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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-03-11 · Heft 16 (11.3.1883) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 16 (11.3.1883)
Date
1883-03-11
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichischungarische Für das Ausland: Ganzjährig. . fl. 7.— Halbjährig . . fl. 3.50 Bierreljährig . fl. 1.75) incl. 3ulUUnng in's Haus. Prannliieratlolls-Preis für Wien und Umgebung und Provinz: Ganzjährig . . fl. 6.— Halbjährig . . fl. 3.— Bierteljährig . fl. 1.50 Organ für die Oesammt-InterrMN jüdisäier Lllutüreu. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor IcrAoö gßcxttev. r Scdacli0n und Administration Lropoldstadt, Circusgasse Nr. 20. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirl.; Nr. 16. Wir», 11. Mai 1883. 3. Jahrgang. Sprechen und Singen.^. Das Verhältnis; der Stinime und Sprache zum Charakter des Menschen. Nadeau sucht in feinem reizend zusammengeftellten Büchlein, über ,Stimme, Sprache, Sang und Klang" in wahrhaft amüsanter Art, den Beweis zu liefern, daß eine gewisse Art von Stimme dem Charakter eines Menschen entspreche. Er citirt Pater Ki r ch n e rs dev um 1650 bemüht geü-esenp aus den wer-- schiedenen Klangformen der Stimme Charakter, Temperament und selbst Thierähnlichkeit zu erschließen. Es ist wol nicht erst nöthiz zu betonen, daß der heutige Stand der Wissenschaft all dies nur als Scherz aufzufassen gestattet. Ein einziges Beispiel wäre genügend, derartige Schlüsse als hinfällig zu bezeichnen. Nach Kirchner haben alle Bassisten ein ganzes Heer niedriger Eigenschaften. Und warum? Weil Caligula auch im Basse gesprochen haben soll. Ja selbst bis auf unsere Zeit hat sich diese Vorstellung aufrecht erhalten, daß mit den tiefen Tönen der Stimme ein gewisser Grad von Schlechtigkeit des Charakters verbunden sein müsse. Jeder von uns wird sich erinnern, daß der Intrigant auf der Bühne bei. dem ersten Worte, das er zu sprechen hat, schon durch den tiefen Timbre der Stimme sich uns als den Bösewicht der Tragödie zu erkennen gibt. Wie falsch diese Ansicht ist, erlernen wir am klarsten aus dem Leben. Die ärgsten Bösewichte, denen wir in unserm Leben zu unserm Kummer begegnen, haben zumeist das wohlklingendste, verführerischst? Organ. Dem geistreichen Musiker Halevy danken wir den Ausspruch: ,Bariton und Mezzosopran sind die elektrischen, erobernden Stimmen." Dieses scharfsinnige Wort ist nicht ohne reelle Basis, denn es zeigen sich durchschnittlich laryngoskopisch der Bariton, als die normale Stimme des Mannes und ebenso der Mezzosopran als normale Stimmlage der Frauen. Bei den zahlreichen Untersuchungen des Kehlkopfes impouirte mir der Tenor in seiner Bildungsform nur als die Ausnahme, der Bassist als die stärkere Entwicklung des normalen männlichen Kehlkopfes. Es scheint daher auch nicht Zufall zu sein, wenn Halevy von Tenoristen sagt: Wenn einem Manne von Phantasie ein Tenor zusällt, einem Manne, in dessen Kopfe klare und lebendige Gedanken wohnen, so wird er in dieser Stimme das wirksamste und bereitwilligste Organ finden. In diesem ,wenn" Halevy's liegt die Bestätigung dessen, was mir die physikalische Erfahrung seit Jahren gezeigt. Der Tenor ist die Ausnahme, denn ein gut entwickelter normaler manulicher Kehlkopf zeigt jene Dimensionen, die zumeist dem Bariton eigen sind. Ist der männliche Kehlkopf zarter, nicht so breit in seinen Stimmbändern, im Ganzen graziler, geschmeidiger, so hat der Träger dieses Kehlkopfes die seltene Gabe eines Tenors. Echte Tenorstimmen, mithin noch halbwegs normal entwickelte männliche Kehlköpfe, haben zumeist noch einen Klang des Bariton. Fehlt ihnen dieser dunkle Timbre, so schlagen sie bald im Hinaufsteigen in's Falsett über, oder in jene Stimmsorm, die man unter dem Namen ,voix mixte“ bei vielen Sängern findet, als Surrogat jener hohen Töne, die einem Tenor noch zukommen. Der Kehlkopf des Bassisten zeichnet sich insbesondere in den Stimmbändern und deren Breite von dem Bariton- Grundtypus aus. Dem entsprechend ist auch die Kehlkopfhöhle geräumiger, ebenso die Luftröhre. In einem gewissen harmonischen Ganzen zeigt sich auch die Entwicklung des Thorax. Ein Bassist mit schmächtigem Thorax ist kaum denkbar. — Unier den Frauenkehlköpsen ist jener der Altistin durch die Mächtigkeit ihrer Stimmbänder im Verhältnisse zur Sopranistin oft schon bei der Jnspeciion mittelst des Kehlkopfspiegels zu erkennen; ob aber eine Sängerin Mezzosopran oder hohen Sopran singe — dies aus dem Spiegelbilde zu beurtheilen, ist unmöglich. Unter den G e s angs.Regist ern, die wir zu hören bekommen, ist die Bruststimme jene, welche auf unser Gemüth den lebhaftesten Eindruck macht. Brusttöne von schönem Klange ergreifen uns mächtig, cs hat den Anschein, als ob der Brustton in unserer Brust seinen Widerhall finde. Der vollklingende Brustton erzeugt auch faktisch in unserem Thorax eine Resonanz, und da wir physikalisch genau wissen, daß die stehenden Luftwellen im Luftrohre und den Bronchien bis an die Außenfläche unseres Herzens reichen, so ist der Ausdruck: ,Der Sänger hat mit seinem Gesang unser Herz berührt", nicht nur symbolisch zu nehmen. Gerade so, wie aus dem Elaviere jener Ton heraus-

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