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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-03-20 · Heft 11 (20.3.1882) · p. Seite 4

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 11 (20.3.1882)
Date
1882-03-20
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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— 4 •י- Bauern von solchen Leuten. angereizt wurden, welche deren Trunk- und Plünderungssucht zu ihren eigenen Zwecken mißbrauchten." Indessen mag Wagst aff Recht haben oder St anl ey, mag die Hetze politischen oder wirthschaftlichen Ursprungs sein, mögen in Odessa 20.000 Rbl. oder 300.000 gestohlen worden sein, es bleiben immer genug Schandthaten übrig, um - es zu erklären, daß die öffentliche Meinung Englands die Regierung drängt, für die Verfolgten einzutreten. Es geht aus dem vorstehenden Artikel hervor, daß es in Rußland im Punkte der Religion noch viel zu thun gibt und Treue im Handel und Wandel, gute Sitte und moralische Lebensweise unter der Masse der dortigen Israeliten noch viel zu wünschen übrig lassen. Es möge daher dahin gewirkt werden, daß unsere Glaubensgenossen in Rußland danach streben, vor Allem Gott, dem Staate und den Menschen zu dienen, wie es ihre Pflicht und Schuldigkeit ist. Recht auffällig ist es ja, daß die nach Deutschland kommenden russischen Juden kein besonders günstiges Bild von der dortigen Bevölkerung geben. Berühmte Cantoren und Compojiteure. Vor wenigen Tagen erhielten wir die wunderhübsche Arbeit eines unserer Collegen, Herrn I. Wiesen in Osterode a. H., bestehend in einem Tableau, das uns im Bilde mit einem Theile berühmter und populärer Cantoren und Componisten bekannt macht. Wir sagen absichtlich mit einem Theile, nachdem wir gar manche vorzügliche, ausgezeichnete Collegen darauf vermissen. — Die wirklich geschmackvolle Arbeit zeigt uns in der Mitte... unseren allverehrten Papa Sulz er, den Meister der Cantoren, den Vater des geregelten Choralgesanges, den Schöpfer, des unvergänglichen ״Schir Zions", den Ehrenpräsidenten unseres Vereines, der gar bald zu leben beginnen wird. In der Mitte links befindet sich das Bildniß des als Componisten wie als Sänger gleich großen und berühmten Obercantors Josef Gold st ein, der nächst Sulz er der erste, ausgezeichnetste Sänger unter den Cantoren ist, der Obmann unseres Comitö's, dem jetzt die schwierige Aufgabe obliegt, den Verein zum endlichen Definitivum zu bringen. Ferners erblicken wir noch den allgemein bekannten Componisten, königlichen Musikdirector und Chordirigenten Herrn Lemandowski, den Verfasser des berühmten ״Kol Rinoh". Weiters sehen wir Herrn Obercantor Deutsch, Verfasser mehrerer anerkannt vorzüglicher Gesangswerke. Herrn Obercantor Bär aus Gothenburg, Verfasser des geschätzten Werkes ״Baal Tefilah". In einer anderen Gruppe sieht uns wieder das Gesicht des berühmten Obercantors Leon Kautschmaroff aus Gr.-Kanisza entgegen. Daß Obercantor David Cohn aus Arad in dieser Gruppe nicht fehlen darf, ist selbstverständlich, da er einer unserer ausgezeichnetsten,, populärsten Cantoren der Neuzeit ist, auf dessen rühmliches Gesammtwirken wir demnächst zurückkommen werden. Wahrhaft hervorragend ist das Porträt des Obercantors Berggrün in Hannover, dessen Künstlerschaft zur Genüge bekannt ist. Unter all' diesen ausgezeichneten Männern sehen wir noch Herrn Obercantor Bachmann in Odessa, der sich als Compositeur der Cantate, wie auch als Sänger einen ausgezeichneten Namen erwarb; Herrn Obercantor Isaak Heymann in Amsterdam, eine Zierde des Cantorenstandes; Herrn Cantdr Blaustein in Bromberg, den Begründer des Journales ״Der jüdische Cantor" und des in's Leben tretenden deutschen Cantorenvereines, der mit wahrhafter Aufopferung die schwierige Aufgabe übernahm, die Lage unserer Collegen in Deutschland zu verbessern, was ihm auch gewiß gelingen wird. (Fortsetzung folgt.) Kleine Ghronik. Berlin, 2. März. (Ein Bonmot bes deutschen Kaiser s.) Man erzählt, daß vor Kurzem ein jüdischer Convertit, von dem vor nicht allzu langer Zeit viel in den Blättern gesprochen wurde, sich an den Kaiser gewendet habe mit dem Gesuche, seinen allerdings sehr pronocirt jüdisch klingenden Namen in einen anderen verwandeln zu dürfen. Der Petition war die Bitte' hinzugefügt, daß,'da der Petent eine große Verehrung für das Andenken Wallenstein's hege, ihm gestattet werden möge, fernerhin den Namen des großen Feldherrn zu führen. Als die Petition an den Kaiser gelangte, soll Seine Majestät gesagt haben: ״Das wird wohl nicht angehen, da ja noch Nachkommen Wallenstein's leben, aber wenn's ihm darum zu thun ist, mit der Familie in Connex zu kommen, kann er sich ja Friedländer nennen!" Berlin. Den Herren Antisemiten scheint es an Geld zu fehlen. Sie sammeln jetzt für ihre gerichtlich verurtheilten Genossen. Auch eine Theatervorstellung soll ihnen Mittel zu diesem Zwecke verschaffen. Als Zugstück wählten sie; ״Die. Mottenburger", Posse von Kali sch, — ein echt antisemitisches Programm. Berlin, 23. Februar. Bei der heute hier stattgehabten Versammlung der Delegirten jüdischer Gemeindevertretungen wird als Zweck des Bundes angenommen: ״die Förderung der Verwaltungs-, Bildungs-und.Wohlthätigkeitsangelegenheiten der israelitischen Gemeinden des deutschen Reichs. Insbesondere wird dieser Zweck zuerreichen gesucht durch 1. Fürsorge für Religionsunterricht und Ausbildung von Religionslehrern; 2. Erstrebung eines Systems der definitiven Anstellung und Pensionirung von Gemeindebeamten und zur Fürsorge für die Hinterbliebenen; 3. Unterstützung von Unternehmungen und Veranstaltungen zur Hebung der jüdischen Volksbildung und zur Verbreitung richtiger Kenntnisse von dem Wesen und der Geschichte des Judenthums; 4. Verbesserung des Kranken- und Armenpflegewesens, namentlich Beseitigung der Wanderbettelei; 5. Ausbildung und Aufmunterung der Jugend für Handwerk, Landwirthschaft und technische Gewerbe. Die Behandlung cultureller und ritueller Fragen, ebenso auch die Erörterung politischer Gegenstände sind von der Thätigkeit des Bundes ausgeschlossen. Vertreten waren bei den Ver- Handlungen sämmtliche religiöse Richtungen des Judenthums. — In der Nachmittagssitzung wurde beiläufig das Rescript des sächsischen Ministeriums vom 16. December, welches in durchaus wohlwollender Form die Gründe angibt, die einer Ertheilung der juristischen Persönlichkeit .an den Bund nicht opportun erscheinen lassen, zur Kenntniß der Versammlung gebracht. Der Sitz des Ausschusses wurde nach Berlin verlegt. Die sämmtlichen Punkte der Tagesordnung wurden einstimmig angenommen. ■MBSaBBMS

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