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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-05-27 · Heft 18 (27.5.1883) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 18 (27.5.1883)
Date
1883-05-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische ^PrSuumerationL-PreiL^ Organ ^Redactian für Wien und Umgebung, und Provinz: für die Gesäumt-Interessm Wischer Gulltorm. Administration Ganzjährig . , fl. 6.— Lropoldsta-t, Halbjährig . . fl. 3.— Vierteljährig :. fl. 1.80 ßrscheinL jeden achten Jag. Circnsgasse Nr. 20. ״ . —rv\-—־ ■ . , Inserate , Für das Ausland: Ganzjährig. '. fl. 7.— Halbjährig i . fl. 3.50 Vierteljährig fl. 1.75, Be gründet: Obercantor Warrev. werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retourmrt. - \^incl. Jostelloog in’* Hast*. . ־ .. Nr. 18 27. Mi 1883. 3. Jahrgang. Sprechen und Singe» - von ... IT ׳v Professor A r. Kar t S 1 o er ck. Einfl uß d esC h o rg e s anges i np h o'ne tischer und phyfio logischer BeDeu tung. Wir wollen nunzur Beurtheilung des Chorgesanzes mit Rücksicht auf seine phonetische Und:physiologische Bedeutung übergehen.' Von diesem Standpunkte aul ijfIfc'r 'berSitinme^ fi^er^er ־ Olttuv jömöfKfür: Kinder als für Erwachsene. -'Wir wollen diesen etwas harten Ausspruch an der Hand der Erfahrung erläutern. Kinder von 8—12 Jahren sind außer Stande, längere Zeit, gar eine ganze Stunde lang, unbeschadet der Leistungsfähigkeit ihrer zarten Kehlkopfmuskulatnr zu singen. Ein Kind in diesem Alter kennt und fühlt die Muskelmüdigkeit noch nicht und selbst, wenn es des Singcns müde wäre, würde das Schulkind kaum wagen, dies dem Lehrer gegenüber zu äußern. Daher kommt es, daß Kinder, die längere Zeit singen, fe mehr die Muskulatur ermüdet, nur um so größere Anstrengungen machen, um es womöglich dem Nachbarn gleich zu thuu oder ihn zu übertönen. Die Folge liegt auf der Hand. Ein paar Stunden solchen überanstrengenden Gesangsunterrichtes, und ׳das beste Organ, die beste Stimme, ist für alle Zukunft verloren! - Wir finden also, daß der Gesangsunterricht in den unteren Schulen, was seinen Werth für die Ausbildung der individuellen Fertigkeit und also seinen kunsttechnischen Werth betrifft, zumeist ein negatives Resultat ergibt. Diese Anschauungen basiren durchaus nicht auf theoretischen Spekulationen, sondern ruhen auf einem laryngoskopischen Be- 'obachtungsmaterkale von einer Reihe von Jahren. Derartige Kinder kommen mit constant wiederkehrender Heiserkeit zur laryngöskopischen Beobachtung, und statt eines wohlentwickelten Kehlkopfes findet man in vielen Fällen einen sogenannten ausgesungenen Kehlkopf, Veränderungen, wie man sie auch bei erschöpften Sängern findet.' Vom musikalischen Standpunkte aus ist also der Chorgesang, wie er-eben in der Schule geübt werden kann, das richtigste Mittel, um das Gehör für feine musikalische Sabrnebmungeu abzustumpfen und das schlimmste Mittel für die Individual ifirung der Sangesart. Das musikalische Ohr oder die Verfeinerullz des Hörens, die nirgends eine solche Nuancirung erfordert als gerade beim Singen, kann nur durch den allercorrectesten Gesang erlangt werden. Bei der enormen Ausbreitung, die jetzt das Klavierspiel gefunden, leider die Verfeinerung des Gehöres. Die fertigen Töne der Klaviatur machen cs nicht mehr unbedingt nothwendig, daßdas Kindden. :einzelnen. 2jon erkenne und unterscheide; chaher man ׳ auch zur besseren Ausbildung des Gehöres JnstrnmenteiN den Vorzug geben soll, bei welchen der Lernende den Ton erst finden muß und den gefundenen Ton behalten lernt, wie bei der Geige. Gehörproben im musikalischen Sinne, die man zwischen Klavier- und Violinspielern anstellt, fallen immer, was größere Tonfindigkeit anbelangt, zu Gunsten Letzterer aus. Der Aufschwung des Chorgesanges und die Abnahme hervorragender Solisten. Der Chorgesang, der bei uns bis zu den 40er Jahren wenig entwickelt war, höchstens in der Kirchenmusik, bekam in dieser.Zeit Aufschwung und neue Stützen, und wurde in einem gewissen Sinne veredelt;, mithin war die Totalwirkung aus die großen Massen nutzbringend. Weniger nützlich war er aber der Entwicklung der menschlichen Kehle. Für die Gesangstechnik bleibt, dem Voransgeschicktcn nach, der Chorgesang von höchsfzweiselhaftem Werthe. Sowohl Kindern als Erwachsenen geht im Chorgesange das Gefühl der Stimmstärke verloren. Im Zusarnmensingen großer Mengen hat das einzelne Individuum in der Beurtheilung seiner Fähigkeit und seiner Eigenart die Sicherheit verloren; ob sein Ton dunkler oder Heller ist, kann für das einzelne Jndividunm im Chorgesang nicht eruirt werden; das Uctheil umfaßt nur den Totaleindruck; ob ein Ton ganz klar und rein, scharf klingend angesetzt wird kann im Chorgesang nicht unterschieden werden. Wie wir aber vorhin schon erwähnt haben, ist bei keinem Instrumente die Feinheit des Gehörs so nothwendig, als gerade beim Gesang, denn das Gehör ist das Regulativ für die Feinheit des Einsatzes. Im Chorgesang kommt es dem Sänger nicht darauf an, um einen Bruchtheil der Zeit später anzufangen, und kommt es ihm auch gar nicht darauf an, ob er im ersten Anlauf den Ton auf der

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