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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-05-23 · Heft 19 (23.5.1882) · p. Seite 3

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 19 (23.5.1882)
Date
1882-05-23
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Mögliche auf, um ihn von seinem Posten zu verdrängen. Mit Rücksicht daraus erlaube ich mir, in Ihrem geschätzten Blatte, an alle Collegen die Bitte zu richten, sie mögen auf diesen Posten nicht concurriren, um so dem dortigen Cantor trotz der Bestrebungen des Rabbinatsassessors seine Stelle zu er-: halten." ___ Offener Sprechsaar für Alle. Geehrter Herr Redacteur! In Nr. 19 des ״Ungarischen Israelit" finde ich zwei meiner Privatbriese veröffentlicht, was mich in nicht geringes! Erstaunen versetzt und sehe ich mich hiermit veranlaßt, über!die Art und Weise dieser Reproduction Einiges mitzutheilen. >Sie werden daraus, geehrter Herr Redacteur, ersehen, mit .welchen Waffen die Mitglieder und Organe des ״Ungarischen, israelitischen Cultusbeamtenvereines" kämpfen und welch' ver-: werflicher Mittel sie sich bei Verfolgung ihres Zweckes bedienen.! Die Sache verhält sich folgendermaßen: Ein mir befreundeter College und Gesinnungsgenosse, ersuchte mich bezugnehmend auf den in Ihrem w. Blatte erschienenen Artikel über Cantoreuvereine um meine Meinung in dieser Angelegenheit. Von der Ansicht nusgehend, daß man nur nach einem gegenseitigen Ideenaustausch zur Erkenntniß des Richtigen und Wahren gelange, beeilte ich mich, mich mit demselben in einen Schriftwechsel einzulaffen, zugleich auch seine Ansichtin dieser Sache mir erbittend. — Der Zufall wollte es nun, daß mein Brief, der für den erwähnten Collegen, den Cantor von Salgo-TarjLn, bestimmt war, irrthümlicherweise an den Cantor von Csakathurn adressirt wurde. Diesersehr w. Herr Cantor von Csakathurn, Namens Moses Schäfer, der von der Wahrung der Briefgeheimnisse überhaupt sehr eigenthümliche Begriffe haben Muß und nach dieser Richtung nicht sehr scrupnlös zu sein scheint, nimmt nicht den geringsten Anstand daran, den Brief, den er doch gleich anfangs als nicht an sich gerichtet erkennen mußte, zu lesen. Da nun bekanntlich verbotene Früchte immer gut schmecken und das allerdings elastische Gewissen dieses Herrn Cantors erwähnte Handlungsweise für gut befand, ging er noch weiter. Sein Scharfsinn entdeckte im erwähnten Schriftstück ein wirksames Mittel zur Förderung der Interessen des ״Ungarischen Cultusbeamtenvereines" und, alsein um die Vortheile des Vereines besorgtes Mitglied, als ein, wie er schreibt, ״kräftiger Ve.rtheidiger" desselben, hatte er nichts Eiligeres zu thnn, als - den Brief an den ״Ungarischen Israelit", das Organ des mehrfach erwähnten Vereines, einzusenden. Dieses Blatt, bekanntlich auch nicht allzu wählerisch in seinen Mitteln, beeilte sich, in dankbarer Würdigung des großen Eifers, welchen der ״kräftige Vertheidiger" an den Tag legte, den Brief zu veröffentlichen, um gewissermaßen der Jndiscretion, der Gewissenlosigkeit, welche es damit begeht, ein bleibendes Monument zu setzen. Damit man nicht glaube, daß hier ein Jrrthum obgewaltet, damit man vergewissert sei, daß die Sache auf keinem Mißverständniß beruht, entblödet sich der erwähnte Cantor von Csakathurn nicht, in seinem aN mich gerichteten Briefe, welcher, nebenbei bemerkt, auch.nicht als Muster der Stylistik hinzustellen ist, zu schreiben: ״Ihr werthes Schreiben (nämlich das irrthümlicherweise an ihn gelangte) habe ich erhalten, nur bedauere, daß dieses Schreiben nur irrthümlicherweise an mich gelangte rc." Der sehr ehrenwerthe Herr Cantor von Csakathurn nimmt also den Brief, trotzdem solcher nicht an ihn gerichtet ist, wovon er auch überzeugt ist, in Empfang, bedauert, daß er an ihn gelangt ist und, anstatt meinem mit einer 5 kr.-Marke belegten dringenden Ansuchen um Rückstellung des Briefes zu entsprechen, sendet der ״warme Vertheidiger und kräftige Förderer der Vereinsinteressen von Csakathurn" das unrechtmäßig und auf eine gewaltsame Weise angeeignetes Schriftstück an den ״Ungarischen Israelit", welcher, um dieser erbärmlichen, unwürdigen Handlungsweise die Krone auszusetzen, den Brief veröffentlicht." Und jetzt frage ich, wo steckt denn eigentlich der Jesuitismus, von welchem, die Nachschrift der Redaction spricht,....wer befolgt den Satz ״der Zweck heiligt das Mittel", wo sind, ״Unsinn, Lüge und Albernheit", die beliebten Kraftausdrücke der genannten Redaction als Organ des ״Ungarischen israelitischen Cultusbeamtenvereines", zu finden? — Sie suche sie bei jenen ihrer eigenen Mitglieder, die leider über die Anfangsdegriffe von Wohlstand, Rechtlichkeit und Rechtschaffenheit noch nicht hinaus sind, bei Leuten, die nicht zurückschrecken von ganz unerlaubten, unlauteren Mitteln, um ihrer Sache einen vermeintlich guten Dienst zu leisten, und sie wird das finden. Der warme Anhänger von Csakathurn, den der Beamtenverein zu seinen Mitgliedern zu zählen die Ehre hat, wird ebenfalls ein eclatantes Beispiel hiefür bieten. Zudem überlasse ich es jedem rechtlich denkenden Menschen, die Gebarungsweise der Redaction des ״Ungarischen Israelit" zu beurtheilen, welcher Privatbriefe veröffentlicht, die aus solch' eigenthümliche Weise in ihren Besitz gelangt sind, ohne die Quelle zu prüfen, von wo und wie solche herrühren. Daß sich genanntes Blatt, über meine Schreibweise lächerlich macht, finde ich für sehr erbärmlich, da man doch von einem Cantor und insbesondere bei dessen Privatbriesen nicht beanspruchen kann, daß er als glänzender Stylistiker gelte. Schließlich will' ich noch zur Rechtfertigung meiner Stellungsnahme Vorbringen, daß ich die Interessen eines Cantors viel besser durch einen speciell für diesen Stand gegründeten Verein vertreten sehe, als durch einen allgemeinen Beamtenverein, wo auf die einzelne Kategorie nicht so sehr Rücksicht genommen werden kann. Hierin will ich nächstens ausführlicher sein, nur will ich noch bemerken, daß ich für die Richtigkeit der in meinem öffentlichen Briefe citirten Auslassungen gegen Personen keine Garantie übernehmen kann, da doch von dem Briefe überhaupt ein unlauterer Gebrauch. gemacht wurde. Sollte doch etwas darin Vorkommen, dessen ich mich nicht mehr erinnern kann, so möchte ich bitten, solche als nicht geschehen zu betrachten. Carl Eisenberger. Cantor in Eisenstadt. ׳ * Löbliche Redaction! Das Vorgehen bei der Festsetzung der Tagesordnung für die am 30. a. 6. abzuhaltende Generalversammlung finde ich sehr uncollegial. — a), b), e), d), e) sind wohl sehr nothwendige Punkte, aber zwei andere Punkte würde ich als noch wichtiger Vorschlägen. Der Pester ״Allgemeine israelitische Beamtenverein" liegt in Agonie; daher sollte l) die Wahl einer Beileidsdeputation, g) die Componirung eines El Mole rachniun auf die Tagesordnung gesetzt werden. Für Trauerreden ist gesorgt, durch jene Herren Rabbiner, die dem Vereine bereits beigetreten sind. Hochachtungsvoll 8. N.

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