Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 30 (22.8.1882)
- Date
- 1882-08-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische f reis^l für Wien und Umgebung und Provinz: Ganzjährig . . fl. 6.— Halbjährig . . fl. 3.— Vierteljährig . fl. 1.50 —v/v— Für das Ausland: Ganzjährig. . fl. 7.— Halbjährig . . fl. 3.50 Vierteljährig . fl. 1.75 incl. Zustellung in'r Huui J Organ für die feammt-Interessen Mischer Cnntnreti Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Jakob Mcruev. | iictliictiar» j! Administration i! Lcopoldjtadt, j] Circusgasse Nr. 20. Jj Inserate |J werden billigst berechnet. jj Manuscrip te werden nicht retournirt. ך Nr. 30. Wien, 22. August 1882. 2. Zuhrgang. Cantor und Schachet. Durch die immer lebhafter werdende Polemik über das Verhältniß dieser beiden Aemter zu einander, hat sich eine so große Masse von Correspondenzen bei uns angehäuft, daß wir ganz außer Stande sind, dieselben in unserem Blatte zu veröffentlichen. Bei vielen ist es uns schon darum nicht möglich, weil dieselben einen allzu persönlichen Anstrich haben, was wir im Interesse der Sache lebhaft bedauern müssen. Als würdigen Abschluß dieser für uns so wichtigen Frage veröffentlichen wir folgenden Artikel, welcher gewiß bei allen Collegen die lebhafteste Zustimmung Hervorrufen wird. Die Hauptaufgabe des Cantors. Seit Wochen ist unter meinen Standesgenossen ein Streit entbrannt, der in den Spalten der ״Cantorenzeitung" seinen lebhaften Ausdruck findet. Ein Kampf zwischen ״Messer" und ״Gabel". Die einen behaupten, es zieme sich keineswegs, daß der Cantor, der als Künstler die Tongabel gebraucht, auch das Schlachtmesser Ziehe, da dies seine Stellung entwürdige und sich keineswegs mit seinem Berufe als Künstler vertrage. Im anderen Lager ist man wieder der Meinung, daß sich das Schlachten, als eine heilige Function, sehr wohl mit den übrigen Functionen des . Cantors vereinen lasse. Dieser blutig-unblutige Krieg — denn es fließt dabei nicht das Blut der Gegner, sondern das der Thiere, die von den schlachtenden Cantoren in ein besseres Jenseits befördert werden — wird hoffentlich nicht durch die dritte Waffe, über die meine Collegen verfügen, den ״S t o ck" oder näher ausgedrückt, den Tactstock, entschieden werden; denn die Cantoren werden gewiß Tact genug besitzen, mit demselben, wie bisher, nur Lufthiebe zu machen und ihn nicht zu persönlichen Angriffen benützen. Auf diese Weise wird dann, ihrer Kunst entsprechend, der Streit der Cantoren in süßer Harmonie ausklingcn. Damit aber diese eine vollständigere und der Dreiklang hergestellt sei, so möchte ich auch noch meiner Meinung, als der dritten und vermittelnden, Ausdruck geben. Ich glaube, daß der Cantor in erster Linie ein Priester zu sein habe. Zu dieser Würde sind weder hohe Studien noch ein angeborenes Talent nothwendig. Dazu gehört nur der feste Vorsatz, sittlich und charaktervoll zu leben, in seinem Amte pünktlich zu sein und das Streben, durch Selbstbildung sowohl in den allgemeinen als in den Berufswissenschasten möglichst vorwärts zu kommen. Der Priester in diesem Sinne wird sich in jede Lage zu fügen wissen und keine religiöse Function, die er in dieser Eigenschaft ausübt, wird ihn entwürdigen. Nehmen wir an, er verbindet mit dem Cantorate die Seh’ehitah. Wird ihn diese entwürdigen? Keineswegs! Denn was Geibel von dem nothwendigen Kriege spricht, bewährt sich bei ihm vollkommen. ״Noth bricht Eisen", sagte er, ״aber auch Eisen bricht Noth". Und bei einem solchen Cantor wird, im Kampfe um seine Existenz, faetisch nur die Noth durch das Eisen gebrochen, da ja die 8611'611ita11 sehr oft die Hauptquelle seines Einkommens ist. Im Tempel ist seine Stimme Jakobs Stimme, aber seine Hände sind deßhalb dennoch nicht Esaüs Hände, weil er von seinem Schwerte, dem Chalew, lebt. Sagt doch der Talmud: שלהן דרמה למזבח das Haus ist das Heiligthum, der Tisch, der Altar und selbstverstündlich ist der 861106116t der würdige Priester, der die Opfer für diesen Altar schlachtet. Doch wie ehrwürdig erscheint erst der Cantor, wenn er mit dem Cantorate noch das Lehramt in seiner Gemeinde verbindet! Im vollen Bewußtsein seines segensreichen Wirkens lebt und altert er in derselben. Er blickt aus seine Jahre zurück und wie erhebend muß ihm nicht das Bewußtsein werden, sich der herangewachsenen Generation in allen Phasen ihrer Entwickelung nützlich gemacht zu haben. Das neugeborene Kind segnet er ein und ertheilt ihm den Namen, das schulpflichtige unterrichtet er, den Jüngling consirmirt er und den Bund der Ehe segnet er e i n. Und wenn nun Diese Mitglieder seiner Gemeinde oder Vorsteher derselben werden, nimmt er da nicht gleichsam eine patriarchalische Stellung unter ihnen ein? Können ihn Diese im Alter darben lassen? Ich sage entschieden: ״Nein!" Aus diese Weise wird also der Cantor, wenn er sich nur Die nächste Nurnrner -er ״Oesterr.-rrngar. Cantoren-Zeitnng" erscheint Mittwoch den 3V. Anguft a. c. 1 ׳?סמני!