Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 12 (28.3.1882)
- Date
- 1882-03-28
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Oesterreichisch'tmgarische PriiniiMratilliis-Preis für Wien und Umgebung und Provinz: Ganzjährig . . fl. 6.— Halbjährig . . fl. 3.— Vierteljährig . fl. 1.50 Für das Ausland: Ganzjährig . . fl. 7.— Halbjährig . . fl. 3.50 Vierteljährig . fl. 1.75 incl. infUUnng In’s {ans. Organ für die GeMMmf-InterrsM jüdischer Cßninrai. Erscheint jeden achten Hag. Begründer: Obercantor Icrkob *»גורלך תפיל בתומנו חבורה אחת יהי לבלנו ״Lhcile dein Los mit uns denn ein Land verbinde nns Älle" UNd Administration Lcopoldjiadt, Circusgasse Nr. 20. Inserate werden billigst berechnet. Manuscripte werden nicht retournirt. J.‘ Ar. 12. Wien, 28. Mär; 1882. 2. Jahrgang. M 4-. fünfundzwanzig Jahre als gottesdienstlicher Functionär gewirkt und stolze Erfolge erzielt zu haben, deffen können, sich nur Wenige^ rühmen. Wie. Viele stürmen hinaus in's öffentliche Leben, mis Eifer, Math und Selbstvertrauen, allein wenn sich ihnen die Schwierigkeiten des Berufes entgegenthürmen, ist nur ein kleiner Theil von ihnen stark genug, sich selbst und seinem Vorsatze treu zu bleiben; die Meisten von ׳ihnen reiben sich im Kampfe auf und erliegen schon im ersten Anprall. Und erst gar Jene, denen ein Beruf zu Theit wird, derweil überdas'EchMhe' iMß״emporragt/derveräntwortungsvoll ist, der einen ganzen Mann erfordert! Von diesen erreicht selten Einer das. so kühn ersehnte Ziel. Wenn nun Einer ein Vierteljahrhundert nicht, nur auf dem exponirten Posten, ausgeharrt, sondern Jahr für Jahr einer in Oesterreich leider noch ziemlich sterilen Sache- Erfolg um Erfolg abgerungen und sich als Meister, als stählener Charakter und als Musterbild für die nachstürmenden Epigonen erwiesen hat, verdient es nun Der nicht, daß an dem wichtigen Zeitabschnitte, der das erste Vierteljahrhundert seiner ersprießlichen Thätigkeit markirt. das volle Maß der Sympathie und Achtung, die er sich mährend jener Zeit so reichlich erworben, ihm gegenüber zum Ausdruck gelange? — Es ist wahrlich nur ein bescheidener Lohn, den die Mitwelt dem Verdienstvollen bieten kann, aber er ist des Schweißes der Edlen werth. Wenn wir in Erwägung ziehen, wie wenig Werth die Persönlichkeit, der diese Zeilen gelten, auf Aeußerlichkeiten stets gelegt und wie sehr sie immer nur der Einfachheit und Zurückgezogenheit den Vorzug gegeben hat, so füllt es uns wahrhaftig schwer, die richtigen Worte zu finden, um Das zum Ausdruck zu bringen, was den Empfindungen der gesammten Cantorenwelt am würdigsten entspricht, ohne jedoch damit die Bescheidenheit des Jubilars verletzen zu müssen. Wenn in Allem die goldene Mittelstraße die beste ist — in diesem Falle entspricht sie nicht, 'weil das wahre Verdienst unter Apologie eben so sehr leidet, wie unter dem stach Prüderie riechenden Umschreiben, am meisten aber darunter, wenn man das Mittelding zwischen Beiden wählt. Wir wollen uns daher in der Wiedergabe allseits anerkannter Thatsachen keinen Zwang auferlegen und wenn wir dem Juhilar zu Ehren denn doch etwas concediren müssen, so wollen wir dies im vermehrten Festhalten an der Objectivität thun. Herr David Kohn wurde als der Sohn des in seinem Genre renommirten Chone.le chasen in Holitsch (an der Grenze Mährens) im Jahre 1834 geboren. Deine gesangliche Vorbildung absotvirte er am Conservatorium der Landeshauptstadt, wy er.ein Lieblingsschüler der Professoren Menner und Engiser war, während er׳ die Meisterschaft im polnischen Vortrag von seinem eben genannten Vater sich erwarb. Das erste Triennium seiner Wirksamkeit hatte die Gemeinde Austerlitz in Mähren zum Schauplätze. Bon da sollte er aus das Anrathen von Capacitäten ersten Ranges zur Bühne übertreten. Allein die Pietät für seine sehr religiösen Eltern behielt ihn auf der eingeschlagenen Bahn. Um diese Zeit wurde durch Abgang des trefflichen, gegenwärtig in Brünn fungirenden Obercantors Schwarz die Stelle des Arader Obercantors erledigt. Viele wurden berufen, aber David-Kohn ״gewählt". Zahlreich sind die Beweise der Sympathie, die ihm während seiner Viertelhundertjährigen Wirksamkeit sowohl von seiner Gemeinde als von seinen Verehrern, von Juden und Nichtjuden zu Theil wurden. Zu seiner Vermälung widmete ihm der Arader Regenschori Grünzweig eine brillante Cantate. Er schlug wiederholt sehr ehrenvolle Berufungen aus (Gr.-Kanizsa, Raab rc.). D. Kohn ist heute im besten Mannesalter und steht im Zenithe seiner Kraft und seines Ruhmes. Seine Barytonstimme ist wunderschön und er muß ohne Zweifel zu den besten Sängern im ganzen Lande, sowohl in Beziehung des Tempelwie des Liedergesanges gezählt werden. Nicht verschwiegen soll es bleiben, daß Herr Kohn bescheiden, freundliebend, reli.iös; co'llegial und wohtthätig wirksam sich gezeigt hat in allen Phasen seines Lebens. So mögen denn dem Verdienste seine Kronen und Anerkennung werden Allen, die in solchem Maße es verdienen. <