Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 15 (3.5.1883)
- Date
- 1883-05-03
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Oesterreichisch-ungarische ץ5; Pimumeratimr-Pnir für Wien und Umgebung und Provinz: Ganzjährig . . fl. 6.— Halbjährig . . fl. 3.— Vierteljährig . fl. 1.5V —V/\J— Für da- Ausland: Ganzjährig. . fl. 7.— & Halbjährig . . fl. 3.50 ' Vierteljährig . fl. 1.75 rsstklluaz 1»'« <1u, Jj ren - Zoilun Organ die Gesummt-Interessen Mischer Gnntnreu. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: ObercanLor Icrkoö Marren. ^cdaction Administration Lropol-stadl, | Tircusgasse Nr. 20. Inserate werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. Nr. 15. Vien, 3. Mai 1883. 3. Jahrgang. Sprechen und Singen. IL Von Professor Dr. Carl Stoerk. Sprachstörungen. Beim Stottern kommt es nicht zu regelrechten coordinirten Bewegungen, indem durch momentane Störung Verhältnisse eintreten, die die tönende Expiration unmöglich machen. Was zumeist am Stotternden auffällt, ist, daß er einen Krampf in der Stimmenritze bekommt, er verschließt die Stimmritze in einem Momente, wo selbe gerade offen sein muß oder tönen soll, dieser Krampf setzt sich dann auf die Muskeln des Schlundes, des Mundes, der Zunge fort. Nach den jüngsten Untersuchungen liegt die Ursache dieser Sprachbe- Hinderung nicht in den Articulationswerkzeugen, sondern einzig und allein in der unrichtigen Verwendung des Arhems. Das perverse Athmen ist, bei entblößtem Thorax betrachtet, leicht zu erkennen, daher ist die Heilung eines derartigen Uebels mehr Sache der Gymnastik und Didaktik, als der Medicin. Solche Kinder, bei denen man die ersten Anzeichen des Stotterns merkt, können selbst von ihren Müttern geheilt werden; nur müßten sich Mütter und Lehrer die Mühe nehmen, den Athmungsproceß vorerst bei normalen Kindern genau zu beobachten. Sie werden bei dieser Gelegenbeit die Wahrnehmung machen, daß zum Sprechen nur die Ausathmung dient und wenn sie dies erlernt haben, so können sie dem Kinde bald das rythmische.Aus- und Einathmen beibringen. Sobald sie das für einige Minuten zu Stande gebracht haben, müssen sie den Versuch machen, das Kind so viel Worte mit der ausströmenden Lust sprechen zu lassen, daß mit dem Ende des Satzes auch die!Expiration beendigt sei und da wird sie die Erfahrung bald lehren, daß bei solchen pervers Athmenden, Stotterern, in der ersten Zeit ein Wort für die Expiration schon genügt, bis sie es allmälig dahin bringen, mehrere Worte mit der Expiration ununterbrochen auszustoßen. Das Stottern in der allerersten Zeit zu beheben, hat keine besondere Schwierigkeit. Hat aber dieses, perverse Athmen Jahre hindurch angedauert, so erfordert die Heilung enorme Geduld und Ausdauer. Der Curiosität halber sei ermähnt, daß in alter Zeit die Heilung des Stotterns als Geheimmittel behandelt wurde. Eine Frau Leigh aus New-Aork gründete ein System der Heilung. Im vorigen Jahrhundert kaufte die niederländische Regierung dieses Privilegium, respective dies Geheimniß der Heilung. Bans mann in Westphalen bekam 183i von der preußischen Regierung sogar ein gewerbliches Privilegium zur Heilung dieses Uebels. In Brüssel existirte noch vor einigen Jahren eine besondere Heilanstalt hiefür. Ein nicht minder störender Sprachfehler ist das Anstoßen der Zunge an den Zähnen. Heute, wo das Princip der Oeffentlichkeit auf allen Gebieten Platz gegriffen hat — heute, wo das richtige, deutliche Sprechen zu solcher Wichtigkeit gelangt ist, wirkt fehlerhaftes Sprechen nicht nur störend, sondern ist für den Betreffenden von directen. materiellen Nachtheilen begleitet. Es kann der begeistertste, eloquenteste Redner, wenn seiner Zunge ein solcher Mangel anhaftet, nie denjenigen Erfolg erringen, den ein anderer Sprecher erzielt, der, wenn auch weniger geistreich und beredtsam, doch zum mindesten fehlerlos spricht. Dieses Moment ist es auch, welches sich an unseren Erziehungsanstalten einer wachsenden Pflege erfreut. Wir sind es unfern Kindern schuldig, der sprachlichen, als der Basis jeder weiteren Erziehung, inner Hauptaugenmerk zuzuwenden. Ueber die sogenannte todte Sprache. Der rhinoskopischen Untersuchungsmethode verdankt man es, daß man die Ursache der sog. tobten Sprache nachgewiesen hat. Insbesondere hat Wilhelm Mayer in Kopenhagen das Verdienst, über adenoide Vegetationen in der Nasenrachenhöhle eine höchst verdienstvolle Arbeit geliefert zu haben. Das Wesen der tobten Sprache besteht darin, daß der Nasenrachenraum, der sonst für die Stimmvibrationen frei sein muß und der bei ruhigem Athmen auch als Durchgangsrohr für das Athmen dient, namentlich bei Kindern von ganz eigenthümlichen Wucherungen erfüllt wird, welche die Durchgängigkeit der Luft und mithin auch das Tönen der Sprache Hiezu eine Mrrfik-Beilage.