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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-05-19 · Heft 17 (19.5.1883) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 17 (19.5.1883)
Date
1883-05-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichischungarische PrllNl11nerlltil1l157Preis für Wien und Umgebung und Provinz: Ganzjährig . . fl. 6.— Halbjährig . . fl. 3.— Vierteljährig . fl. 1.50 Für das Ausland: Ganzjährig. . st. 7.— Halbjährig . . fl. 3.50 Vierteljährig . fl. 1.75 inrl. IllstkUang in's Haus. Organ die feammt -Sttterrssra jüdischer Cantnrra. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Icrkoö Merrrerr. Administration Lcopol-jtadt, Circusgasse Nr. 20. Manuscrip le werden nicht retournirl. Inserate werden billigst berechnet. Nr. 17. Wien, 19. Mai 1883. 3. Jahrgang. Ueber die Berufung eines allgemeinen Cantorentages. Der langersehnte Frübling ist endlich hcrangekommen und mit den ersten warmen Sonnenstrahlen erweckt er in unseren! Herzen die Reiselust die uns hinauszieht in die weite Ferne. Dort hofft der Mensch die Linderung seiner Sehnsucht zu finden, dort sich von ׳ den Stürmen des Lebens zu erhol:!!. Nielleicht treibt ihn auch der Drang, glücklichere Menschen zu suchen, in die FxkMde, vielleicht weiß er es nicht, daß dis Menschen aller Zonen in ihrem Mühen und Plagen sich gleichen. Enttäuscht wird er oft in sein Heim zurückkehrcn und doch erwacht in dem nächsten Frühling die gleiche Lust in ihm . und das Näthsel des menschlichen Herzens bleibt auch hier ungelöst. Eine solche Reiselust scheint auch den Bromberger ״jüd. Cantor' angewandelt zu haben. Er beantragt nämlich und verficht mit-ausgesuchter Beredsamkeit in den beiden letzten Nun!- mern die Einberufung eines gemeinsamen Cantorentages an welchem sich Deutsche und Ungarn betheiligcn sollen und zu dem, gnädiger Weise, auch die armen-Oesterreicher, diese ״Stiefkinder' des Cantorenthums, zugelassen werden. Verräth doch auch sonst unser geehrter College in Bromberg sehr große Zuneigung für unseren Verein, den er sehr gerne zerfasert sehen möchte in einen mährischen, böhmischen, ungarischen und österreichischen. Warum dies so ist, ist uns völlig unklar, aber diese Thatsache müssen wir einmal constatiren, wobei wir nicht unterlassen können, die Frage auszuwerfen, ob nach der Meinung des ״jüd. Cantor", die Juden schon wirklich in viele Nationen und Natiönchen aufgelöst sind und von einander strenge geschieden werden müssen. 'Wir huldigen di e s e r A n si ch t n i ch t, wir haben vielmehr alle Cantoreu Oesterreich-Ungarns in einem Vereine zu sammeln gestrebt' und werden u ns'nie u nd nimmer be st im men l a s sen, v on di esen Bestrebungen abzugehen. . Doch um zu dem beantragten Cantorentage Stellung zu nehmen, erklären wir rund heraus, daß wir, für jetzt wenigstens, den Nutzen eines solchen nicht einzufehen vermögen. Der Gedanke au und für sich ist ein lobenswerther, aber werden die Erfolge zu den Mitteln, die anfgewendet werden müssen, im Verhältniß stehen? Als wir im vergangenen Jahre den Cantorentag nach Wien beriefen, thaten wir es um d i e B e g r ü n d u n g eines Vereines anzubahneu. Dies und nur dies war es, was unser Unternehmen gelingen ließ. Einen deutsch-österreich.-ungar. Cantorenverein aber auf d e u t s ch e m Boden zu begründen, ist, wie unser College in Bromberg selbst zugibt, ein Ding der Unmöglichkeit, und daher ein Fiasco höchst wahrscheinlich. Daß ein allgemeiner Cantorentag wegen Behandlung von Fachfrageu nicht einberufen zu werden braucht, ist ja selbstverständlich, denn wozu wären denn die F a ch org a n e? Ebenso kann die Abstellung interner Mängel, sowie die definitive Anstellung der Cantorrn auf dem vorgeschlagenen Wege nicht erreicht werden, da die Stimme des Cantorentages, wie so vieler ähnlicher Versammlungcn, ungehört verhallen würde. Wohl aber kann durch die Presse und nicht nur die Fachblätter so Manches erreicht werden. Was den Gedanken einen Norm-Agende betrifft, so ist derselbe zwar richtig, aber nicht mehr neu. Auch wir haben denselben des Oesteren erörtert und sind zu Erkenntuiß gelaugt, daß eine solche nur vom deutschen, respective österreich. - uugar. Cantorenvcreine herausgegebeu werden könne. Ein dahin abzielender Beschluß ist von dem Letzteren schon im vergangenen Jahre gefaßt und nur die Ausführung für jene Zeit hinaus geschoben worden, in welcher bereits größere materielle Mittet zur Verfügung stehen werden. Damit glauben wir erwiesen zu haben, daß ein allgemeiner Cantorentag keine brennende Nothwendigkeit ist, daß es vielmehr Hauptsache sei, die Vereine zu kräftigen und immer größere Kreise für dieselben zu gewinnen. Dann erst können die Vereine miteinander in Contact treten und gemeinsam an der Hebung, des Standes arbeiten. Bis dahin wird man uns es nicht verargen, wenn wir uns für den vom ,jüd. Cantor' in Bromberg ausgehenden Gedanken eines allgemeinen! Cantorentages nicht begeistern können.

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