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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-07-13 · Heft 25 (13.7.1882) · page 1

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 25 (13.7.1882)
Date
1882-07-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Oesterreichisch-ungarische ^Priilllimerlltillns ions-Preis^ für Wien und Umgebung und Provinz: Ganzjährig . . fl. 6.— Halbjährig . . fl. 3.— Vierteljährig . fl. 1.50 Für das Ausland: Ganzjährig . . fl. 7.— Halbjährig . . fl. 3.50 Vierteljährig . fl. 1.70 intl. jalidlnng io's Haas. J O r g an kör die fearmnt - Jnterrssfn südislher Cuntorai. Erscheint jeden agiert Hag. Begründer: Obercantor Icrkoö Mauev. II 21 ccl*1ctiort!! und || 2ldministration |j Lcopoldstadt. 3 Tircusgasse Nr. 20. li ״״ :! Inserate jj werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht I retournirt. ך j Ar. 25. Wien, 13. Juli 1882. 2. Lahrgang. Presse und Ludenthum. Von Isidor Singer. So der Titel eines Büches, das vor uns liegt und das mit Recht eine tüchtige schriftstellerische Arbeit genannt zu werden verdient. Und nicht umsonst haben wir dieses Werk als Basis für unseren'heutigen Leitartikel genommen, nicht umsonst geben wir sogar den Auszug eines ganzen Capitels wieder, aus deren sieben das Buch besteht. - , " "'Der Autor des Werkes Mldert in begeisterten Worten' die Nützlichkeit, die Nothwendigkeit ״einer jüdischen Presse", ist der Ueberzeugung, daß nur durch Gründüng einer ״jüdischen Presse", einer anständigen, ehrlichen Presse, dem Judenthum geholfen und große Dienste erwiesen werden könnten. Und so bespricht der noch jugendliche Verfasser mit einem wahren Feuereifer in sieben Capiteln die Presse, und zwar: b. als Erweckerin des Bewußtseins des Judenthums; 2. als Förderin der Einigkeit in Israel; 3. als Mentor in der jüdischen.Gemeinde; 4. als Herold des begeisternden Wortes in Israel; 5. als öffentliche Lehrerin des Judenthums; 6. als Förderin des Studiums jüdischer Literatur und der hebräischen Sprache und 7. als Trägerin der Cultur zu den Juden des Ostens. Wir lassen hier in Nachfolgendem den Auszug eines Capitels folgen und werden wohl unsere geehrten Collegen dem Inhalte desselben so wie wir vollkommen beipflichten, da selber thatsächlich der Wahrheit entspricht. Ein kräftiges und entwickelungsfähiges Judenthum ist nur dann denkbar, wenn in den jüdischen Gemeinden ein vom echten Geiste des Judenthums getragenes, frisch Pulsirendes Gemeindeleben besteht. Wie stehen nun aber mit sehr, geringen Ausnahmen die Dinge in den meisten jüdischen Gemeinden der Gegenwart? Mögen ihre Verhältnisse noch so verschieden, gestaltet sein, aber das Stigma haftet ihnen allen mehr oder minder an: Kopflosigkeit, Zerfahrenheit und Zerrüttung in der Verwaltung der Gemeindeangelegenheiten, unerhörter Jndifferentismus gegen alle wahren und. gemeinsamen Interessen des Jüdenthums. Und woher nun diese traurige und, wenn nicht bald Ab-! Hilfe geschaffen wird, zum sicheren Ruine des Judenthums : führende Erscheinung? Vorzüglich daher, daß in den meisten jüdischen Gemeinden die Gemeindeverwaltung den Händen von Männern anauch nicht die. geringste, Liebe und.. Mgeiste- ,rung für's Judenthum im Herzen tragen, aber auch nicht das mindeste Verständniß für die Bedürfnisse und Interessen des Judenthums besitzen und deren Verdienste allein darin bestehen — zu den wohlhabensten Männern der Gemeinde zu zählen. Doch es gibt noch Gott sei Dank in jeder jüdischen Gemeinde eine, wenn auch leider täglich geringer werdende Anzahl von Männern, die von wahrer Hingabe für's Judenthum beseelt sind und die gerne ihre Kräfte im Dienste desselben verwenden würden. Nun, wo sind sie denn? wird man fragen. Warum erheben sie nicht ihre ermahnende und belehrende Stimme, um ihre verirrten Glaubensgenossen wiederum auf die richtigen Pfade zu lenken? Die jeden Freund des Judenthums nothwendig mit tiefem Schmerz erfüllende Antwort auf diese Fragen ist daher einfach die: Die Kräfte jener Männer sind gebunden. Die meisten unserer Glaubensgenossen nämlich sind von der unseligen und nur einem beschränkten Kopfe entspringenden Anschauung beherrscht, die unmittelbare Folge des Reichthums müsse auch ein sofortiger, vollständiger Bruch mit den Satzungen des Judenthums sein; und so kommt es denn, daß jeder jüdische Parvenü, dessen Vater noch ein armer, aber frommer Dorfhausirer war, wenn er durch eine glückliche Speculation zu Reichthümern gelangt istj. nebst den alten Möbeln sofort auch das Judenthum aus seiner׳ Wohnung wirft und dieses so in unseren Tagen immer mehr genöthigt wird, in die Wohnungen der Mittellosen und Armen sich zu flüchten. Die nächste Nummer der ״Oesterr.-ungar. Cantoren-Zeitung" erscheint Freitag den 21׳. Jnli a. c.

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