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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-03-18 · Heft 10 (18.3.1883) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 10 (18.3.1883)
Date
1883-03-18
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Samuel, der blinde Geiger. Novelle von Alois Kulka. 2. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.) Nach mehreren Tagen erst konnte Samuel das Krankenlager bleich und verstört verlassen. Er war zu dem festen Vorsatze gekommen, die Tonkunst als Gefährtin seiner Leiden zu wählen, sie sollte, wenn sie diese auch nicht verbannen könnte, ihm doch wenigstens den Schmerz versüßen. ״Ja", sprach er, ,cher Muse will ich mich ergeben, sie soll mir vorleuchten auf der schroffen Bahn, die ich betrete, ihre Segenshand richte mich auf in meinem Unglücke und entreiße mich einem Labyrinthe von peinigenden Gedanken, -aus denen kein Ausweg führt, als der durch die Pforte der Verzweisiung. — Nach Süden, in das Land der Melodie laßt mich ziehen, im Schatten der Cypressen, an den silberklaren Quellen will ich ruh'n, vielleicht vermag die Gluth der Zone die tosende Fluth der Sehnsucht im Busen zu vertrocknen, vielleicht entsproßt Italiens üppigen Gefilden das Balsamkraut für meine Wunde — Trennung ist ja sonst der Liebe Tod. Bald — morgen schon will ich von ihr Abschied nehmen; doch nein! ich sagte ihr ja schon ״Lebewohl" auf — Nimmerwiederseh'n. Ich fürchte den Zauberbann ihres Anblickes, er könnte mich zurückhalten von meinem Entschlüsse, und an diese Räume fesseln, wo die Kunst so wenig erkannt und geachtet wird, wo kein erfahrener Nestor mir rathend und belehrend zur Seite steht, — Röschen darf ich aber nimmer seh'n, nimmer kosten von dem Giftbecher der Liebe, der die Kraft zum Höherstreben hinwegtäuscht — und doch kann ich nicht scheiden, ohne ihr mein Abschiedslied gebracht zu haben. Nur mit Widerwillen billigte Samuels Vater den Entschluß seines einzigen, geliebten Sohnes doch, nachdem ihm der Sohn vertrauungsvoll sein Inneres enthüllt, ihn überzeugt hatte, wie wohlthätig, ja nothwendig die Trennung von Röschen sei, ließ sich der greise Mann, der, wenn Samuel ihn verließ, allein stand, da ihm schon vor Jahren der Tod die ihm so theuere Gattin entrissen hatte, unter Thränen herbei, die Abreise auf den nächsten Tag festzusetzen. Ver- .gebens rieth und bat er Samuel, das Wiener Conservatorium zu besuchen, allein der Sohn, dessen Phantasie sich ein liebliches heiteres Bild von dem Treiben und Kunststreben des Südens entworfen hatte, den er die Wiege der Kunst und Bildung nannte, wollte nur nach den Fluren jenseits der Alpen, wo seine Ideale Scarlatti, Pergolese u. A. gelebt und gewirkt hatten. Nach Neapel, jener herrlichsten Stadt der Welt, von welcher sein stolzer Bewohner sagt: ״V6cli Napoli 6 poi muori!" dahin zog es ihn. Wer kennt sie nicht aus eigener Anschauung, oder doch wenigstens aus vielen und mannigfaltigen und doch immer nur dasselbe wiederholenden Beschreibungen und Reiseskizzen jene prachtvoll, am Rande des majestätischen Golfs gelagerte Stadt, über welche die Luft so mildgesund und balsamisch duftend hinstreicht, und wo man nimmer müde wird in den reichen Segnungen zu schwelgen, welche der stets heitere Himmel herabströmt. — Ja dahin, dahin zog es Samuel wie -mit Zaubergewalt. Und doch nicht ganz so leicht, als er geglaubt hatte, fiel ihm die Trennung von dem heimatlichen Städtchen, in welchem er die frohen Tage kindlicher Sorglosigkeit spielend verlebt hatte, wo er herangereift zum kräftigen Jüngling — von einem Vater, dessen Scheitel im Sturme der Zeiten schon früh gebleicht war und dessen Hoffnung auf ihm allein beruhte — von trauten Gespielen, die sich zu Freunden herangebildet hatten — von ihr — von seinem heißgeliebten Röschen endlich — um derentwillen er alles, was ihn an die theuere Heimat fesseln konnte, verlassen wollte und — mußte. Manch' bittere Thräne fiel aus seinem Auge auf die Reisetasche nieder, als er seine geringen Habseligkeiten zusammenpäckte; mancher Seufzer stahl sich aus der übervollen Brust, wenn er vom Fester seines Zimmerchens aus die bekannten Gesichter vorüberziehen sah.- -Es war Nacht. Klar und ruhig blickte der Mond hernieder. Alles schlummerte und Stille waltete in den Gassen und Straßen des Städtchens, wo der spießbürgerliche Gebrauch mit dem neunten Glockenschlage Ruhe gebot. Nur in einer der Gassen brannte noch ein Lichtchen und warf seinen Schein durch die weißen Gardinen herab; es war in Röschens Schtafgemach. In heiliger Andacht verrichtete das fromme wohlerzogene Mädchen das Nachtgebet und nachdem sie am Schlüsse desselben das Gebetbuch geküßt, verlöschte sie das Licht und bald entrückte ihr ein leiser Schlummer alle Sorgen. Hold lächelte ihr Rosenmund einem süßen Traumbilde zu, das ihr der tröstende Seraph aus einer schönern Sternenwelt herunterhielt. Da wurde Röschen Plötzlich durch zarte Klänge erweckt, sie strich sich das Haar von den Schläfen zurück, nicht wissend, ob sie in jener Feenwelt erwacht, oder ob alles noch Traum sei, was sie jetzt so wonnig durchdrungen. Mit gespanntester Aufmerksamkeit lauschte sie den ihr wohlbekannten Tönen einer Violine, welchen das tiefe Schweigen der Nacht, die noch halbgefangene Sinnenkraft einen neuen zauberischen Reiz lieh. (Fortsetzung folgt.) Kovrresponöenz. K. in M. Bestätigen dankend den eingesandten Betrag und haben denselben bis 1. April 1883 gutgeschrieben. K. in Fr., B. in P., St. in Sz-, L. in M., St. in P., L. in Str. Bestätigen dankend den Empfang des Abonnement. Gruß. Sch. in P. Ihr Eingesandtes haben wir für das 4. Quartal 1882 gutgeschrieden. St. in B. Sie haben noch das laufende Quartal zu begleichen. Fr. in Philadelphia. Wir zählen bereits mehrere Cantore» in Amerika zu Abonnenten unseres Blattes. Herzlichen Gruß. Schc. in P. Sie sind sür das letzte Quartal 1882 noch im Rück« stände. — F. in P. Mit 1. April baben Sie für das letzte Quartal des Vereinsjahres zu bezahlen. K. in G. Gedicht in nächster Nummer. M. in Cherson. Für die dwswöchentliche Nummer leider zu spät erhalten. Ihre Intentionen sind sehr löblich und werden dieselben uns sehr willkommen sein, denn auch wir streben einen Weltverein an. R. in G. Wird in der nächsten Nummer veröffentlicht. Wir ersuchen unsere geehrten Herren Mitarbeiter Manuscripte für die jeweilige Nummer spätestens vier Tage vor dem Erscheinungstermine einzusenden, widrigenfalls sie für die betreffende Nummer keine Berücksichtigung mehr finden können. Nächste Nummer -er ״Cantoren-Zeitung" erscheint Montag den 26. März.

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