Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 25 (13.7.1882)
- Date
- 1882-07-13
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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euxtZei 0 n. M Der Verfluchte. Erzählung aus dunkler Zeit von Ad. v. Zemlinszky. (Nachdruck streng verbeten! Uebersetzungsrechk vcrbebalten.) 2. Fortsetzung. Ephraim Manasse konnte frohlocken, daß es ihm gelungen war, diese Braut zu erhalten, er konnte frohlocken und jubeln — doch er' that es nicht. Der früher so aufgeweckte, lebenslustige junge Mann wurde immer mürrischer und scheu zog er sich von jedem Verkehre zurück.-:- Ephraim Manasse sitzt in seiner Stube, den Kopf in beide Hände gestützt, während seine Gedanken weit wegschweisen. Er sieht sich um zwei Jahre zurückversetzt, sieht sich an der Seite eines jungen, schönen Mädchens, das er liebt und das seine Steigung erwidert. Gerson Levi, der Vater des Mädchens, segnet ihren Bund und Ephraim Manasse wird der Bräutigam der schönen Judith. Viele Monde sind bereits vergangen, da plötzlich, mit einem Male ist die Liebe Ephraim's zu Judith erkaltet und immer seltener betritt er das Haus des Gerson Lewi. Warum? Ephraim Manasse weiß es, weiß es genau zu sagen. — Ephraim Manasse hat die Goldsäcke des Aron Eisik gesehen, er hat das melodische Geklirre und Geklimper des Goldes gehört. Vom Schwindel des Mammons gefangen, hat nichts mehr außer seinem Götzen Reiz für ׳ihn. Er will sie besitzen diese 'Geldsäcke alle, alle und. kostete es auch seinen Seelenfrieden, kostete es auch seine Ruhe. Eine, unbezähmbare Gier nach Reichthum hat sich seiner bemächtigt. Was liegt daran, wenn man ihn des Meineides zeiht, er hat seinen Götzen, seinen lieben, goldenen-Götzen. Und er hat'den Reichthum des Aron Eisik; . ist er dann sein, wer wird ihn des Treubruches anklagen, ihn, der dann sein wird der reiche — Ephraim Manasse. Ein Klopfen an der Thüre störte Ephraim in seinen Gedanken und unwillig ob der Unterbrechung öffnete er. In der Thüre erschien — Rabbi Moses Hirsch. ״Seid mir gegrüßt, Ephraim Manasse," sagte der Rabbi zu dem jungen Manne, welcher schweigend die Thüre schloß, ״ich bringe Euch Grüße — viele Grüße mit — errathet Ihr von wem?" ״Mein Herr Rabbi, dies errathe ich nicht," entgegnete Ephraim Manasse kalt. ״Grüße bringe ich Euch von meinem alten Freunde Gerson Levi, der vor vier Tagen, wie Ihr wißt, in eine andere Welt hinübergegangen ist." - ״Gerson Levi — todt!" rief Ephraim Manasse, während ein Zug der Freude in seinem Gesichte zu erblicken war — ״darum wußte ich nicht." ״Ja — mein armer Freund ist tobt — und ich komme, um Euch seine letzten Grüße zu bestellen, ich komme, um Euch an Eure Pflicht zu mahnen." ״An meine Pflicht? .— Wie meint Ihr dieses wohl, Herr Rabbi — ich bin mir keiner Pflichten bewußt, die ich gegen Gerson Levi hätte." ״An Eure Pflicht als Verlobter von Gerson Levi's Tochter Judith will ich Euch gemahnen. — Oder sollte es wirklich Wahrheit sein, was ich bisher nicht glauben konnte? Ihr habet wirklich Euer Wort gebrochen — Ihr habt Euch wirklich neuerdings verlobet — trotzdem Eure frühere Verlobte in schwerem Jammer Eurer harret?" ״Habt Ihr vielleicht Grund hiezu — gerechten Grund, so sagt es mir — sagt es mir ohne Scheu, ohne Zagen; hat sie etwa vergessen — nur einen. Augenblick vergessen, daß sie Treue Euch, nur Euch allein gelobte? ״Oder ist es so, wie bereits die Gemeinde hievon spricht? ״Hat wirklich der schnödeÄkammon des Goldes Euer Herz so sehr bethört, mit seinen goldenen Fesseln es umstrickt, daß Ihr vom Wege der Ehre abgekommen seid?" .Herr Rabbi," sagte jetzt Ephraim kalt — ״geduldig habe ich Alles angehört, doch jetzt — jetzt ist's genug. Was ich zu ihnen — was. ich zu lassen — ich allein Hab' es zu bestimmen — weil ich allein.es auch zu verantworten haben werde. Mischet Euch nicht in Angelegenheiten, die nicht die Euren sind. Und damit Ihr doch den Zweck Eures Herkommens erfüllt sehet, so wisset denn, ich heirate die Tochter Aron Eisik's und keine andere; dies ist mein letztes Wort und wenn Jehova vom Himmel zu mir niederstiege — begleitet von Moscheh, ich würde ihm dieselbe Antwort geben, wie ich sie Euch gegeben habe." Bei diesen Worten richtete sich der Rabbi zornig aus. ״Dies sollst Du büßen, gottvergessener, ehrloser Bösewicht" — donnerte der Rabbi ihm jetzt entgegen; hast nicht genug, daß Du mit Deinen Füßen ein unschuldsvolles Herz zertreten, arglistig ihm die Ruhe — den Frieden hast geraubt? Auch Gott--noch lästerst Du— selbst des Juden Heiligthum zerrst Du in den Koth durch Deine kecken Reden! ״Du hast Dein letztes Wort gesprochen — vernimm auch jetzt das meine: ״Zieh' weg von hier, weit weg von Prag. Denn nicht ich — noch ein anderer Jude werden je so gottvergessen sein, einen Bund für ein ganzes Leben zu segnen, der durch Verbrechen geschlossen wurde. Und hüte Dich, mir noch einmal in meinen Weg zu kommen." Stolz schritt der Rabbi zur Thüre hinaus, während Ephraim Manasse todtenbleich, das Gesicht mit beiden Händen bedeckt, im Zimmer zurück blieb. - . (Fortsetzung folgt.) Gorrrresponöerrz. College M. R. in Z. Bon uns haben Sie nichts zu befürchten. Verhältnisse in I. sind uns nicht bekannt. C o l l e g e R. i n T. Gewünschtes bereits vorige Woche abgesandt. Danken für das Eingesandre. College U. in W. Fragliche Depesche ist uns nicht zugekommen. College F. in P. Trotz aller Mübe war es uns bis jetzt nicht möglich, diesen Mann zu eruiren. Uns scheint die Karte nicht von einem Geschästsmanne, sondern von einem Privaten abgesandt zu sein, da Geschäftsleute gewöhnlich ihre Briefe mit Ztampiglienabdruck verseben. C o l l e g e B. i n L. Nach Functionen, welche Ihnen znko mmen, find Sie nicht zum ^esiesdwr lioacli verpflichtet, nur wenn Sie von Seite des Vorstandes mit einer außergewöhnlichen Function beehrt w erden College M.e i s e l in G. Diesen Arnkel haben Sie falsch ansgefaßt. Sie gebören immerhin dem Vereine an. Löbl. Cultusvorstand in T. Aufbietungen werden in Wien sowohl als auch in anderen Gemeinden ohne Ausnahme nur voit dem Cantor vorgenomnien. College I. N. in R. Ihren Wunsch bezüglich einer Musikbeilage hoffen wir baldigst erfüllen zu können.