Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 17 (19.5.1883)
- Date
- 1883-05-19
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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־7׳ — nicht ohne kleine Neckereien für Röschen abzing. Diese behagliche i Stimmung war aber in einem Augenblicke am Platze, an dem Röschen kaum von ihren ergreifenden Betrachtungen und Erinnerungen sich losgerissen hatte, und sich gewissermaßen auf einen viel spannenderen vorbereiten und stählen sollte. Eine kleine Pausedes Stillschweigens trat nun ein. Plötzlich erklangen weiche Töne einer Violine.; ,Ein Straßeugeiger", brummte der Präses, dem diese Art Bettelei verhaßt war. ,Wenn nur Lebele, der Polizeimann, da wäre, ich möchte dem Manne das Handwerk schon legen'. Doch bald ward er durch die Zartheit und gefühlvolle Tiefe des Spieles gezwungen aufmerksamer zu sein. Röschen blickte ihre Mutter bestürzt an; sie hatte die ' melancholischen Seufzer eines Adagio, diese Schmeichelklänge inniger Liebe, schon einmal vernommen; die Erinnerung stieg derart immer klarer in ihrem Busen empor, und die reizende Blässe ihrer Wangen ging in ein sanft angehauchtes -Roth über, welches aber ebenso schnell wieder verflog. Plötzlich überkam ein Zittern ihren Körper und mit dem -Rufe ,Samuel!' sank sie ohnmächtig in die Arme ihrer Schwester, welche neben ihr saß und in Röschens Gesicht den Wechsel des Schreckens und der Freude aufmerksam betrachtet hatte. Während Mutter und Schwestern um das todtenbleiche Röschen beschäftigt waren, ihre Schläfe mit frischen Wasser befeuchteten, essiggerränktc Lappen als Reizmittel zur Aufregung der Gernchsorgans herbeischasften,!prang der Vater mit dem beflügelten Schritte eines Jünglings die Treppe hinab, um den Geiger fortzujagen; scheu und erschrocken bebte er jedoch vorder leichenblaßen Gestalt eines jungen blinden Mannes zurück, der die Violine unter dem Arme, an dem Thore lehnte und mit sich selbst zu kämpfen schien. Der Präses;traute seinen Augen nicht — die bekannten Züge lächelten ihm so gespenstig entgegen — wild flatterten die schwarzen, lockigen Haare um die gefurchte Stirne, erloschene Augen starrten ihn an — und die bläulichen, trockenen Lippen schienen zitternd sprechen zu wollen, ,Kennst du mich nicht?' Endlich faßte sich der alte Mann, ergriff die Hand des Geigers, die derselbe wie aus einer Betäubung aufgeschreckt, zurückziehen wollte, und fragte ihn halblaut: ,Sind Sie es Samuel?' ,Ich bin's', sprach Samuel wehmüthig. ,Samuel, der Sohn des verstorbenen Cantors, einst ein vielgefeierter, hoffnungsvoller Künstler, jetzt -'aber nur der blinde Samuel — doch wer spricht mit mir — wer ist so barmherzig, mit einem unglücklichen bettelnden Geiger ein Wort zu reden?' Der Präses erkannte sofort, daß Kräftigung und Ruhe für den Körper des jungen Mannes nothig sek. Er führte ihn sonach in seine Schreibstube, hieß ihn sich setzen und schellte den Comptoirdieuer herbei, dem er eine Flasche alten kräftigen Rheinweines zu bringen befahl. Nachdem der unglückliche junge Mann sich gelabt, schilderte er mit wenigen Worten das ganze Unglück, welches Gott über -ihn verhängt hatte. ,,Nachdem ich", so schloß er, ״auf der Bahnstation angelangt war, wo sich unsere Wege trennten, übergab mich der Kammerdiener der römischen adeligen Dame, ein biederer Mann, dem Wirthe des an der Straße gelegenen Gasthofes, "der mich von früher kannte und mich persönlich in die Wohnung der guten Lea, meines theuercn verblichenen Vaters Wirthschafterin brachte." ״So lebhaft die Freude Lea's über meine Wiederkehr war, ebenso groß war ihr Betrübniß über mein Mißgeschick." Das letzte Wort berührte abermals die empfindliche Seite im Herzen Samuels, convulsische Zuckungen zeigten an, daß eben jetzt wieder der periodisch wiederholte Paroxismus eintrat, und die unmittelbare Folge desselben war eine zwar nicht lange anhaltende Geisteszerrüttung, die sich in folgenden, abgebrochen herausgestoßenen Phrasen Ausdruck fand. ״Dort, am Grabe meiner Mutter, meines Vaters laßt mich beten, mit blutigen Händen die theueren Neste dem gierigen Todenwurme eurteißen! Vater! hörst du nicht? Dein blinder Samuel klagt, fort von diesem Ort der Thräuen. zu ihr will ich', zu ihr, dem Bilde meiner Träume. Doch, ha! ha! ha!" und gräßlich lachte Samuel, so daß dem Präses ein kalter Schauer .überlief, ״zu ihr?! ich bin ja blind! hier meine Geige, singen will ich ihr mein Leid, die ewig junge Liebe, betteln vor ihrer Thürc, betteln nicht um einen süßen Blick, ach ich sehe ihn ja nicht, nicht um ein freundliches Wort, für unglückliche ein Labsal, nein! um.ein Almosen ha! ha' ha! ja um ein Almosen, mein Röschen, ich bin ja nur ein blinder Bettler!" (Schluß folgt.) Kleine Chronik. Wien. 18. Mai. Dr. Bloch. Bezirksrabbiner in Floridsdorf ist gestern mit großer Majorität an Stelle des jungst verstorbenen Rabbi Schreiber in den Reichsrath gewählt worden. London. Rev. E- Spiro ist an die hiesige Hauptsynagoge berufen worden. Nnnb. Obercantor A. Schmulowitz erhielt von Professor S. Sulz er ein Schreiben, in welchem derselbe seinen Dank für die Zusendung der von Herrn Schmulowitz jüngst erschienenen Compositionen aussprach. Wien. College Emil Frank e l verbleibt, laut einer vom Gemeindevorstande an die Redaction ergangenen Zuschrift, auch weiterhin auf seinem Posten in Strakonitz. Griindnngs- und Veremsbeiträge. H. Lemberger, Kuttenplan, viertelj. Beitrag; S. Meisel, Gänserndorf, halbj. Beitrag; S- Friedmann. Pionicza, viertel!. Beitrag; B. Tritsch, Doleschen, GründungS- und ganzj. Beitrag; I. Weis, Tobitschau^ halbj. Beitrag; I. Neumann, Oberhvllabrnnn, viertelj. Beitrag; R. schwalb. Stampfen, Gründungs- und ganzj- Beitrag; I. Schiller, Wien, viertelj, Beitrag; M. Schlesinger, Hernals, halbj. Beitrag; B. Weis, Brandtts a. E., halbj. Beitrag; H. Pimsenstein, Weirentrebetitsch ganzj. Beitrag; I. Schwarz, Drosau, halbj. Beitrag; H. Äöwy, Neunkirchen, viertelj. Beitrag; H. Rosner, Herm. Nieste.׳, halbj. Beitrag; A. Schrecker, Piesling. viertelj. Beitrag; R. Kohn, Kobersdorf, halbj. Beitrag; Schwarzkopf, Tachau, halbj. Beitrag; C- Grünfeld, Gaudenzdorf, viertelj. Beitrag; D. Engel, Klausenburg, dreiviertelj. Beitrag. WerichklglMg: Jv bei' vorigen Nummer wurde irrthümlicher Weise für Herren Collegen Lamm in Pobrlitz ein vierteljähriger Beitrag statt des eingesandren halbjährigen auSgewiesen. Der VereinScassier. Correspondenz der Nedaction. Collegen Prof. Fr. in P.; L. in Pik.; K. in K; Gin Gand. F. in P.; W. in T-, B. in P., W. in L.; G. in K.; H. in B-; 8. in R.; Eig. in St. G-, N. in St. P bestätigen dankend die eingesandten Beträge. E. i n K l. Wir bestätigen dankend den Betrag und haben Ihnen. 50 kr. für das kommende Quartal gutgeschrieben. St. in M. Sie sind für 2 Quartale im Rückstände. D r. Gi 11 Z. Bedauern außerordentlich Ihr Eingesandtes nicht au fnehmen zu können, da eS für unser Blatt nicht passend. Riesenf. in N. B. Ihr Artikel wäre für die ״Neuzeit' geeignet. Herr Dr. Jellinek würde Ihnen hiefür gewiß dankbar sein. W. i n 8. Wenn Sie in den Verein ausgenommen zu werden wünschen, wollen Sie sich gefälligst an den Vereinsvorstand I., Seitenstättengasse Nr. 4 wenden. I. M. in 8- Wir berechnen Ihnen ausnahmsweise für zweimalige Einschaltung 2 Mark. W. in T. Rechnung an den Gemeindevorstand abgesandt. Auf besonderen Wunsch theilen wir folgenden Herren Collegen ihre Rückstände an Vereinsbeiträgen bis 1. Juli 1883 mit: M. in G- Rest fl. 2; 8. in Neunk. fl. 2; 8. in Priw. fl. 2; B. in B. 8fl. 1; 8. in P. fl. 2; M. K. in K. fl. 2; N. in 8. fl. 2; Schw. in T. fl. 2; W. in Simonr. fl. 1.