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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-06-20 · Heft 21 (20.6.1883) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 21 (20.6.1883)
Date
1883-06-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische ■I f^ranuniEratinns-^reis^ für Wien und Umgebung und Provinz: Ganzjährig . . fl. 6.— Halbjährig . . fl. 3.— Vierteljährig . fl. 1.50 -\J\J- Für das Ausland: Ganzjährig. . fl. 7.— Halbjährig . . fl. 3.50 Vierteljährig . fl. 1.75 inrl. JtußtUung irr'« Ha»». J Organ kür die GrZMlnt-IlitmMii jüdisiher Llllltareu. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Icrkob r ^cdacfton Administration Lropol-sta-t, Circusgasse Nr. 20. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. Nr. 21. Wien, 20. Juni 1883. 3. Jahrgang. CH a Ion us von Hvercantor I. Singer in Wien. 11. ' Chordkrigent. Wenn wir die Synagogenpredigt eine hochwichtige Errnngenschaft des modernen Zudenthnms nannten, um wie viel mehr fühlen wir, jüdische Cantoren, als Vertreter des Synagogengesanges uns veranlaßt, die Einführung von Gesangßchören als außerordentlich ersprießlich für die Fortentwickelung des Synagogengesanges zu begrüßen. Die Chorgesänge verleihen dem Synagogengefange eine hohe künstlerische Bedeutung und tragen wesentlich dazu bei, bei unseren Fachgenossen das Streben nach Künstlerschaft — wenn auch leider nur zu oft dem äußeren Gepräge nach — wachzurufen; verdienen demnach die volle Beachtung der maßgebenden Kreise, in erster Reihe des Historikers auf synagogal-gesanglichem Gebiete. Es ist nicht zu verkennen, daß als Vorläufer unserer jetzigen Synagogenchöre jene allbekannten Mesehorsrim zu betrachten sind, deren Aufgabe es war, den Vorbeter insofern zu unterstützen, als sie ihm, im geeigneten Augenblicke durch Jmprovisiruug eines Zwischengesanges einige Zeit der Erholung ermöglichten, wie auch durch Verstärkung der Tonkraft oder markirten Rhythmus eine dazumal allgemein beliebte Klang- Wirkung hervorbrachten- — Anfangs urwüchsig-regellos und nur einstimmig, gestaltete sich dieses Ensemble nach und nach zu einer, in verschiedenstinimlicher Beziehung ganz anerkennenswerthen Wirksamkeit, welche bei den Chasonim der 30er- und 40er-Jahre unseres Jahrhunderts zu einer geradezu staunenswerthen Höhe heranwuchs. Die Meschorerim der erwähnten Periode sangen schon ganz respectabel mehrstimmig und in jeder Gesellschaft dieser jüdischen Meistersänger gab es wenigstens einen, der entweder sich in der Welt umgesehen oder, wenngleich nur naturalistisch doch musikalisch beanlagt, die Fähigkeit besaß, beim Einstudiren der Piecen durch Zuweisung für diesen Kreis ungewöhnlicher Intervalle eine interessante Modulation zu ermöglichen. — Das ,Zusammensingen* der ״Sachen*, oder in'sModerne übertragen, das Einstudiren der Compositionen war nur diesem besser geübten oder reicher beanlagten Meschorer übertragen, und selbst der Chasen überließ, wenn er nicht selber die Befähigung zum Einstudiren besaß, ihm gern dieses Gebiet; — niemals jedoch — und wäre es selbst der weltberühmte Bassist Mordehe Perez, des großen Kaschtau gewesen — fiel es dem Me- 8ehorer bei, seine Autorität über die des Chasen erheben zu wollen, sich höher zu stellen und den ihm zugewiesenen Kreis eines Assistenten zu überschreiten; auch das Publikum anerkannte die Begabung und die Strebsamkeit solch' hervorragender Kräfte, honorkrte dieselben nach jeder Richtung höher, als die Leistungen der Anderen — allein als der Mittelpunkt des Synagogengesanges galt stets nur der Chasen; man sagte der Chasen und seine Meschorerim. Betrachten wir nun auch die Wandlung, welche das Verhältniß des Cantors dem Synagogengesangskörper gegenüber im Laufe der Zeiten erfahren, so muß uns, jüdische Cantoren, der Ernst der Sachlage gleichfalls mit Besorgniß erfüllen und zum Nachsinnen über Besfergestaltung anregen. Die alten Einrichtungen und Benennungen hat der Zeitgeist gottlob (?) in nebelgraue Ferne entrückt ״Chasen, Meschorer, Sachen, Einstudiren* sind unbekannte Ausdrücke, die man sogar im Fremdwörterbuchs vergebens sucht —> dafür tönen allüberall die inhaltsreichen Kunstausdrücke Cantor, Chor, Compositiou und haben unter uns> das volle Bürgerrecht erobert; nun, diesem Trifolium wohlklingender moderner Namen gegenüber, konnte auch der einstige ,Einstudirer* nicht gleichmüthig bleiben; er sah sich gleichfalls bemüssigt, seinem Wirkungskreise und namentlich seiner Person durch die Annahme einer künstlerisch klingenden Benennung das entsprechende Air zu verleihen, und so war der vierte Kuustausdruck zum Bunde baldigst gefunden; aus dem alten ״Einstudirer* wurde ein ״Dirigent*. — Allein jedwede Neugestaltung — auch die einer Benennung — kann ersprießlich werden, wenn nur die Betheiligten den geschichtlichen Ausgangspunkt und die geschichtliche Entwickelung des Gegenstandes für die fernere Gestaltung desselben nicht aus dem Auge verlieren; wenn die den Gegenstand Neugestaltenden die nöthige Intelligenz und Sachkenntniß besitzen, um zu erfassen, daß bei der Fortentwickelung irgend einer geschichtlichen Thatsache — wofür doch der Synagogengesang

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