimmlagen kann man es entnehmen, daß . der Singlehrer Unrecht hat, der da behauptet, er könne dem Kehlkopfe einen bestimmten Standpunkt anweisen. -Wie der