Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 29 (14.8.1882)
- Date
- 1882-08-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische fßraviimerüijllns-PrelS^ für Wien und Umgebung und Provinz: Ganzjährig . . fl. 6.— Halbjährig . . ff. 3.— Vierteljährig . fl. 1.50 -vru- Für das Ausland: Ganzjährig . . fl. 7.— Halbjährig . . fl. 3.50 Vierteljährig . fl. 1.75 incl. Znftkllung in'» Ha»r. J Organ die GrMNlNlt-JickreWN jüdischer Canturm Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercautor IcrkoH Mcrrrerr. ^crlaeüai und 2l-ministration Lropol-stadt, Circusgasse Nr. 20. ü — Inscrate werden billigst berechnet. Manuscriptewerden nicht retournirt. ך J ilr. 29. Wien, 14. Äugust 1882. 2. Jahrgang. Lemerknngen )«den ״Worten eines Unbernfenen". Von A. Adler in Ung.-Hradisch. Der Herr Verfasser des genannten Artikels, hat mit seiner ״fachmännischen Kritik" etwas Neues geschaffen, indem er den Aaron als ״Schächter des gesammten jüdischen Volkes" hinstellt. Ist dieser Satz schon an und für sich unlogisch gedacht, wie sollten erst die Stellen aus den V. B. M. Cap. 12, V. 15, 20 und 21 oder das hakkol schoclitim zu verstehen sein? .Meiich. denw cher, Herr Unberufene wirklich, daß den Priestern in.Israel kein anderer Beruf, als das AbschlaMen^er^Thiere oblag? Und ist der nunmehrige Cantor-86doed6t nur eine Species des Priesters in diesem Sinne? Ich will mich im Nachfolgenden bemühen, all' Denen, die den Cantor und Schocket als ein unzertrennliches Ganzes behandeln, nachzuweisen, daß dies bei Creirung dieses Berufes nicht so war und bitte um Nachsicht, wenn ich auf Grund der geschichtlichen Ergebnisse ein wenig weit aushole. Der Chasan. Eine Studie über die verschiedenen Phasen dieses Berufes von seiner Entstehung bis heute. Schon bei den ältesten Völkern, welche die Geschichte kennt, bildete der Priesterstand eine hervorragende und bevorzugte Kaste. Bei den Israeliten wurde das Priesterthum mit der Gesetzgebung am Sinay eingeführt und organisirt. Moses und Aaron waren die Repräsentanten des levitischen Stammes; Aaron erhielt die Priesterwürde, die auf ewige Zeiten bei seinen Nachkommen verbleiben sollte, die Nachkommen des Moses, die Leviten im engeren Sinne, hatten eine den Priestern untergeordnete Stellung, sie versahen den äußeren Dienst im Tempel als Wächter, Pförtner, Sänger, Musikanten rc. Der Priester war gleichsam der sichtbare Stellvertreter Gottes. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Volkes lag in seiner Hand. Er mußte das Volk über die göttlichen Vorschriften belehren, er hatte die gottesdienstlichen Verrichtungen zu versehen, die religiösen Institute zu überwachen und das verirrte Volk mit Gott auszusöhnen. Diese ehrenvolle Stellung legte ihm aber auch schwere Verpflichtungen auf und jederzeit mußte er als Muster eines streng frommen, ent- Haltsamen Lebenswandels dastehen. Der Verkehr mit heidnischen Völkern führte aber bald den Sittenversall des Volkes und des Priesterstandes herbei. Die Zeit der Richter war der Pflege des Heiligen nicht besonders günstig und als die monarchische Verfassung in Israel eingeführt wurde, fehlten schon die Grundbedingungen, die der Mosaismus bei Creirung des Priesterstandes voraussetzte. Wie sich nach der einen Richtung der Wirkungskreis der Priester-verengte, suchten sie sich anderseits politischen Einfluß: zu verschaffen, um dadurch äußere Macht zu erlangen. Unter David und Salomons Regierung erfreute sich der Priesterstand des größten Ansehens, das jedoch nach, dem Tode des Letzteren, durch die Theilung und durch den allmäligen Verfall des Reiches erlosch. Vom Priesterstande blieb nur noch der Name und die Abstammung und sic selbst mußten zu der Einsicht gelangen, -daß der Erbadel nicht ausreiche, ein gewonnenes Ansehen zu erhalten, viel weniger noch ein verlorenes zu gewinnen. Wissenschaftliche Thätigkeit, geistige Ueberlegenheit waren die einzigen Mittel, um auf tie Masse des Volkes wirken zu können. Einzelne Priester zur Zeit des zweiten Tempels hatten wirklich in diesem Geiste gewirkt, doch waren diese nur einzelne Lichtpunkte in der Finsterniß des Sittenverfalles, die dem gänzlichen Untergange des jüdischen Staates voranging. Die Hohenpriesterwürde, die grundsätzlich den vorzüglichsten und würdigsten Männern ertheilt werden sollte, wurde ein Gegenstand des Ehrgeizes gewissenloser und herrschsüchtiger Priester. Es gelangten Männer zu dieser Würde, die nicht einmal die zu jener Zeit allerdings noch unpunktirte heilige Schrift zu lesen verstanden. Der ganze Stand kam beim Volke in Mißkredit, der heilige Dienst mußte sonach zum leeren Gaukelspiele herabj sinken. Mit der Zerstörung des zweiten Tempels hörte jedoch der Opferdienst und mit ihm das Priesterthum gänzlich auf. An Stelle der Opfer traten das Gebet und das Vorlesen der Die nächste Nummer -er ״Oesterr.-ungar. Cantoren-Zeitung" erscheint Dienstag den 22. August ». c.