Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 3 (1883)
- Issue
- Heft 12 (3.4.1883)
- Date
- 1883-04-03
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Theaters die Brust voll von Bängnissen. Die Knie schlotterten ihm, er wagte kaum zu athmen, denn in höchster Aufregung horchte er auf das dumpfe Gemurmel innerhalb des Hauses. Ihm allein war es nicht vergönnt, sein eigenes Werk zu vernehmen, das blendende grelle Licht verursachte dem armen Componisten stechenden Schmerz in den Augen. Er war verbannt aus der Mitte des fröhlich gestimmten Volkes, allein mit der schweren Last seiner Angst — denn es galt ja sein Alles. — Die Ouvertüre zog unter dem Treiben des Publicums spurlos vorüber. .Der Vorhang ging in die Höhe, mehr und mehr verlor sich das Geräusch. Einige Stellen wurden freundlichst ausgenommen und applaudirt, aber ihr günstiger Eindruck verschwand bald wieder. Keine Arie, kein Ensemblestück vermochte so recht durchzudringen, einen enthusiastischen Beifall sich zu erzwingen. Kalt blieb das Auditorium und die Einzelnen, welche mit anhaltender Aufmerksamkeit der Musik lauschten, waren — Deutsche. Samuel war gebildet in der italienischen Schule, doch die Formen der rhythmischen Anlage allein waren es, welche dafür sprachen; er hatte unter dem südländischen Himmel seine deutsche kräftige Denkungsweise, sein tiefes Gefühl bewahrt und deshalb glich seine Musik einem mühsam in den Conturen wie Einzelnheiten ausgeführten Gemälde, welches nicht durch bunte Farbcntracht schon beim ersten Anblicke entflammte, sondern dessen Vorzüge und künstlerische Vollendung nur dem aufmerksam denkenden Beschauer nach öfterem Anblicke ganz zu ermessen Vorbehalten sind und deshalb verstanden ihn nur diese; das Publicum gerieth in eine unbehagliche Stimmung und nur die an manchen Stellen pompöse, immer aber äußerst effectvolle Jnstrumentirung bewahrte das mit größtem Fleiße und mit Aufwand aller künstlichen Combinationen durchgeführte Finale des ersten Actes vor einem Fiasco. (Fortsetzung folgt.) Theater, Kunst und Literatur. Hofoperntheater. Die Generalintendanz beauftragte Herrn Prof. B a ch r i ch, welcher in den seiner Oper ״Muzzedin" beigegebenen Tanznummern besonderes Talent für Balletmusik bekundet hat, die Musik für ein neues Ballet ״Sakuntala", welches in der nächsten Saison zur Aufführung gelangt, zu componiren. Frau Gomperz-Bettelheim hat sich bereit erklärt, bei der im Hofoperntheater am 6. April zum Schlüsse des Mozart-Cyclus stattfindenden Aufführung des Requiems das Ältsolo zu singen; die anderen Soli haben Frau Wilt, die Herren Broulik und Rokitansky übernommen. Italienische Oper. Samstag den 31. März nahm im Carltheater der von Herrn Merelli jun. veranstaltete italienische Operncyclus mit der ״Lucia" seinen Programmmäßigen Anfang. Ein erfreulicher Beweis für den günstigen Erfolg ist der Umstand, daß das durch die außerordentliche Reclame in seinen Erwartungen auf's Höchste gespannte Publicum von den Leistungen vollkommen befriedigt war. Die Hauptaufmerksamkeit lenkte sich auf den Stern der Gesellschaft, Frau Etelka G erster, deren Gesang sofort eine ausgezeichnete Schule verräth, die Stimme ist in allen Lagen musterhaft disciplinirt, die Coloratur von außerordentlicher Schönheit, das Spiel ausdrucksvoll, wenn auch in manchen Momenten übertrieben. Das Publicum zeichnete diese Künstlerin, welche gewiß einen hervorragenden Platz in der Reihe der ersten Sängerinnen verdient, durch stürmischen Beifall und reiche Blumenspenden aus. Nicht minder günstig war der Eindruck, den Sign. Bertini (Edgardo), welcher über eine kräftige Tenorstimme verfügt, durch seinen maßvollen Vortrag hervorbrachte. Sign. Caltaginone. Bariton, ersang sich mit seinem ״Lord Asthon" auch einen schönen Erfolg. Der Capellmeister Sign. Bimboni, noch ein junger Mann, verdient unbedingtes Lob. da er in sehr kurzer Zeit Chor und Orchester recht tüchtig eingeschult hat. Das Theater in derJosefstadt erzielt mit Morro's Posse ״Die Familie Schneck" volle Häuser. Die auf Donnerstag den 5. d. M. festgesetzte letzte Quartett-Production Hellmesberger mußte wegen Erkrankung dieses Künstlers auf Dienstag den 24. April verschoben werden- Im Verlage der bekannten Kunst- und Musikalienhandlung Wetzlar ist ein Requiem, vom Obercantor am Leopoldstädter Tempel in Wien, I. Goldstein, welches dem Andenken der jüngst verschiedenen Eveline Freiin v. Popper gewidmet ist, erschienen. Wir machen hiemit unsere Collegen auf dieses Werk aufmerksam. Man pflegt oft den ungerechten Borwurf zu vernehmen, daß die Wiener israelitische Cultusgemeinde und besonders die Spitzen derselben dem Hebräischen völlig den Rücken zugewendet hätten, dem sind wir in der Lage entschieden entgegen zu treten. Es erschien nämlich vor einigen Wochen hier in der Knöpfelmacher'schen Buchdruckerei ein Werk, betitelt chaje Aristu wehafilofia sehelo, das ist das Leben des Aristoteles und seiner Philosofie auf das Schriftthum der alten Hebräer verwerthet u. s. w. Der Verfasser dieser seltenen Schrift, Herr Samuel Modlinger, der der hiesigen Gemeinde-Bibliothek ein Exemplar verehrt hatte, erhielt hierüber ein von dem gesummten Vorstande unterfertigtes Anerkennungsschreiben und als Honorar für das Exemplar wurde ihm der Betrag von 20 Gulden zuerkannt. Berichtigung. In der vorigen Nummer in dem Artikel ״Ueber Ehre" Seite 4, Zeile 20 von oben lies: ״Die Brände der göttlichen Lehre; Zeile 9 von unten ״Obaebam Z’wi“' In demselben Artikel Seite 5, Zeile 8 von unten ״M’gilah 13 b)״, Zeile 1 von unten ״Exodus". Korrespondenz. I o a—i n B.. N. i n L., L. i n E.. H. i n D., L. i n W.. G. i n S ch. S ch. i n R.. S. i n T., W. i n T., W. i,1 Br., A. i n H. dankend bcstätigen wir die eingesandten Beträge. G. 1 n A. Wir danken herzlichst für Eingesandtes. Ihre außerordentliche Anhänglichkeit freut uns insbesondere Best. Gruß. N. i n T. Bestätigen dankend den Empfang. Brief folgt nächstens. Beste Grüße. Dr. G. i n H. Erscheint in nächster Nummer. S chi n M. Wir theilen vollkommen Ihre Ansicht und haben zur Beseitigung dieses Uebels schon das Nöthige veranlaßt. Bon der Aufnahme, Ihres Artikels mußten wir jedoch Abgang nehmen. Besten Gruß. B. in O l. Wollen Sie uns gef. sichere Daten angeben. St. hat sich seinerzeit uns gegenüber sehr uncollegialisch benommen. A. in S t r. Artikel für Parsches Parah nicht geeignet, da er rein homiletischer Natllr ist. Den jüngst gesandten werden wir nächstens verwenden. Colleg. Gruß. An mehrere unserer geehrten Herren Mitarbeiter. Wegen Ueberfülle des Stoffes mußte ein großer Theil der Manuscripie für nächstes Mal Zurückbleiben. Zugleich bitten wir um eine leserliche Schrift, da schlecht geschriebene Manuscripte. auch wenn deren Inhalt noch so vortrefflich ist, nicht gesetzt werden können. Die Red.