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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-06-11 · Heft 21 (11.6.1882) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 21 (11.6.1882)
Date
1882-06-11
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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7 JeuiLLeton. LehuLa den Halevi. Historische Erzählung von Ad. v. Zemlinszky. (Nachdruck streng verboten! Uebersetzungsrecht Vorbehalten) 9. Fortsetzung. ״Da kamst Du nach Rom und das Schicksal wollte es, daß man gerade das Dir gehörige Haus als Versammlungsort für die Verschworenen benutzte. Du hast unsere Zusammen* xunft belauscht-״ ״Habe auch Deine Rede vernommen," unterbrach ihn Jochai mit zitternder Stimme, ״habe gehört, wie mein Sohn — von Mord gesprochen. O! David, weshalb hast Du mir dies Alles nicht um einige Tage früher mitgetheilt, ich hätte Dich abgehalten, Dein Vorhaben auszuführen, wir wären Beide von Rom fort; denn rächen durftest Du Dich nicht, er, der allgewaltige Gott, er und nur er allein darf bestrafen." ״Höre mich weiter, Vater. Dein Erscheinen im Vatican mußte nicht nur die Verschwörung aufdecken, sondern es mußte auch Dich und mich verderben. Um Dich zu retten, schickte ich Dich in's Gefängniß. ״Vor einigen Tagen sandte mich der Papst in dringender Mission nach Toledo und als ich zurückkehrte, fand ich ihn todt in seinem Bette. ״Ob er eines natürlichen Todes gestorben, ich weiß es nicht, ich will es auch nicht wissen, will auch die Verschworenen nicht darüber befragen, was die blauen Streifen am Halse des Todten zu bedeuten haben, will auch überhaupt nichts mehr ״mit ihnen gemein haben. Fort will ich mit Dir, hinaus aus der den Athem beklemmenden, modrigen Luft Roms, will mich ausruhen von all' diesen schrecklichen Kämpfen und Verirrungen. Denn glaube es mir, Vater, es hat gar schrecklich in mir gewüthet und gekämpft, mir die Seele zusammengekrampft und nicht länger mehr glaubte ich diese endlose Qual ertragen zu können." ״David, die Worte, die Du zu mir vorher gesprochen, sie haben meine Brust wie von einem schaurigen, drückenden Alp befreit. Dich also darf ich doch an meine Brust drücken, Dich doch m-einen Sohn, mein liebes, gutes Kind nennen, wie ich's vor Jahren so gerne that!" rief Jochai freudig, indem er seine Arme um den Hals des Sohnes legte und ihn an seine stürmisch klopfende Brust zog. ״Noch bin ich eigentlich nicht zu Ende, Vater," begann David, ״denn noch eine andere, für Dich gewiß freudige Nachricht ist es, die ich Dir mitzutheilen habe." ״Eine freudige Nachricht!? Lass' gut sein, David, Dich habe ich״wieder und die Anderen sind verloren." ״Sage, mein Vater, würde es Dich denn nicht erfreuen, Nachricht zu erhalten von meiner Schwester, Deiner Tochter Rebecca?" Sprich nicht von ihr, David, Du würdest dadurch den ersten Strahl des Glückes, der wärmend mir in mein erstarrtes Herz eingezogen ist, daraus verscheuchen. Sie ist's nicht Werth, sie ist eine Christin geworden." ״Und wer hat Dir dies erzählt?" ״Wer? Die Leute von ״der Gasse", sie Alle haben es sich erzählt und mich bemitleidet." ״Die Leute von ״der Gasse"! Ich sage Dir, sie haben gelogen. Vor einigen Tagen, als ich in Toledo war, da hörte ich von dem Wohlthätigkeitssinn und der Frömmigkeit der Frau des berühmten, großen Dichters und Leibarztes des Königs, von der Frau des Jehuda ben Halevy sprechen. ״Und ich sah sie, diese Frau, ich traf sie auf der Straße und mit Gewalt mußte ich mich zurückhalten, um vor ihr nicht auf die Kniee zu fallen, denn es war das lebende Ebenbild meiner todten Mutter, es war Rebecca, Deine Tochter." ״Jetzt brich, Du morsches Herz!" schrie Jochai, ״brich zusammen, jetzt Hab' ich genug gelebt, die Kinder sind mir wieder zurückgegeben! — Dir, Gott im unermeßlichen All, Dir sei Dank für Deine Gnade, loben und preisen will ich Dich in alle Ewigkeit." 12. Des Königs Leibarzt. Vor dem Haufe in Toledo, in welchem des Königs Leibarzt mit seiner Familie wohnte, stehen zwei müde Wanderer, welche sich beeilt hatten, das Ziel ihrer Reise, dieses Haus, zu erreichen, ehe noch die Nacht hereingebrochen, ehe der Sabbath eingetreten war. Gar sehnsüchtigen Blickes, doch mit verschiedenen Empfindungen sahen die Beiden zu den erleuchteten Fenstern empor. Jochai Carmo und dessen Sohn David, der den falschen Priester abgestreift, als echter Jude an seines Vaters Seite steht. Sie haben Rom verlassen und zu Fuß ihre Reise nach Toledo gemacht, woselbst sie eben jetzt eingetroffen waren. Da dringen plötzlich wunderbare Töne, wie aus höheren Sphären kommend, an das Ohr der Beiden. Eine schöne, männliche Stimme singt.-- — Und leise sprechen es die Beiden unbewußt nach. Unbekannt sind ihnen diese Worte, die sie da vernehmen niemals haben sie dieselben gehört und dennoch klingen sie so bekannt, so lieblich. Das Lied ertönt weiter und abermals sprechen die Beiden mit erhobener, freudezitternder Stimme diese Worte nach. Und mehrere andere Stimmen, darunter eine hellklingende, schöne Frauenstimme, fallen ein in den Gesang. ״Wer ist der Sänger, wer die Sängerin, ich will es wissen?" ruft Jochai und eilt hinein in das Haus, David hinter ihm d'rein. Jochai öffnet hastig die Thüre, welche in das Zimmer führt, in dem sich die Andächtigen befinden, doch blieb er in derselben stehen, als hätte er das Antlitz Medusa's gesehen. Auf dem in der Mitte des Gemaches stehenden, mit weißen Linnen überdeckten Tische brannten die Sabbathlichter, um denselben herum standen vier Personen. Ein ernst blickender, schöner Mann mit schwarzem Lockenhaar, großen blauen Augen, die in frommer Begeisterung nach Oben schauen. Es ist der große, unsterbliche Dichter und Sänger Jehuda ben Halevy, dessen Ruhm weit hinaus in die Welt gedrungen war, weit hienüber über das Meer — des Königs Leibarzt. An seiner Seite stehen Elieh und Sarah, Jochai Carmo's Weib, und am anderen Ende des Tisches sitz^ Rebecca, die Frau des Leibarztes. Die Andächtigen haben das Geräusch nicht vernommen, welches Jochai Carmo durch das Oeffnen der Thüre verursacht hatte und beten weiter. (Schluß folgt.)

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