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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-04-29 · Heft 16 (29.4.1882) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 16 (29.4.1882)
Date
1882-04-29
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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e u t et o n. Jehuda beit Halevi. Historische Erzählung von Ad. v. Zemlinszky. (Nachdruck streng verboten I Uebersetzungsrecht Vorbehalten^ - . 5. Fortsetzung. ״Selbstverständlich, edler Herr, steht Euch mein ganzes geringes Haus zur Verfügung." ״Nicht doch, wir danken, ein Zimmer genügt; doch Du wirst jedenfalls die Freundlichkeit haben, : uns vor Störung zu bewahren?" Geschäftig eilte Jochai voraus, um eine Stube aufzuschließen und für die Bequemlichkeit seiner hohen Gäste Sorge zu tragen, während dieselben langsam folgten. -״Noch etwas, Jochai!" sagte der Geheimsecretär. ״Wenn Jemand kommt und meinen Namen nennt, den sührst Du ein zu uns, sonst Niemanden, hörst Du, sonst Niemanden." Und Jochai entfernte sich, nachdem er eine tiefe Verbeugung machte und die Herren sich an der Tafel niederließen, welche reichlich mit Weinflaschen versehen war. Doch kaum war Jochai außerhalb des Gemaches, als die bisher zur Schau getragene unterwürfige, demüthige Miene wie mit einem Schlage verschwunden war. Finster zog er die Augenbrauen zusammen, während sich seine Fäuste wie tm Kampfe drohend ballten. ״Mit Jochai habt ihr gesprochen, ihr feinen hohen Herren, mit Jochai, das wußtet ihr wohl," sagte er zähneknirschend, ״und dennoch glaubt ihr, ich sei so geistesschwach, so dumm^ daß ich nicht Wahrheit von Lüge.zu,sonhern., verstehet Ei^ ihr'Herren, Meines Weines wegen seid ihr gekommen, meines Weines wegen, den man in ganz Rom als den besten nennt? Und dabei haben sie mit mir schön gethan, mir, dem Juden, den sie sammt allen Glaubensgenossen gerne mit einem einzigen Blick tödten wollten, wenn sie es im Stande wären. Jochai! denke nach, zermartere dir dein altes Gehirn, aber denke nach, was dies zu bedeuten hat.-" Und mit beiden Händen griff er nach seinem Kopf, als wollte er mit Gewalt des Räthsels Lösung finden. .,Wie bin ich doch so thöricht," rief er plötzlich; ״ich hab's ja doch viel einfacher, ich quäle mich hier ab, um zu errathen, wie der Kern aussieht, der in der Schale verborgen ist und brauche ja doch nur die Umhüllung zu brechen und das Geheimniß besteht für mich nicht mehr. Ich verberge mich ganz einfach im Nebengemache, dort kann ich jedes Wort — und wenn es noch so leise gesprochen wird, vernehmen und werde dann wissen, woran ich bin." Und die That dem Worte folgen lassend, zog er seine Schuhe von den Füßen und ginss dann, um kein Geräusch zu verursachen, welches ihn hätte verrathen können, baarfuß, leise und vorsichtig in das Gemach, neben welchem sich die Gesellschaft befand. Lautex Becherklang drang an das Ohr des Lauschenden herüber, darein mischten sich die Stimmen der Versammelten welche in allen Tonarten die Güte des Weines priesen. ״Durch solche Comödiantenkniffe täuscht ihr mich nicht," knirschte Jochai zwischen׳ den Zähnen; ״sie wollen mich sicher machen, das ist Eins, das Andere aber, sie warten noch auf Jemanden. Es ist daher noch genug Zeit. Und ebenso vorsichtig, als er gekommen war, entfernte er sich wieder und kehrte in die Schankstube nach vorne zurück. Jochai hatte gut gerathen. Kaum eine halbe Stunde mochte abgelaufen sein, als ein schlanker Mann in der Taverne erschien, die Kopfbedeckung tief in׳ die Augen gedrückt und mit verstellter Stimme nach Norbert Falcinello fragte. Ein Schauer durchlief die ganze Gestalt des alten Jochai; mit zitternder Stimme bat er den späten Gast, ihm zu folgen und führte ihn zu den Versammelten. ״Jetzt habe ich ein Recht, ein heiliges Recht, hier zu hören, was vorgeht," sagte Jochai mit dumpfer Stimme, als er allein war, ״ein Recht, das mir Niemand wehren kann. Ich habe ihn erkannt, es war mein . . ., es war der Pfaffenknecht, des Papstes Günstling.- ״Vergebt, Ihr edlen Herren, daß ich Euch warten ließ, doch nicht mein Wille war es, sondern dringende, unaufschiebbare Geschäfte im Dienste des Papstes, die ich schon deshalb nicht aufschieben wollte, um nicht irgendwelchen Verdacht in der Seele des ohnehin zu jeder Zeit und bei jeder Gelegenheit nur zu sehr dem Mißtrauen geneigten Papstes aufkommen zu lassen und hiedurch vielleicht eine Gefahr heraufzubeschwören, welche unserem Unternehmen schon von Beginn an Verderben bringen könnte und mit ihm auch uns," erklärte der Zuletztgekommene sein spätes Erscheinen. ״Genug," entgegnete Falcinello; ״wir wußten, daß Ihr gegen Euren Willen zurückgehalten würdet und deshalb trifft auch Euch keine Schuld. Und wäre es auch, wir haben uns, bei Gott! die Zeit angenehm vertrieben, der Jude hat wirklich einen köstlichen Wein. Doch jetzt zur Sache, laßt uns ohne Umschweife cheu. .Grund .unseres-..Hierseins -besprechen.׳ -Kein unberufenes Ohr wird uns hören. Dank - der Fürsorge des Juden, den wir mit Artigkeiten so geködert haben, daß er uns dieses Gemach am entferntesten Ende des Hauses, fern von jedem Geräusche, aufschloß, ohne zu wissen, welch' großen Dienst er uns hierdurch erwiesen." ״Ihr, Abbe Clemens. Ihr seid oder wenigstens nennt man Euch den Günstling des Papstes und darum seid Ihr berufen, in diesem Drama eine hervorragende Rolle zu spielen Wollt Ihr dies?" ״Ueberflüssige Frage, Ihr Herren, die an mich gerichtet wird —ob ich will! Wollt Ihr Alle insgesammt thätig sein, um diesen Mann, den ich hasse, der sich zur höchsten Würde emporgeschwungen, zu vernichten? Sagt ja und ich will es auch, aber allein, nein!" ״Wir wollen vereint den Mann zermalmen, den wir Alle hassen," riefen sie, die Versammelten. ״Gut denn," nahm der Abbs Clemens wieder das Wort; ״beschlossen soll jetzt werden, wie wir Vorgehen wollen, um diesen Papst, seiner Würden zu entkleiden, die er durch Heuchelei und List sich angeeignet." ״Er muß gezwungen werden, und zwar so rasch wie möglich, daß dem Verrathe nicht Thür und Thor durch Aufschub geöffnet werde, gezwungen muß er werden, ״freiwillig" von seiner stolzen Höhe herabzusteigen, frei zu geben den angemaßten Thron, gezwungen muß er werden, sich zurückzuziehen in ein Kloster und ist er dort, dann wird er scharf bewacht, damit er nicht mehr in die Welt gelange und weigert er sich — so —-״ (Fortsetzung folgt.)

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