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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-04-03 · Heft 12 (3.4.1883) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 12 (3.4.1883)
Date
1883-04-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
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OesterreichisGh-ungarische ^Prämimrratimir-Pmi^ für Wien und Umgebung und Provinz: Ganzjährig . . fl. 6.— Halbjährig . . fl. 3.— Vierteljährig . fl. 1.50 Organ _ für die Gesäumt-IntMMU jüdischer Cautorni. Erscheint jeden achten Hag. Für das Ausland: Ganzjährig. . fl. 7.— Halbjährig . . fl. Z.SO Vierteljährig . fl. 1.75 incl. Instkllung ia's Ha». J Begründ er: ObercanLor §a&oß Mcruev. AVmrnrnranon Leopol-sta-t, Tircusgasse Nr. 20. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. Nr. 12. Wien, 3. Äs-ril 1883. 3. Jahrgang. AöonnenMls-ßinkadung. Mit dieser Nummer beginnt die ״Oesterreichisch-nngarische Cantoren-Zeitung 44 .. ......״1^.. . ....... - . Las II. Quartal Lir-ses Ja^ganges und laden wir uusi^e geehUen^Herren Sollegen zur rechtzeitigen Erneuerung des Abo nements für dasselbe ergebenst ein. Zugleich ersuchen wir die geschätzten Abonnenten und Inserenten ihre Rückstände zu begleichen, da wir unseren zahlreichen Verpflichtungen pünktlich Nachkommen müssen. Neber Gesinnung. (Eine Betrachtung sür Sabbath Parah.) Wenn eine Gemeinde das Unglück hat, einen Cantor zu besitzen, der nicht singen und einen Rabbiner, der nicht lernen kann — und das ist in unserer Zeit, wo für Talentlosigkeit nicht selten ein ergiebiges Thätigkeitsfeld der Jntrigue, Kleingeisterei, Schmeichelei und Verdächtigung in Gemeinden offen steht, sehr häufig der Faü — sagen die dii minorum gentium tröstend zu der auf dem Olymp thronenden Vorstands-Allmacht: ״Ja, aber der Mann hat .,Gesinnung." Wir haben nach ״Gefinnung" gewählt. Was aber dieser Begriff bedeutet, wissen selbst die Falschmünzer desselben nicht. Es handelt sich ja nur um ein Schlagwort, dem ״von oben herab" mit olympischer Ruhe zugenickt wird, wobei das Wohl ganzer Generationen ganz gemüthlich geopfert wird. Baco von Verulam nennt solche gedankenlos ausgesprochene Begriffe, unter denen die Menschen sich was Großes denken: ein Classen-Jdol (Idolen tribu8). Die Bibel nennt diesen, nach meinem Dafürhalten, eine ״r o t h e Kuh (Num. 19, 2), einen Gegenstand der Anbetung, um der guten Milch und Butter wegen, mit der das Idol seinen Mann versorgt. Solche Falschmünzerei muß aus der Welt ge- Die Administration. schafft werden; ״denn vom Mop zur Zeder zieht sich der rothe Faden der Sünde" (Num. 19, 6), vom Erhabenen zum Lächerlichen ist auf diesem Wege ein Schritt; ja noch mehr, das Erhabene wird hierbei in den Dienst des Lächerlichen herabgezerrt. Ich kenne eine große Gemeinde, die Decenuien hindurch am Gängelband solche falsch gemünzten Begriffes herumgezerrt worden war, um zur Ehrfurcht für einen Führer gezwungen zu werden, der weder (in Wort noch in Schrift, weder in seiner Persönlichkeit noch in seiner Leistung auf Bedeutung Anspruch machen konnte. Doch wird als Parole vom officiellen Gemeindebureau aus das Urtheil jedes Mal ausgegeben: Der Mann hat Gesinnung. Nun, solche Idol muß niedergebrannt bis allf die Asche werden (Num 19, 5), wenn es um sittliche Läuterung des Volkes sich handelt. Freilich bringt der Priester der religiösen Ethik hierbei die größten Opfer, er selbst, der mit dem Werke der Läuterung sich beschäftigt, wird in seiner Ehre und in seinen heiligsten Lebensgütern von der Niedertracht entweiht, verunreinigt und geschändet (Num. 19, 6 u. 7), das Werk selbst aber ist rein und für die Ewigkeit gottgefällig und Menschenwürdig (Num. 19, 10). ״Frische Gedankenströmungen gießet in das Gesäß" (Num. 19, 17) der Sprache, schaffet für die

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