Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 27 (29.7.1882)
- Date
- 1882-07-29
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch-ungarische I * Organ kür die GrZllMint-JickrkMU jüdischer LMoreu. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Zcrkob Wcrrrev. Ur. 27. Wien, 29. Juli 1882. ^Prüllllmeratlons-Preis^ für Wien und Umgebung und Provinz: Ganzjährig . . fl. 6.— Halbjährig . . fl. 3.— Vierteljährig . fl. 1.50 —־רVA(— Für das Ausland: Ganzjährig. . fl. 7.— Halbjährig . . fl. 3.50 Vierteljährig . fl. 1.75 ^incl. Lustkllaag ill'i Haai. ^J/ f v ך \ Kcaacitan und Administration LropoldstaLt, Circusgasse Nr. 20. Inserate werden billigst berechnet.. Manuskripte werden nicht retournirt. J 2. Jahrgang. Än die Adresse des Herrn Dr. Ä. Knrrein, Rabbiner in Linz. Sie haben in Ihrem ״Lehrerboten" Nr. 20 einen Aufsatz gegen die Bereinigung des Lehrer- und Cantordienstes veröffentlicht, welcher nicht blos eine Blumenlese der absonderlichsten Anschauungen, sondern eine wirkliche Fundgrube von ErbwspMchen^vleteü-^^So^zum Beispiel behaupten Sie an einer Stelle ganz bescheiden: ' ״ ־Für' den ' jüdischen' Lehrer ist des Cantors Amt das Nächstliegende, relativ ehrbarste",׳ und än einer anderen Stelle sitzen Sie hoch zu Roß und sprechen: ״Wie man über Cantoren und Cantoreustand denken mag". — Denken Sie, geehrter Herr Rabbiner, über Cantoren und Cantorenstand, wie es Ihnen beliebt, so was dürfte auf unseren Stand keinen wesentlichen Einfluß nehmen, höchstens denjenigen bedauerswerthen Collegen unangenehm sein, der mit Ihnen in unmittelbarer Berührung kömmt — aber erwarten Sie ja nicht, daß Männer, die ein ganzes Mannesalter durch ernste Studien sich für eine Idee vorbereitet, für diese Idee gelebt und ihr ganzes Lebensglück gewidmet, daß Männer, welche durch hohe Sittlichkeit und hervorragende Leistungen als Stütze des Judenthums dastehen, unbegründete, unverdiente Behauptungen,' welche eine bedeutende Schädigung ihrer Stellung involviren, gebeugten Rückens hinnehmen werden. Wir stehen ganz auf Ihrer Seite, wenn Sie behaupten, daß es nicht angenehm sei, wenn der ״arme Cantor" darauf hingewiesen ist, seine Emolumente beim ״N a m e n g e b e n, bei Confirmationen, bei Hochzeiten und Leichenbegäng nissen" zu suchen. — Ja, aber, ehrwürdiger^Herr, geben Sie denn keine Namen? — Coufirmiren Sie wirklich nicht? Functioniren Sie niemals bei Hochzeiten und Leichenbegängnissen oder.haben Sie es wirklich verschmäht, für diese Dienstesleistungen die Ihnen gebührenden.Sporteln anzunehmen? Sie nennen den armen Cantor einen ^I686llubaä und scheinen es es nicht wissen zu wollen, daß der Rabbiner, in der Schameseh ebenfalls zur Gilde der Mesehubadim gehören? — Und nun ) Ihr herzeryebender pädagogischer Standpunkt, nach welchem! es dem Lehrer-Cantor unmöglich werden dürfte, die durch seine Cantorsfunction bei den verschiedensten Veranlassungen arg geschädigte Mannesehre als Lehrer seinen Schülern gegenüber wieder zu verbessern, respective seine Autorität zu zeigen. — Wir räumen es ein, diese Anschauungen nicht zu 'begreifen — oder hat sie der ehrwürdige Autor blos deshalb in die Welt gesetzt, um damit den Cantoren den Vorwurf machen zu können, sie seien keine Künstler, sondern besäßen blos ״die äußeren Beigaben", wie er sich räuspert und spuckt, die gemeinsam als Künstlerschaft zu gelten haben — und fordern demnach — wie sich der ehrwürdige Herr in echt judensreundlicher Weise auszudrücken beliebt — das dem ״jüdischen Geiste nicht allein zum rechten Kritisiren, sondern mehr noch zum Kritikastern anregende Spötteln und Witzeln" hervor.— Das Kind folgt den Reden der Eltern und Erwachsenen stets aufmerksam, hat bereits einen hübschen Stoff, den es demnächst in - der Schule mit seinen Mitschülern verarbeiten wird. — Sonderlich zur Erhöhung des Ansehens des Lehrers und zur Förderung der Disciplin und der Liebe der Schüler zu ihrem Lehrer kann und wird das nicht beitragen."— Ganz recht! Allein, findet das jüdische Kritikastern, Bespötteln und Witzeln lediglich bei gesungenen Worten und etwa nicht auch bei gesprochenen seine Anwendung? Hat denn der ehrwürdige Herr es noch niemals ersehen, daß sein als Meisterstück der Rhetorik hingestelltes kossaeb oder Schebuoth rc.- Predigt von der Welt anders ausgenommen wurde, als es in den Intentionen des Herrn Rabbiners lag? — Darum rufen wir Ihnen den Satz des diesmaligen Wochenabschnittes zu: רב לך י. אל תוסף ד בד אלי עוד בדבר הזה — denn Sie sehen, nach Ihren Anschauungen dürste man dem Lehrer nicht einmal rathen,.״nebenbei" auch Rabbister zu sein. Die nächste Nummer -er ״Lesterr.-nirgar. Cantoren-Zeitung^ erscheint Sonntag -en 6. Augnst a, c.