Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 40 (18.11.1882)
- Date
- 1882-11-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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- Cicero 1× ep/1024888
- Homer 1× ep/1025156
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Oesterreichisch-ungarische ZeiluD (prMllmrrllü0ll5-Prri5^ für Wien und Umgebung und Provinz: Ganzjährig . . fl. 6.— Halbjährig . . fl. 3.— Vierteljährig . fl. 1.50 -- Für das Ausland: Ganzjährig. . fl. Halbjährig . . fl. 3.50 Vierteljährig . fl. 1.75 JnjUBnng ia*1 fjan. Organ die GrMmmt-IlltMMll jüdischer Lantnreu. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor IcrAsb HZcrrrerr. Scd acixoti Administration Lropol-sta-t, Circusgasse Nr. 20. Inserate werden billigst berechnet. Manuskripte werden nicht retournirt. Nr. 40. Vien, 18. November 1888. 2. Jahrgang. Das ״Selah" in den Psalmen. Es gibt keine sprechendere Offenbarung des harmonischen Zusammenhanges und Zusammenklanges von Wort und Lied als in den Psalmen. Es verhält sich mit diesem Andachtsbuche wie mit der Bibel der Griechen, dem Homer, insofern als beide unerreichte Meisterwerke der Menschheitspoesie zu verschiedenen Zeiten veranlagt, verschiedene Verfasser haben, nur ist hier die Persönlichkeit des Autors mythisch., dort hingegen, zum Mindesten im Sinne poetischer Wahrheit im Hinblick auf Form und Zweck historisch. Mit Recht übersetzt man daher den Collectivnamen der Psalmen תהלים um auszudrücken, daß diese theils von David und seinen Zeitgenossen, Lheils aber unter der Flagge seines Namens, zum unsterblichen Ruhme seines Geisteslebens gedichtet und gesungen worden : sind. Der Zeit der Abstammung nach könnten wir — ohne damit die redaktionelle Veränderung aus dem herrschenden Bedürfniß der verschiedenen Zeiten heraus negiren zu wollen — drei Categorien von PsalmsängW,unterscheiden: die ältesten Davidischen und vordavidischen sind in den Capiteln 1—72 incl. die nachdavidischen von 73—90 excl., die der späteren Zeiten, welche auch überwiegend in unsere heutige Gebetordnnng eingedrungen sind, erstrecken sich von 90—150 incl. Für die Richtigkeit der Einteilung der ersten und zweiten Epoche spricht der Schlußsatz zu Cap. 72: ״Hier sind die Gebete Davids Sohn Jsai's zu Ende", für die der dritten der Mangel des einen Wörtchens ״Selah", welches das Object dieser gegenwärtigen Zeitschrift gewidmeter Betrachtung bildet. Was bedeutet das Wörtchen Selah (סלה)? Das ist die Frage. Zur Beantwortung dieser letzteren müssen wir die Psalmen ihrer musikalischen Tendenz.nach prüfen. Diese gliedern sich in dieser Richtung in drei Hauptgruppen: שיר die rezitativischen, מזמור die mit Melodie und Chor ausgestatteten, נגעה die instrumentirten; wobei die einfache Octave in den älteren Psalmen vorherrscht. (Psalm VI und 12.) Treten alle drei Bezeichnungen wie in Ps. 77 zusammen, so bedeutet dies ein Lied mit Solo- und Chorgesang und Orchester. Neben diesen lyrischen Psalmen finden wir aber auch viele didaktische, welche die Bezeichnung משכיל (Ps. 03) Lehrgedicht, להזכיר (Psalm 38) Gedächtnißrede,מבתם (Ps. 16) ein poetischer Kranz, משרי historische (Ps. 88) und satyrische Gleichnißrede (Psalm 49) tragen. Auch ־.פדר! Gebet (Ps. 17) und תהלך Hymne (Ps. 145) kommt als Aufschrift vor. Die nicht mit Aufschriften versehenen oder mit Hallelujah überschriebenen Psalmen gehören einer späteren Zeit an; denn hier fehlt das Wörtchen ״Selah". Um dieses zu verstehen, begeben wir uns einmal in die Werkstätte eines gottesdienstlichen Tondichters, deren größter, Gott sei Dank, eine Zierde seines Standes, in unserer Stadt lebt und auf den Lippen seines würdigen Nachfolgers seine Lieder beben hört. Derselbe hatte eine zweifache Aufgabe: die vorhandenen Melodien nach den Gesetzen der Tonkunst zu verarbeiten und wo der Vorrath nicht ausreichte, neue zu schaffen und dem Texte anzubequemen. Die Fachgenossen des Meisters wiederum haben höchstens, dem Geschmack und der rituellen Einrichtung ihrer speciellen Andachtsstätten gemäß, in der mustergiltigen Collectton שיר ציה etwas ändern, beziehungsweise in die Lücke des individuellen Bedürfnisses treten müssen. So that es Lewandowsky der מוצה, der bewährte Leiter und Meister Berliner Synagogenchöre, so der verdiente Weintraub in Königsberg. In allen geregelten Gottesdiensten unserer Gegenwart und Zukunft da wird der Grundaccord Sulzerffcher Tonfaffung durch alle Herzen und alle Geister beben. — Nun denn, wir können füglich mit Cicero sagen: Ri8t0ria 68t t68ti8 tsmxoruui, magistra vitae. (Die Geschichte ist das Zeugniß der Zeiten, die Lehrerin des Lebens.) Wie wir aus der Vergangenheit die Gegenwart verstehen, so aus dieser jene. Was den Synagogencomponisten unserer Tage der 86üir Zion; waren für das Universalgebetbuch der Urzeit die Psalmen und die diese umspannende Tondichtung: השיר שהל, יים היו אומרים בבית המקדש. Die Sammlung der Melodien und Choräle, mit welchen die gesanglichen und musikalischen Begleiter der Andacht (לויים) im Heiligthume diese letzteren ausgestattet hatten. Der König David war Dichter in Wort und Ton. schaffender und Die nächste Nummer der ״Oesterr.-ungar. Cantoren-Zeitung^ erscheint Sonntag, 26. Novemver a. c.