Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 18 (27.5.1883)
- Date
- 1883-05-27
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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r7 — Jetzt war es an der Zeit, die Liebenden zu trennen, denn ichon war Samuel wieder zu sehr ergriffen. Die Mutter Röchens chsagte daher: k .Samuel bleiben Sie bei uns, jetzt ist nicht Zeit, mehr zu 'sprechen,- begeben.wir uns zum Abendbrod und dann zur Ruhe; Äis morgen werden Sie fick, lieber Samuel, mehr erholt haben. ' Samuel konnte vor Neberraschung und Freude kein Wort sprechen. Man brachte ibu auf ein Zimmer zur Ruhe, willenlos •;licB er Alles mit sich geschehen. , - . Zwei Tage verflossen unter Erzählung von L-amuels Schicksalen in Italien und der während seiner Abwesenheit im Städtchen stattgefundenen Veränderungen. Am dritten Tage trat 'Morgens der Präses heiter lächelnd herein und wies einen :offenen Brief mit den Worten vor: .Lieber Samuel, soeben schreibt ׳mir Professor A. aus Wien, er entnehme aus dem Berichte seines .Freundes, .des Arztes in Nom, dessen Schreiben Sie mir ein׳ händigten, :ünd welches ich auch sofort, dem Professor übersandte, .daß . noch nicht alle Hoffnung auf Wiederherstellung Ihres Augenlichtes verloren sei, und er wünsche Sie allsozleich in sein Institut -für Augenkranke aufzuuebmen. Ick habe bereits den Wagen zur Station bestellt, nach Tische geht's nach Wie:ü'. . ' Diese Kunde bereitete große Freude in der Familie des ׳Präses. Nach aufgehobener Mittagstafel verabschiedete sich Samuel in herzlichster Weise von der Familie und bald darauf fuhr er an der Seite des Präses nach Wien, dem Ziele seiner und Röschens Hoffnungen, deren beider Liebe von Stunde zu Stunde wuchs. Anderen Tages kehrte der Präses wieder nach .Hanse und wurde allerseits von so vielen Fragen bestürmt, daß er sich, kaum zu Athen! gekommen, nur nach und nach der Ant- Worten entledigen konnte. —- Sechs Wochen waren verstrichen und noch war keine Nach׳ richt, weder von Samuel, noch vom Professor A. nach dem S tädtchen gelangt. Die verschiedensten Besorgnisse Röschens, wie .der Ellern derselben, thnrmlen. sich wie düstere Wolken am bisher klaren Himmel von Hoffnungen und Vorgefühlen künftiger schöner Tage aus.׳ Mehrere Male wandte sich der besorgte Hausvater, den dringende Geschäftsangelegcnbeitcn an's Haus fesselten, -brieflich an den Professor, doch Alles vergebens. Niemand konnte sich das ängstigende Stillschweigen erklären und mancher Abend schlich träge dahin. An einem solchen Abende fuhr ׳ ein Wagen an dem Hause bes Präses vor. Neugierig lief fast die ganze Familie zum Hausckhore. Doch ehe uoch dieselbe dort anlangte, war Samuel in Begleitung eines zweiten, Herrn des Assistenten des Professor A., in die Hausflur getreten. Wer Samuel vor seiner Abreise nach Wien gesehen hatte, -würde ihn nicht wieder erkannt haben, so sehr hatte er sich diesmal zu seinem Vortheile verändert. Nur über den Augen trug er einen kleinen grünen Schirm und unter demselben strablte wieder Licht in das Auge seines geliebten Röschens. Entzückt sanken sich die Liebenden in die Arme, die Anderen falteten -alle tiefbewegt die Hände, iudeß der Doctor in der Betrachtung stummer Wonne den würdigsten Lohn für den Triumph der Jhmft genoß. .Ich sehe Euch Alle wieder!' jauchzte Samuel auf, ,und mit dem Augenlichte kehrt Freude in meine Brust zurück. Verzeihet meine Theneren, vergib auch Du, mein theueres, geliebtes Röschen! Es war-mein Wille, Euch alle zu überraschen, darum bat ich den Professor und auch den Herrn Doctor hier, denen ich das Glück meiner Zukunft, die sich nun heiter öffnet, danke, nichts von meiner gänzlichen körperlichen und geistigen Herstellung -bekannt zu geben." —-- Und wieder waren einige Wochen verflossen, diesmal aber Wochen, die zu den glücklichsten im Leben Samuel's zählten. Es war um die Mittagsstunde eines herrlichen Spätsommerckages. Im Städtchen herrschte ein gar reges Leben. Schwerfällige, altmodisch gebaute..Equipagen fuhren am Portale des Tempels vor. Festlich geputzte Hochzeitsgäste entstiegen den Wägen und ordneten sich in der Vorhalle des Tempels zu einem imposanten .Zuge, der unter den Klängen eines sanft ertönenden Harmoniums seinen feierlichen Einzug in den in all' seinen Räumen mit Besuchern gefüllten Tempel hielt. Mit Meister Sulzer's weihevollen I'-äuv Ma towu wurde die Trauungsfeier von dem Cantor .eingeleitet, und nun trat ein Brautpaar, wie es stattlicher und schöner kaum gedacht werden kann.— Samuel, der isohn des verstorbenen Cantors, ein herrlicher, junger Mann, doch im Ernste des Lebens gereift, und Röschen, das reizendste Mädchen des ganzen Städtchens, die holde Braut, unter den Trauhimmel. Unwillkürlich entfuhr allen Anwesenden beim Anblick dieses glücklichen Paares ein halblautes ,Ah!' Und wahrlich, man mußte gerade kein großer Physiognomiker sein, um es dem Brautpaare von den glückstrahlenden Gesichtern abznleien,' daß es wirklich ein glückliches Paar sei. Und dennoch war dies Glück, wie alles in der Welt, nicht vollkommen, denn der unerbittliche Tod hatte Samnel's Eltern vorzeitig hinweggerafft und sie den Ehrentag ihres einzigen, geliebten Sohnes nicht mehr erleben lassen. Die Trauungsfeierlichkeit war zu Ende, und nun drängte sich Alles heran, um dem jungen Paare Glückwünsche d.1r;nbringe n. Mit einem großartigen Hochzeitsmahle,. an dem fast, stimmt׳ liche Gemsindemitglieder theilnahmen, schloß dieser herrliche Tag. So fand endlich der Held dieser Erzählung, nnler so schwer geprüfte Cantorssohn, an der Seite Röschens das, hohe Glück häuslicher Zufriedenheit und ungetrübter Liebe. Ec hatte der Tonkunst, der er nur mehr als eifriger Dilettant seine Kräfte lieh, da er einsah, daß ihm zur Composition dennoch die höhere Weihe eines Genius fehlte, entsagt, und bald half ec auch seinem Schwiegervater, dem allverehrten Gemeindepräses. wacker im Geschärte mit. — Alljährlich aber wurde im fröhlichen Familienkreise zur Erinnerung an dem Tags von Samuels Rückkehr aus Italien ein Familienfest begangen, wobei Samuel ans seines treuen Geige das — Adagio cantabile — vortrug, dessen sehnsucht- und liebelauschenden Klänge sich dann in eins rührende Dankweise auflösten, und gegen Himmel anfwallend lieblich verschmolzen. . E 11 d e. MerichUglMg In Nummer 17, ״der jüdische Gottesdienst,? 3. Zeile, soll es heißen .,auszulassen" statt ״auszulachen" In demselben Artikel Seite 4, Zeile 8 von oben, ,,versöhnlichere" statt ״verhöhnlichere". Correspondenz der Nedaction. C olle gen R. in R.; F. in Tr.; H. in K-; Rin Z.; Tbin Q ed.; N. in. St. P.; Lin dt.; K. in Kl.; Schw. in K. C-; H. in T-; K. in ׳ Hlin.; Nnßv. in H. bestärigen dankend die eingesL idceu Betrage, colleg Gruß. Br. in B- Cs- Sie sind^sür das laufende Quartal uoch 50 kr. ,im Rückstand. Dchir Zion von Professor Sulzer direct zu beziehen. «H. i n K- Eingesandtss haben wir für das!.׳Quartal gntgebach: uni) nicht, wie sie irrtbümtich angeben, für das II. Qartal. Gruß. Gr. in Sch. Bewußte Spende wird in nächster Nummer ausgewiesen. Ihre Idee ist anzuerkennen, wo'len Sie sich gef. diesbezüglich an den Vereins- Vorstand wenden. 3c. 3c. Eingesandtes erscheint in nächster Nummer. Ihr Anerbieten ist uns willkommen und wollen Sie bewußte Arbeit uns allenfalls einsenden. Colleg. Gruß. _ ' S ch. in St. Die Statuten werden im Laufe der näch'ten Woche an alle Mitglieder versendet werden. St. in Zl. Eingesandtes konnte nicht veröffentlicht werde.!, da hebräischer Text nur in deutlicher Quadratschrift geschrieben für den Setzer leserlich ist. P l). in L. Ein neuer Sch'chitah-Artikel wird erst nach Erledigung der gegenwärtigen.Abhandlung ausgenommen. R. i n L i b. Bitte sich, bezüglich Vereinsangelegcnheiten an den Borstand I., Seitenstettengaffe Nr. 4, zu wenden. Die gewünschten Musikbeilagen bereits abzesandt. H. in Am st. Ihre Zuschrift wird in nächster Nummer verönentlichr. F. in Philad. Wir danken berzlichst für Ihre freundliche Zusage, unserem Blatte unter den werthen Collegen in Amerika Berbreitnng verschaffen zu wollen, und sind überzeugt, daß Ihre Bestccvungen bei dem großen Ansehen, das Sie unter denselben genießen, von Erfolg gekrönt sein werden. Colleg. Gruß. Schm, in R. Gewünschte Richtigstellung für jetzt nicht gut möglich, doch hoffen wir bei Gelegenheit noch daraus zurückzukommen. Gruß. Die im Laufe dieser Woche an den BereinScassicr eingesandten Bereinsbeiträge werden in nächster Nr. verösseurlichc. Die geehrten Herren Abonnenten werden dringend ersucht, ihre Abonnements - Rückstände baldigst einzusenden. Zugleich machen wir zu wiederhoftenmalen darauf aufmerksam, dass Vereinsbeiträge nicht an die Redaction, sondern an den Vereinscässier, Herrn Cantor A. Fischer, /., Seiten- \ stättengasse Nr. 4. zu senden sind, und dass wir in Zukunft an uns ge- '■ sandte Vereinsbeiträge auf Kosten des Einsenders retour senden werden. Die P. T. Vereinsmitglieder werden weiters ersucht, bei Mittheilungen an den Vereinsvorstand sich nicht der Corresponden^karten bedienen. Die Stellung dieses Ansuchens sei damit gerechtfertigt, dass in letzter Zeit auch solche Mittheilungen, von welchen, im Interesse des Vereines, nickt Jedermann Kenntniss haben soll, auf offenen Karten gemacht wurden.