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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-07-05 · Heft 24 (5.7.1882) · p. Seite 2

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 24 (5.7.1882)
Date
1882-07-05
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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tiefe Kriterien muß der Cantor in sich fassen, mit dem Amte -eines Schächters zu amalgamiren. Wenn der Schah von Persien eine religiöse Ceremonie -auszuüben vermeint, . indem er mit höchsteigener Hand einem feisten Hammel den Garaus macht, so ist es ein Gefühl des Mitleids, das uns hiebei beschleicht und mit einem gewissen Selbstbewußtsein rühmen wir uns als gebildete Abendländer. Und doch sieht es bei uns nicht besser aus. Nicht, daß wir, Gott behüte! ein Gegner der Sch'chita überhaupt wären. Wir sind im Gegentheil von ihrer Nothwendigkeit vollkommen durchdrungen und überzeugt. Bietet sie doch die beste Gewähr, da wir doch einmal zu den fleischfressenden Ungeheuern gehören, wenigstens, daß wir gesundes, wenn auch vertheuertes Fleisch zur Nahrung erhalten. Aber wir sind dagegen, daß der Cantor Sehochet sein soll. Jedes Amt muß von einem gewissen Nimbus begleitet sein, um so mehr, wenn dieses Amt ein geistliches ist. Dieser Nimbus muß erhalten und darum stetig gepflegt werden. Sowie der Cantor durch seinen moralischen Lebenswandel diesem Nimbus immer neuen Glanz verleihen, wie er Alles unterlassen muß, was irgendwie geeignet sein könnte, diesen Glanz zu trüben, so soll er auch, wie ein geehrter College in der vorigen Nummer der ״Cant.-Z." ganz richtig bemerkte, in seinem äußeren Auftreten kein Mittel hierzu vernachlässigen und z. B. nie anders als im Ornate vor den Altar hintreten. Es ist dieses vielleicht unbedeutend, allein zu einem Bau gehören auch kleine Steine. Mit kurzen Worten also, wir dürfen uns nicht verallgemeinern, wir dürfen uns nichts vergeben. Dem Gebildeten müssen wir durch unsere Leistungen, dem Ungebildeten durch unser äußeres Auftreten imponiren. Der Elftere wird uns so manche Schwäche (und wer hätte leine?) verzeihen, da er uns zu schätzen weiß, Letzterer will durch unser äußeres Auftreten geschmeichelt sein, da ihm die Fähigkeit, uns zu kritisiren, gebricht. Allein, wenn wir jederzeit und zu Jedermanns Verfügung bereit sein müssen; wenn wir die Gunst irgend einer einflußreichen Dame dadurch verscherzen, daß wir unglückseligerweise eine Gans, die ״einen Korn" bekommen hat,nicht rechtzeitig retten, d. h. schlachten; wenn wir uns mit dem ״Ka-zef“ gut vertragen müssen, und wie die Fama erzählt, soll das nicht immer gut möglich sein, geht da dieser Nimbus nicht in die Brüche? Uebrigens kann es noch ärger kommen. Wenn so in einer Gemeinde neben dem Cantor solch' ein erbgesessener Sehochet sitzt, der den Cantor mit Argusaugen bewacht und die geringste Gelegenheit benutzt, natürlich aus gedecktem Hinterhalte seine vergifteten Pfeile auf den Armen loszudrücken, dann Ade, Cantor, dann bist Du kein Sehochet, kein Koreh, ja nicht einmal Stimme hast Du mehr, dann thust Du gut, Deine ״sieben Zwetschken" zusammen zu packen und zu gehen, denn Du bist rettungslos verloren. Man wird uns entgegenhalten, das es viele Gemeinden gibt, die nicht in der Lage sind, einen Cantor und einen Sehochet zu erhalten. Zugegeben. Eine solche Gemeinde zahlt dann' dem Cantor ein geringes Gehalt und verweist ihn auf das Erträgniß der Sch'chita. Ja, du lieber Himmel, dann ist ja der Arme erst recht der Gefoppte! Wir haben in unseren Beiträgen für die ״C.-Z." irgendwo gesagt, die.Juden beten wenig mehr. Heute müssen wir sagen, die meisten'׳Juden lassen wenig mehr schlachten. Dann hatte ja der College Recht, wenn er den Sehochet in solchen Gemeinden für ein überflüssig Stück Möbel erklärte. Um nun zum Schlüsse zu gelangen, legen wir dem Cantorenvereine folgende Punkte an's Herz: I. Die Besetzung eines Cantorenpostens soll durch Einflußnahme des Cantorenvereines geregelt werden. II. Dahin zu wirken, daß jedes, wie immer Namen habende Nebeneinkommen pauschalirt und von der Gemeinde dem Gehalte des Cantors zugeschlagen wird. III. Die Stellung eines Cantors ist mit der eines Sehochet unvereinbar. Zugleich bitten wir unsere Herren Collegen gegentheiliger Ansicht um Widerlegung der unserigen. Turn au, 3. Juli 1882. Adolf Rotier. Andeutungen MM Gesangsunterricht. Von Alois Kulka. Einer unserer berühmtesten Musikschriftsteller äußerte sich jüngst in einer Gesellschaft von Sängern: ״Von einem Gesangsmeister werden die größten musikalischen Eigenschaften gefordert. Er muß erfinden, tief fühlen und mit vieler Weisheit unterrichten können." Wir stimmen mit dieser Kunstansicht nicht nur vollkommen überein, sondern sind auch so durchdrungen von der Wahrheit dieser Worte, daß wir es nicht unterlassen können, in möglichster Kürze einige Andeutungen jenen Gesangslehrern zu geben, die — wie beispielsweise Cantoren in kleinen, von der Hauptstadt oder größeren Provinzialstädten weit entsernten Städtchen — nicht in der glücklichen Lage waren, durch tüchtige Meister oder nachahmungswürdige Vorbilder in die Unterrichtsmethode eingeweiht zu werden und trotz dem besten Witten, sich selbst auszubilden, nicht die Mittel haben, durch den Ankauf kostspieliger theoretischer Musikwerke sich jene Kenntnisse zu verschaffen, die sie besser und auf kürzerem Wege dem Zwecke, tüchtige Sänger bilden zu können, näher bringen. Wir haben oft gesehen, wie durch verkehrte Behandlung solcher Lehrer nicht nur so manches junge Talent eine schiefe Richtung erhielt und zuletzt ganz unterdrückt wurde, sondern auch bemerkt, daß ein solch' ganz zweckwidriger Vorgang in der Bildung der Stimme einen schädlichen Einfluß selbst auf die physischen Kräfte der Jugend dergestalt ausübte, daß diesen so übel Behandelten nicht selten die Stimme zum Singen für immer untüchtig gemacht oder ihnen wohl gar noch größere Schäden zugefügt wurden. Um nun diesen Uebeln nach unseren schwachen Kräften durch kurze Andeutungen über die zweckmäßige Behandlung der Schüler möglichst zu steuern, empfehlen wir diese paar Worte, welche blos die allgemeinsten Grundvorschrifben zur ersten Bildung eines Gesangsschülers enthalten, der freundlichen Würdigung aller Jener, die sich dem Gesangsunterricht der Jugend widmen und, wie schon gesagt, keine andere Richtschnur zu ihrem Verfahren haben, als eine sich selbst geschaffene, meist unvollkommene oder doch zu sehr in's Allgemeine greifende Methode. Daß diese wenigen Zeilen nicht eine detaillirte Abhandlung über den Gesangsunterricht umfassen können, wird wohl jeder verständige und billig denkende Leser elbst einsehen.

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