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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-07-21 · Heft 26 (21.7.1882) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 26 (21.7.1882)
Date
1882-07-21
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Ein Schauer durchrieselte den Körper des Mädchens, selbst die versammelten Männer wurden bleich. Schluchzend drückte sie ihre Lippen auf das Heiligthum, legte beide Hände darauf und sagte: ״Möge Gott in feinem Grimme mich verdammen — der Sonne Strahl׳ inög' niemals wieder mir in's Auge fallen, die Hände, mit welchen .ich jetzt das Heiligthum berühre, sie mögen verdorren und abfallen — die Würmer den lebenden Körper mir benagen, wenn ich ein falsches Wort'Hab' Euch erzählt.' . ' ׳ ״Ich schwöre, daß ich niemals ihm —die Treue Hab' gebrochen; selbst daun nicht — als er auf's Neue sich verlobet hatte, als ich seinen Trug erkannte — selbst da war ich ihm noch treu. ״Ist dies Lüge, was ich Euch erzählet habe, dann möge Gott auf ewig mich ans seinem Angesicht verbannen. .״Qualen, schrecklicher, fürchterlicher als Gehinnoms Flammen sollen mir keine Ruhe — keine Rast, nicht im Leben, nicht im Tode gönnen. j ״Lüge ich, möge ich zum warnenden Schreckensbeispiele j für jedes sittsame — ehrbare Weib auf Erden werden. j ״Rabbi, ich sprach die Wahrheit!"! Gar schauerlich war er anzuhören dieser Schwur der bleichen Jungfrau. Stolz hatte sie ihr Haupt emporgehoben, gleich glühenden Kohlen leuchteten ihre großen schwarzen Augen. ״Genug, mein armes Kind," sagte jetzt der Rabbi tröstend, ״Gott, der Allbarmherzige und Gerechte, er hat Deinen Schwur vernommen, er verlasset niemals die Hilfsbedürftigen und nimmt sich ihrer an,- er wird auch Dein gedenken in Deinen schweren Leiden. Kehre jetzt zurück nach meinem Hause. Von heute an soll dort an der Seite meiner Tochter Deine neue Heimat sein." Judith entfernte sich schweigend. ״Und jetzt, Ihr Herren, nachdem wir dies beendet, bleibt uns noch ein anderes Werk zu vollbringen übrig und wahrlich kein Leichtes wird es werden." ״Seid Ihr einverstanden, soll Ephraim Manasse sogleich vor uns erscheinen und sich verantworten, nicht deshalb, weil er sein Wort gebrochen, darüber können wir nicht über ihn zu Gerichte sitzen, sondern eine schwere Anklage ist es, die ich gegen ihn vorzubringen habe. ״Der Gemeinschaft der Juden gehört er. an durch seine Geburt, nicht aber durch seinen Glauben. ״Hier seht, Ihr Herren, diese Schrift, sie enthält die Anklage gegen Ephraim Manasse. Sie wurde mir gesendet vor Wochen schon, doch konnte ich an deren Inhalt nicht glauben. Ich habe mich selbst überzeugt und jetzt, jetzt glaube auch ich daran. Der Schames wurde abgesendet, um den Angeklagten zu holen. _ 5. Der Fluch. Kurze Zeit nur war verstrichen und Ephraim Manasse erschien im Bethause. ״Ihr.Herren ließet mich rufen," ׳sagteer mit fester Stimme, ״ich leiste Euerer Aufforderung Folge. Was ist's für eine wichtige Sache, womit kann ich dienen?" ״Auskunft sollst Du uns geben, ob wahr, was wir vernommen. Angeklagt bist Du und stehst hier vor Deinen Richtern, nicht, um zu fragen, sondern nur, um Dich zu vertheidigen. vorausgesetzt, daß diese Bertheidigung Dir möglich ist. Sieh diese Schrift," sagte der Vorsitzende, ״sie. klagt Dich an der Leugnung Gottes und der Echtheit der jüdischen Gesetze. — Ist Dein Verbrechen erwiesen, dann wehe Dir, nach Thora und Talmud wollen wir Dich richten, in voller Gesetzesstrenge, denn sonst, ein böses Beispiel steckt schnell an und Israel muß vor solchen Menschen bewahrt bleiben; gleich dem Unkraute müssen sie aus Judas Boden gejätet werden." ״Sprecht, Rabbi Moses Hirsch. Ihr habt die Schrift uns übergeben, was habt Ihr gegen Ephraim Manasse, der hier vor uns steht, vorzubringen?" ״Nicht Vieles habe ich zu sagen, doch dieses Wenige, es weist Euch den Frevel in seiner nackten Klarheit. Der hier vor uns steht, ist nicht Ephraim Manasse, der Jude, es ist ein Anderer, schaut ihn an. Ihr Herren, er ist das Bild des Aach er." ״Das Bild des Aacher?" fragte Ephraim, ״ich verstehe nicht, weiser Rabbi, was Ihr damit sagen wollet." ״Bist Du so wenig Jude schon, daß Du die Bedeutung dieses Wortes nicht kennst, dessen Sinn Dir doch der kleinste Knabe unserer Gemeinde deuten kann?׳ Du weißt es nicht, wer der Aacher war und hast den Talmud doch gelesen!" ״Wer der Aacher war, ich weiß es wohl," sagte Ephraim stolz, obwohl ich an seine Existenz niemals glaubte, und deshalb bedarf es auch der Unterweisung kleiner Kuben nicht, um mich hierüber zu belehren. — Ganz recht, Herr Rabbi, deu Talmud habe ich gelesen und wehe mir, daß ich es that. Den Aacher fand ich dort, doch fand ich auch so manche Stelle, die plötzlich mit blendender Klarheit mir Aufklärung schaffte, doch nicht für, sondern gegen so manche Lehre des Talmud ״Den Talmud habe ich gelesen, gelesen, weil ich mußte, gelesen, weil ich dessen Inhalt nicht wußte, nicht ahnte, weil ich glaubte, daraus Licht schöpfen zu können. Doch nicht Licht, nur.Finsterniß, nur Verderben fand ich darin." ״Wehe Dir, Du lästerst, Du frevelst!" schrie Moses Hirsch. ״Bist Du vom Wahnsinn plötzlich denn befallen? Den Talmud willst Du beschimpfen, die Schriften, die von frommen, heiligen, gottbegeisterten Männern geschrieben wurden? Ten Talmud mußt Du ehren, den Talmud, der geschrieben wurde, um eine Leuchte zu sein für Israels Söhne in alle Ewigkeit." (Fortsetzung folgt.) Sc»T7a7efporröerrz. College N. in R. Sie schreiben uns: ״Wenn ich mir im Intereffc Ihres Blattes und der Collegen meine unmaßgebliche Meinung erlauben darf, so rathe ich dringlichst zu einer musikalischen Beilage. — Durch selbe wird jeder College an das Fachblatt gefesselt, denn nicht Jeder ist in der Lage, ein tbeures Werk sich anznschaffen, wobei man. oft seinem Bedürfe entgegen, ganz unverwendbare Waare erhält. Für diese Beiläge wird jeder College 2 fl. per Jahr gerne mehr zahlen und manche gute Composition wird das Licht der Welt erblicken." — Wir sind vollkommen Ihrer Ansicht und werden wir auch in kürzester Zeit Ihrem, sowie dem Wunsche vieler Collegen entsprechen und mindestens eine Composition allmonatlich als Beilage erscheinen lassen. Wir verweisen diesbezüglich auf unseren heutigen Leitartikel. — Was die Tableanx berühmter Cantoren betrifft, haben Sie..nns ans der Seele gesprochen und wird der damals begangene Fehler sich nicht mehr w-ederholen, davon können Sie sich vollkommen überzeugt halten. H. Z i n C o t t b... Wir setzen in Ihre uns übersandte Besprechung das vollste Vertrauen, jedoch ist es bei uns usuell, daß wir nur dann Recensionen bringen, wenn uns das betreffende Werk zur Einsicht zugesendet wird. College S ch w a rz k o p f. Das vom Collegen A. Baer erschienene Werk können wir bestens empfehlen. Es enthält nicht nur ausgezeichnete Com- Positionen, sondern ist auch im vollsten Sinne des Wortes ein Nachschlagebuch für Cantoren über alle Functionen des ganzen Jahres.

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