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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-09-27 · Heft 34 (27.9.1882) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 34 (27.9.1882)
Date
1882-09-27
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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euil*£efon. Der Verfluchte. Erzählung aus dunkler Zeit von Ad. v. Zemlinszky. (Nachdruck streng verboten! Uebersetzungsrecht Vorbehalten.) 9. Fortsetzung. Aron Eisik stand jetzt ebenfalls von seinem Platze auf und verließ die Stube, so wie es Ephraim gethan. Doch Sarah wurde hiedurch nicht gestört. Trotzdem sie nun allein war, keifte sie immer und immer weiter. Ephraim Manasse saß im Garten und meinte gleich einem Kinde. Schon damals, hatte er bereut, schon damals, als die Schreckensthat geschehen war, doch für ihn gab es keine Umkehr mehr, so dachte, er damals. Und jetzt! Wie gerne möchte er in die Judenstadt nach Prag zurück- "kehren, möchte sich zu Boden werfen und rufen: Strafet mich, strafet mich, ich habe das Heiligthum geschändet, ich habe mein Gewissen mit Mord beladen. Steiniget mich, denn nicht länger will ich leben. Doch umsonst, er kann es nicht. Er ist hier gefesselt -gleich dem Prometheus. Sein Kind ist es, sein Kind, das an der Mutter Brust drinnen schläft, dies Kind ist es, das ihn zurückhält. Er kann sich von demselben nicht trennen, denn er liebt es unendlich, ,es ist sein einziger Trost in schweren Leiden. ״Kannst Du, o großer, allgewaltiger Gott, mir denn nicht verzeihen," ruft er immer und immer wieder, ״habe ich denn nicht schon genug gelitten? — — Schick' mir den Tod, --er soll Wonne für mich sein, schick' mir den Tod, ich will ihn freudig begrüßen."- Hüte Dich, hüte Dich, Dein Wunsch kann in Erfüllung gehen, der Tod kann kommen! Es war ein schöner Abend. Milliarden von Sternen flimmerten am dunklen, azurblauen Himmelzelle. Kein Lüftchen bewegte sich. Balsamisch betäubender Duft drang durch die geöffneten Fenster in die Wohnung Ephraim Manasse's ein.׳ Sie schlafen. ״Dein Schutzengel ist von Dir gewichen, Ephraim, denn wäre er es nicht, so würde er Dich warnen, sonst würde er Dir zurufcn: wache auf, wache auf, hüte Dein Haus, denn draußen im Dunkel der Nacht schleichen Unglück und Verderben mit langsamem, aber sicherem Schritte um Dein Haus. Doch, sie schlafen Alle ruhig, sie fühlen nicht das Verderben. Die Flibustier hatten bereits einige Male schon versucht, sich eines Theiles der Insel zu bemächtigen, doch wurden sie noch immer zurückgedrängt. Heute waren sie abermals gelandet; sie hatten sich mit den unzufriedenen Negern der Insel verbunden. Und heute Nacht wollen sie ihren schrecklichen, blutigen Plan zur That werden lassen. Ein tausendstimmiges Geheul unterbrach plötzlich die Ruhe, welche auf der Insel geherrscht hatte. Es war, als wären alle Dämonen der Hölle losgelassen worden. Und sie alle, diese schwarzen Menschen, angeführt von den Seeräubern, sie drangen in die Häuser der Pflanzer ein. Gott hat in diesem Augenblicke sein Antlitz von diesem Theile der Erde gewendet. Gott hat diese Menschen alle ihrem Geschicke überlassen. Ein Gemetzel, ein Morden, ein Brennen - entstand, daß jede Feder zu schwach ist, diese Gräuel alle zu beschreiben. Männer und Frauen wurden mit den Händen erwürgt, unschuldige Kinder, welche an der Mutterbrust Nahrung sogen, wurden mit wilder Gewalt bei den Füßen gepackt und deren Köpfe an die Wand der Häuser geschlagen, daß das Gehirn an denselben hängen blieb. Junge Mädchen wurden von diesen zu Thieren gewordenen Menschen geschändet und dann getödtet. Ja, Gott hat sein Angesicht von euch gewendet, ihr Unglücklichen. Erschrocken von dem wilden Lärme war Ephraim Manasse und seine Familie vom Lager gesprungen; vergebens dachten sie jedoch daran, sich zu retten, sich zu vertheidigen. Es war umsonst — zu spät. Gott hat Dir noch nicht verziehen, Ephraim Manasse, sonst hätte er es nicht zugegeben, daß Du schauen sollst, wie man Dein Weib entehrt und ihr dann den Kopf vom Rumpfe schneidet. Gott hat Dir noch nicht verziehen, Ephraim Manasse, sonst hätte er es nicht zugegeben, daß Du schauen sollst, wie man den Aron Eisik tödtet, wie man Dein Kind erwürgt. ״Gebt mir mein Kind — gebt mir mein Kind", schrie Ephraim, ״mein ganzer Reichthum, mein Hab und Gut soll Euer sein, nur gebt mir mein Kind!" Und es wurde ihm gegeben sein Kind, erwürgt warfen es die Vandalen vor seine Füße hin. - ״Zürnender Gott," schrie Ephraim verzweifelnd, schicke mir Tod oder Wahnsinn, nicht länger kann ich's tragen. ״Gott hat mich verflucht, allüberall, wohin ich komme, hängt sich das Unglück an meine Ferse, ja, Gott hat mich verflucht — auf ewig — auf ewig" schrie er in wahnsinnigem Schmerz. Er will den Tod der Seinen rächen, doch ein wuchtiger Schlag aus seinen Kopf streckt ihn zu Boden. ״Ja, Gott hat Dich verflucht, Ephraim Manasse, sonst wärest Du nicht wieder zum Leben erwacht, sonst hättest Du nicht schauen können, wie Dein Haus in Schutt und Trümmer zusammengestürzt war, wie man all' Deine Habe, all' den von Dir so sehr angebeteten Reichthum, um dessentwillen Du zum Verbrecher geworden wärest, wie man Dein Geld Dir fortschleppte und nichts sie Dir ließen, nichts, als Dein nacktes Leben." Auf einem Schiffe, das nach Europa fuhr, fand Ephraim Manasse aus Erbarmen Aufnahme. Als Bettler, geistig und körperlich gebrochen, zog er von Stadt zu Stadt, von Land zu Land, nirgends Ruhe, nirgends Frieden findend. Die schreckliche Blutschuld, die er auf sich geladen, sie ließ ihn an keinem Orte verweilen; immer und immer gemahnte ihn sein Gewissen daran. Und wenn er verzweislungsvoll rief: ״Gott, laß mich sterben, befreie mich von meinen Leiden", dann rief ihm eine Stimme in seinem Innern zu: ״Du mußt dulden, Du mußt leiden, denn Mord hat Deine Hand vollbracht und dieser Mord — er muß gesühnt werden. (Fortsetzung folgt.)

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