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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1883-01-05 · Heft 1 (5.1.1883) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
3 (1883)
Issue
Heft 1 (5.1.1883)
Date
1883-01-05
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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— ׳ד — Und indeß scheint es, daß diesem Menschen die öffentliche Züchtigung nicht erspart bleiben darf. Es ist nicht ״Zeit des Schweigens", und jede öffentliche Beleidigung erfordert öffentliche Sühne. Diesen Erwägungen entspringt der Entschluß, die Züchtignng des Herrn Rohling meinestheils zu übernehmen, eine Antwort nach Gebühr und Verdienst ihm zu ertheilen. Er soll nicht ungestraft als competenter Fachmann für ein Wissensgebiet sich öffentlich berühmt haben, auf welchem er, der Professor für dieses Gebiet, notorisch ein unwissender Laie ist. Die unangenehmste Seite meiner Aufgabe ist die mir ungewohnte Sprache, die ich heute führen muß. Wer meine zahlreichen wissenschaftlichen Arbeiten gelesen, wird meine ruhige und rein sachliche Art wissenschaftlicher Polemik kennen; jedes herbe, jedes verletzende Wort bleibt ausgeschlossen, wo ich sachlich das den Gegnern Unangenehmste vorzubringen habe, suche ich es in eine möglichst humane Form zu kleiden. Von dieser meiner Gewohnheit muß ich heute leider abweichen. — Nicht zu einem Gelehrten, zu Herrn Professor Rohling soll ich reden und, um von ihm verstanden zu werden, muß ich mich zu seiner Sprache bequemen, zu der volltönenden, marktschreierischen Sprache eines ruhmredigen, unwissenden Plagiators. Ich zweifle aufrichtig, ob es mir gelingen wird, seinen eigenthümlichen Ton zu treffen; immerhin will ich es versuchen. ״Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil" ist nicht ein jüdisches, sondern ein deutsches Sprichwort. Ich bilde mir nicht ein, Herrn Rohling, ״gegen dessen eigensinnigen Verschluß der Augen, nach dem Zeugniß eines christlichen Gelehrten, kein Kraut gewachsen", eine bessere Einsicht, eine mildere, humanere Gesinnung beibringen zu können; allein das öffentliche Urtheil über diesen Mann, seinen Charakter und seine Gelehrsamkeit will ich, so weit es noch nöthig ist, aufklären. Die gelehrte Maske will ich ihm vom Antlitz reißen, daß seine völlige Ignoranz von aller Welt anerkannt werde. Die erste arge Schelmerei. Ich beginne mit der wichtigsten Behauptung in Ihrer ersten Enunciation, weil dieselbe Sie, Herr Prof. Rohling, selbst betrifft. Sie sagen: ״Da unter den Quellen der hebräischen Alterthumswisscnschaft, für die ich von Sr. Majestät dem Kaiser als ordentlicher Professor an die Universität zu Prag berufen wurde, der Talmud und das rabbinische Schriftthum eine hervorragende Stelle einnehmen, so habe ich einen staatlich anerkannten Anspruch, in diesen Fragen zu votiren." Dem gegenüber erkläre ich: Behauptung A: ״Ihnen, Herr Rohling, fehlt die moralische Eignung über den Talmud ein Urtheil zu fällen, ein Gutachten abzulegen. Beweis. Um über eine religiöse Literatur einer anderen Religionsgenossenschaft ein wahrheitsgetreues Urtheil abzugeben, ist vor Allem Unbefangenheit erforderlich, die Eignung, dem Gegner auch gerecht werden zu können, jenes sittliche Gerechtigkeitsgefühl, welches der Wahrheit die Ehre gibt und bei dem gehaßtesten Gegner die Tugenden und Lichtseiten nicht verschweigt. Die Rabbinen — Sie verzeihen, Herr Rohling, daß ° ich Ihnen diese Gehaßten als Muster vorführe — die Rabbinen pflegten an die heilige Schrift zu erinnern, welche von dem unreinen Schwein, das, weil es nicht wiederkauend, daher zum Genüsse verboten, HI. B- Moses 11, 7 ausdrücklich hervorhebt, daß es getheilte Klauen hat. Selbst dem unreinen Thiere muß man gerecht werden und seine wenigen Reinheitszeichen nicht verschweigen. Ein berühmter Talmudist, Elisa, der vom Judenthum abgefallen, wird im Talmud sehr oft seiner hohen Gelehrsamkeit wegen ruhmvoll erwähnt. Die größten ״Mischna"-Lehrer besuchten ihn auch nach seinem Austritt aus dem Judenthum, Rabbi Me'lr, blieb nach wie vor sein Jünger und sagte von ihm: ״Ich achte nicht auf die äußere Schale, ich schätze den gediegenen, kostbaren Kern." So waren die intoleranten Rabbinen in grauer Vorzeit; wie aber sind Sie, Herr Rohling, im erleuchteten neunzehnten Jahrhundert? Besitzen Sie Unbefangenheit genug, das Judenthum der Vergangenheit unparteiisch zu würdigen? Herr Rohling, nicht einmal die Heroen des Christenthums, die Geistesheroen des protestantischen Christenthums haben Sie von Schmutz und Koth verschont, welches Geschick mußte da nicht — die alten Talmudisten erwarten? Mit Ihrem Geifer haben Sie Luther, Calvin und Melanchthon besudelt. Sie, Herr Rohling, sind der Verfasser jenes famosen Dictums: ״Wohin der Protestantismus seinen Fuß setzt, va verdorrt und verkümmert Alles, da entsteht Vandalismus und Anarchie." Sehen Sie, hier haben Sie die Erzschelmerei! Sie sind k. k. Professor und aus Ihrer Geschichtskenntniß schöpfen Sie das sichere Urtheil, daß der Protestantismus nicht die deutsche Cultur gefördert, nicht den freien Gedanken geschützt, nicht die Wissenschaft gepsiegt hat. sondern ״Vandalismus und Anarchie" erzeugte. Schiller, Goethe, Lessing, Wieland, Leibnitz, Kant, Hegel, Alexander v. Humboldt, das germanische Deutschland und das angelsächsische England sind classische Zeugen Ihrer ״wissenschaftlichen Unbefangenheit!" (Forts, folgt.) A v i s o! Die geehrten fetten <g0Uegen werden dringendst ersucht, zur Unterstützung unseres Blattes in ihren Genreinden dahin zu wirken, das; die Coneurse und sonstigen Annoncen an uns eingesendet werden. _Die Redaction. gor irefpondeng. S. i n P. Herzlichen Dank für Eingesandtes, erwarten ausführlichen Bericht. Collegialen Gruß. L. in E. Der an den Vereinscassier Herrn A. Fischer eingesandte Betrag wurde zu dem bestimmteil Zwecke verwendet. B. in G. Den eingesandten Betrag haben wir für 22 fl. 75 kr. umgewechselt. Besten Gruß. D. in Au. Von Ihrer Seite ist durchaus nicht ein Verstoß gegen die Convenienz vorgekommeu. Von dem Manuscripte werden wir bei passender Gelegenheit Gebrauch machen. Besten Gruß. Lr.. G. in H. Es würde uns außerordentlich freuen, die versprochene Arbeit in nächster Zeit zu erhalten. F. in Str. Für Ihre herzliche Gratulation unseren besten Dank. Wenn nur Alle so dächten! B. in O. Bestätigen dankend den Abvnnementsbetrag pro 1383. Collegialen Gruß. H. in T. Abonnement erhalten. F. in Ung W. Bis 1. April 1883. Z. in A. Den eingesandten Abonnementsbetrag haben wir Ihnen für das letzte Quartal 1882 gutgeschrieben S. in P. Bereinsbeiträge sind an den Vereinscassier Herrn Canto.׳ A. Fischer, I-, Seitenstättengasse 4. einzusenden. K. in Ga./S. Bestätigen dankend den Erhalt des Abonnementsbetrages. Ihre Arbeiten sollen uns gewiß willkommen sein. R. in P. Besten Dank für ihre freundlichen Bemühungen. Herzlichen Gruß. Tin K. Für diesmal zu spät eingetroffen, werden es nächstens verwenden. Besten Dank.

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