Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 32 (7.9.1882)
- Date
- 1882-09-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Oesterreichisch-ungarische ץ5 PriinnmerMns-Preis für Wien und Umgebung und Provinz: Ganzjährig . . fl. 6.— Halbjährig . . fl. 3.— Vierteljährig . fl. 1.50 —\s\j— Für das Ausland: Ganzjährig . . fl. 7.— Halbjährig . . fl. 3.60 Vierteljährig . fl. 1.75 inrl. ücdaelton O r gü n GrZllillmt-JickrkMii jiiöisrjjer Cantocm. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Jakob Mcrrrer7. Administration Lcopoldstadt, Circusgasse Nr. 20. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. Ar. 32. Vien, 7. Zepiember 1882. 2. Jahrgang. Kin Kantor-Amtsjirbit'äum Cantor und Gesanglelirer der isr. Gemeinde in Gotlienburg•. Alles jauchzt Dir heut’ entgegen, Bringt Dir. .Wünsahe^G-rusa^nnd^Segen, Rosen, Bilder, Goldpokale Ach! Wer nennt die Dinge Alle! Herzensfreund! Ahnst Du’s auch ,weshalb die Spenden Man freudig Dir entgegenbringt V Be! Jahren lässt man’s nicht bewenden, Auch nicht wer ihrer fünfzig singt Eines Künstlers ganzes Gebe n, - Reich an Thaten, reich an Werken Hast zu Nutz für unser Streben, Opferfreudig hingegeben.- Chöre, Hymnen, d’rum ertönen! Heute Dir — Dein Fest zu krönen! Eine wirklich eigentümliche, wenn nicht zu sagen, beklagenswerte Erscheinung unserer Zeit ist das Begehen von Jubelfesten aller Art.• — Deutet schon die Etymologie des Wortes auf etwas Seltenes, Ausserordentliches hin, so sollte man schon mit Rücksicht auf die Würdigung des wahren Verdienstes hiebei etwas vorsichtiger zu Werke gehen. — Man begnügt sieh nicht mehr mit dem ייבב Jubeljahre, — man feiert schon 40 — 30 — 25 — 20 Jahre und vielleicht bald ein zehnjähriges Jubiläum. — Ist es denn wirklich so bedeutungsvoll, 25 Jahre oder noch länger gelebt und gesungeu zu haben? Verdient eine Reihe zurückgelegter Jahre irgend eines amtlichen Wirkens wirklich, das Augenmerk der Oeffentlichkeit in so hohem Grade auf sieh zu lenken? Mit nickten! Auf diesen Umstand müssen wir naehdrücklichst hinweisen, indem wir den Jubeltag eines Mannes, der eine Zierde der menschlichen Gesellschaft, eine adelige Erscheinung unseres Standes bildet, mitfeiern wollen. — Nicht Dein 25 jähriges Wirken, Freund Baer, imponirt uns, obgleich wir das Geschick segnen, welches Dir dasselbe besehieden, — nicht Dein 25 Jahre langes Singen, theuerer College, erwirbt Dir unsere Sympathie, sondern wie Du gelebt, — wie Du gesungen. Wie Abraham Baer gelebt und gesungen? Im fernen Norden, kaum bekannt ausserhalb den Markungen seines Heimatlandes, aber hoch geschätzt und geliebt von denen, die ihn bannten und mit ihm verkehrten; bescheiden, zurückgezogen von dem lauten Toben der Welt, lebte A. Baer in stiller Klause, dem mächtigen Drange seines Herzens folgend und arbeitete 15 Jahre an der Verwirklichung eines Gedankens —der Herausgabe seines ,,Vorbeter“. — 15 Jahre! Es ist leicht ausgesprochen! Desto mächtiger ergreift es uns, wenn wir daran denken, welche Resignation, welch’ tüchtiger, sittlicher Kern in der Brust eines Mannes ruhen muss, der sieh von allen schweren Kümmernissen des Daseins, von all’ den Trübungen des Erdenlebens zu befreien vermag, einer Biene gleich, Tropfen zu Tropfen sammelnd, täglich sein Lieblingswerk wachsen sieht und endlich nach 15 Jahren rastlosen Strebens der Mitwelt ein Vermächtniss übermittelt, welches ein unschätzbares Kleinod für die Cantorenwelt, aber auch ein granitenes Monument für ihn selbst ist. Dem für die Geschichte des Synagogengesanges hochbedeutendem Werke Baers wird zur geeigneten Zeit die ihm gebührende Würdigung nicht vorenthalten werden und wir können es keineswegs als einfaches Spiel des Zufalles betrachten, dass in derselben Nummer unseres Fachblattes, all wo die von dem hervorragenden, leider zu früh von uns geschiedenen Collegen Löwenstamm bereits im Jahre 1857 niedergeschriebene Anregung zur Veröffentlichung eines für die Synagogenlithurgie höchst nothwendigen Buches, das Jubiläum jenes Mannes mitgefeiert erscheint, der diesen Lieblings wünsch verwirklichte. Wir feiern demnach am heutigen Tage nicht das Jubiläum der Jahre, sondern das der Thaten Abraham Baers und in diesem Sinne reichen wir, die Cautorea der österreichisch-ungarischen Monarchie, Dir, verehrter College an Deinem Ehrentage die Freundeshand. Möge Dein Leben und Streben auch fürder der göttlichen Gnade theilhaftig werden, nach den Worten des diesmaligen Wochenabschnittes: ידיתירך יהרה אלהיך בבל מעשה ידיך לשוש עליך לטוב dann leben wir der gewissen Hoffnung, dass noch manche Pflanze dem von Deiner treuen Gärtnerhand gestreuten Samen entkeimen wird, zum Segen für unseren Stand, zum Heile für unser Volk und zum Wohls Deiner Lieben. אמן• September 1882. Josef Suurer