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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-04-21 · Heft 15 (21.4.1882) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 15 (21.4.1882)
Date
1882-04-21
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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׳7׳ Ie 1ri 5' Leton. Lehuda de» Halevi. Historische Erzählung von Ad. v. Zemlinszky. (Nachdruck srreng verboten! Uebersetzungsrecht Vorbehalten.) 4. Fortsetzung. ״Wer weiß, wenn Mutterliebe das Bindemittel ist." ״Und wenn ein schreckliches Verbrechen —-?" ״Ein Verbrechen, sagt Ihr?" fragte der Arzt erschreckt. ״Nun denn, schwört mir, Niemandem etwas von Dem mitzutheilen, was Ihr jetzt hören sollt und Ihr sollt Alles wissen; dann entscheidet auch, ob ich recht gehandelt, daß ich die Mutter von Ihren Kindern trennte." ״Doch halt, hier auf der Straße laßt uns nicht länger weilen, kommt nach meiner Behausung." ״Und Eure Gattin, Herr?" sagte Elieh zögernd. ״Sie wird Euch Beide nicht sehen, wenn Ihr es nicht wollt/' ״Ich bitte darum; den Grund werdet Ihr aus meiner Erzählung entnehmen." Und der Arzt führte seine Gäste in sein Haus. Und dort saßen sie im traulichen Arbeitsstübchen des Gelehrten und mit beredter Zunge erzählte Elieh dem Arzte, während sich Sarah in einem Nebengemache ausruhte. ״Und jetzt sagt, Herr," fragte Elieh, nachdem er geendet, ״habe ich recht gethan?" ״Ihr habt recht gethan, doch jetzt muß endlich dieser Frau ihre Fämilie zurückgegeben werden; glaubt es mir, ich habe es . aus dem Aufschrei ihres Herzens vernommen, glaubt es dem erfahrenen Arzte, diese Frau, wird sie nicht bald von ihren Seelenleiden befreit, wird sie von ewiger Nacht des Geistes gefangen gehalten werden. Und darum ist es am besten, wenn Ihr vor allem Anderen dafür Sorge tragt, daß sie ihre Tochter, wenn sie am Leben, wieder erlangt; denn ein weibliches Herz allein ist ihr zur Linderung ihres Kummers nöthig. ״Ihre Tochter!" sagte Elieh seltsam lächelnd. ״Ich habe Euch gefragt, Herr, ob Ihr verheiratet seid; hört den Grund, der mich zu dieser Frage veranlaßte. Ihr kennt mich nicht und dennoch war ich bei Euch, bei Euch in der schwersten Stunde Eures Lebens. Ich war es, der den todtgeglaubten Jehuda Halevy mit dem Leichentuche bedeckte, das Todtenlämpchen zu seinem Haupte stellte." ״Wie? Ihr seid Elieh Carmo? Und jene Fr'au, Eure Begleiterin, wer ist sie?" ״Sie ist die Mutter jenes blondgelockten Engels, der als Schutzgeist an Eurem Bette damals saß." ״Und diesen Schutzengel nenne ich ja meine Frau! Nicht länger dürfen Beide getrennt sein, die Vergangenheit sei begraben und die Gegenwart und Zukunft soll neue, frische, grünende Reisige auf dem Stamm des Glückes dieser armen Frau treiben. Am Herzen ihrer Tochter soll sie die letzten Schmerzens-, die ersten Freudenthränen weinen. Ich will jetzt die Tochter, Ihr. sollt die Mutter vorbereiten." .Der Arzt eilte zur Thüre hinaus. Elieh betrat das Gemach, in welchem Sarah weilte, welche sich bei seinem Erscheinen aus ihrer liegenden Stellung aufgerichtet hatte. ״Sagt, .Elieh;. was habt Ihr mit diesem Manne gesprochen, in dessen Haus wir sind." ״Ich habe ihm gesagt, was zu sagen war und für alle diese schrecklichen Mittheilungen, die ich ihm machte, antwortete er mir: ״Sei Du die Taube Noah's, nimm diesen grünenden, Hoffnung verheißenden Oelzweig und trage ihn hin zu der armen Dulderin und sage ihr, daß Gott nicht mehr will, daß die Mutter von ihrem Kinde getrennt sei." ״Mein Gott, Elieh, das hat er gesagt?" schluchzte Sarah. ״Erinnert Euch, Sarah, was ich Euch draußen ״auf dem guten Orte" antwortete, als Ihr mich um das Ziel Eurer Leiden fragtet. Gott hat gesprochen durch den Mund dieses Mannes, der Euch näher steht, als Ihr es ahnet. Und wenn Ihr stark sein wollt, so steht Euch heute noch, in wenigen Minuten, große Ueberraschung bevor, denn wisset, Ihr befindet Euch im Hause des Gatten Eurer Tochter Rebecca." ״Mein Kind!" jubelte Sarah auf, ״mein Kind darf ich an meine Brust drücken, darf es Herzen und küssen. Wo ist sie, meine Tochter, meine Rebecca?" Und die Thüre flog auf und herein stürzte eine hohe, schöne Frauengestalt und schmiegte sich fest an Sarah's Brust und beide Frauen küßten und herzten sich, während Thränen der Freude, des Glückes und Jubels ihren Augen entströmten. Der Arzt hatte leise die Thüre geschlossen und beide Frauen saßen allein — Mutter und Tochter. 7. In der Judenschärrke. In der Judenschänke im Ghetto zu Rom ging es heute ungemein lebhaft zu. ״Judenschänke" wurde die Taverne des Jochai Carmo ihres Besitzers wegen von dem christlichen Theile seiner Gäste genannt, welche sehr fleißig des vorzüglichen Weines, wegen hier einsprachen. Freilich waren diese Gäste meist niederen Standes, doch das kümmerte Jochai ungemein wenig, wenn nur überhaupt Gäste da waren und während der zwei Jahre, welche er diese Taverne eröffnet, hatte er sich auch an seine Gäste vollkommen gewöhnt. Heute freilich schüttelte er gar erstaunt und bedächtig seinen Kopf über seine Gäste. Die meisten von den Stammgästen hatten sich bereits aus der Taverne entferut und schon gedachte sich Jochai zur Ruhe zu begeben, da erschienen neue Gäste. Und gar hohe Herren waren es. welche sein bescheidenes Local mit ihrem Besuche beehrten. Hohe Würdenträger im Dienste des Papstes. Die Verachtung, welche sie gewöhnlich dem Juden gegenüber zur Schau trugen, war heute einer gewissen Vertraulichkeit gewichen. ״He, alter Jochai!" rief der Geheimsecretär des Papstes, Norbert Falcinello, in jovialem Tone, während er ihn vertraulich auf die Schulter klopfte, ״bist wohl erstaunt, uns heute bei Dir zu sehen. Nicht wahr? Dein Wein ist es, der uns herbeigelockt hat. Dein Wein, den man in ganz Rom als den besten nennt und das will viel zu sagen haben." ״Ich glaube, nicht mit Unrecht lobt man meinen Wein, edler Herr, und darum freut es mich doppelt, ihn zu haben, weil ich ihm Euren ehrenvollen Besuch verdanke." ״Schön gesagt, Alter! Doch selbstverständlich können wir uns nicht unter dieses Volk mengen und Du wirst daher gut thun, uns ein Zimmer anzuweisen, wo wir in behaglicher Ruhe und mit Muße Deinen so vielbegehrten Wein verkosten können." (Fortsetzung folgt.)

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