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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-01-23 · Heft 4 (23.1.1882) · p. Seite 6

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 4 (23.1.1882)
Date
1882-01-23
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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a ]% i .V« 1 :,u ■; j I /' *1 t i H I 11 i n!; H• ReurllLeLon. Die Tochter -es Chasau. Original-Erzählung aus vergangenen Tagen von Ad. v. Zemlmszky. (Alle Rechte Vorbehalte n.) 3. Fortsetzung. ״Ist Euch dies nun Beweis genug?" ״Genug Beweis — genug Beweis dafür, daß mein Kind in die Hände eines Schurken gefallen. — Beweis genug dafür, um zu wissen, daß dieser Friedensrichter ein Amt ausgeübt, von dessen Tragweite er nicht die niindeste Ahnung hat. — Ja — ja — Ihr habt gezahlt — es ist dies ja doch ganz einfach — Ihr habt gezahlt — damit er Euch eben verbinden solle. — Er hat's gethan — nahm sein Geld — was ist natürlicher — nicht wahr? — — Ihr habt ihr diese Comödie vorgespielt, um sie zu beruhigen — was lag daran, ob einmal — ob mehrmal getäuscht — betrogen — hintergangen. ״Ihr habt es jedoch nur zu wohl gewußt, daß dieses Gesetz, auf das Ihr Euch stützt — daß dieses Gesetz, welches für ganz Großbritannien besteht, nicht für Juden — nur für Christen in Kraft besteht — Giltigkeit hat. ״Und doppelt sind mir die Hände gebunden. Der Jude hat ja gar kein Recht, den Edelmann zur Verantwortung zu ziehen — sein Kind von ihm zurückznfordern — er ist ja doch nur Jude, nicht wahr, edler Herr, nur Jude, der eben nur gerade gut genug ist, daß n!an ihm sein Kind stiehlt. — Und dann, wenn dieser Jude wirklich die außerordentliche Frechheit hätte — diesen Edelmann vor den Gerichten zu belangen — dann — dann schickt man das Mädchen wegen leichtfertigen Lebenswandel eben in's Spinnhaus, um den Nest ihres unglücklichen Lebens dort zu verbringen, weil sie den Edelmann durch buhlerische Künste verführt. -- Der arme, verführte Edelmann wird selbstverständlich allgemein bedauert — und der elende Jude, der Vater, er wird unter Hohn und Spott aus der Stadt hinausgepeitscht, unter Zurücklassung all' seiner Habe. Das sind die Gesetze unserer Zeit — s ch m a chvolle, ungerechte Gesetze — einer schmachvollen, ungerechten Zeit. — Und darum muß ich schweigen — uieines Kindes wegen. ״Doch nein, Herr — vergeßt Alles — was ich gesprochen; seht, ich bin ein alter Mann, der Schmerz, der Jammer, der über mich so unversehens hereingebrochen, hat mir den Kopf verwirrt. — Seid gut, Herr — gebt mir lnein Kind zurück, damit es nicht versinke in Schlamm und Schmutz — Erbarmen, Herr — Erbarmen," und bei diesen Worten sank Reb Schlome in die Kniee und streckte die Hände flehend dem jungen Manne entgegen ״Sie ist mein Weib — sie bleibt mein Werb," rief der Edelmann.- Kein Wort kam mehr über die Lippen des so schwer gekränkten Vaters — nicht einen Blick warf er mehr auf sein ohnmächtiges Kind — schweigend wendete er sich ab und ging langsam — so unendlich langsam — den Weg zurück — der nach dem Walde führte, tiefgesenkten Hauptes — bis hinab zur Brust — vielleicht, daß Niemand die schweren, heißen Thränen sehen könne, dir seipen Augen entströmten, von namenlosem Seelenschmerz gefoltert. Und oben am Saume des Waldes, da erwachte er dann׳ doch wieder aus seiner Niedergeschlagenheit und wie segnend breitete er die Arme nach seinem Kinde aus. ״Du hast gefehlt, zitterte es über seine Lippen — schwer gefehlt — doch niemals möge in Erfüllung gehen — was mir in jener Schreckensstuude als Ahnung vor die Seele zog. ״Schweren Zeiten gehst Du entgegen —. eine ernste, schwere Stunde steht Dir bevor. Möge, der Allgewaltige Dich in seinen unendlichen, liebevollen Schutz nehmen, Deinen Geist erleuchten — Dich zurückführen aus den Weg des Rechtes — der Tugend — Dich davor behüten, daß Du Deinen Gott nicht abtrünnig wirst" 4. In der neuen Keiwal. Und Monate sind bereits vergangen, seit Rosa das Haus ihres Vaters verlassen hatte und statt der ärmlichen Wohnung des Chasans — beherbergt sie jetzt ein stolzes Schloß mit fürstlichem Luxus — in dem nordöstlichen Theile der Grafschaft Northumberland. Demüthig - bescheiden war Rosa mit schwerem Kummer im Herzen in der neuen Heimat eingezogen, an der Seite ihres Gatten. Und ihres Mannes Mutter war ihnen entgegengekommen und hatte sie willkommen geheißen — und dieses Willkommen zauberte einen Schimmer des Glückes auf Rosa's bleiches, schönes Gesicht. Die Mutter ihres Gatten war eine hagere, finstere Dame von mittleren Jahren, mit herben, harten Gesichtszügen. Nichts Weibliches —- Weiches' an' if)r. Sie trug keinerlei Schmuck außer einem schwarzen, großen Kreuze, das auf die Brust dieser von einem schwarzen Seidenkleide dichtumhüllten, großen, hageren Gestalt niederhing. Rosa hörte die liebreichen Worte dieser Frau — sah jedoch nicht den gehässigen, neidischen Zug im Gesichte derselben. Sie wußte es nicht, daß dieser Empfang erkünstelt — auf Befehl ihres Gatten geschah. Sie ahnte es nicht, daß ihr diese heuchlerische Frau die bitterste Vergeltung geschworen hatte dafür, daß sie, die ahnenstolze Frau, auf Befehl des Sohnes an die Jüdin so liebevolle, fast unterthänige Worte richten mußte — sie wußte es nicht, wie sehr diese Frau sie haßte dafür, daß Sie der Jüdin den Platz hier im Schlosse als Herrin abtreten mußte, den sie so lange Jahre inne gehabt. -- Die ersten Wochen nach ihrer Ankunft verlebten die beiden jungen Leute so glücklich, wie es eben unter den herrschenden Verhältnissen nur möglich war. Doch gar bald war das Märchen zu Ende — und die grelle Wirklichkeit folgte demselben. @ht Traumleben hatten sie durchlebt — ein Leben, wie es nicht schöner erdacht werden konnte. Arm in Arm hatten sie Wald und Flur durchstreift. — Die Blumen am Wege, die Sterne am Himmel — sie wurden ihnen Zeichen ihrer ewig dauernden Lieber Sonne und Mond, Erde und Himmel — betrachteten sie unterthan dieser ihrer Liebe. Doch eines Tages bemerkte der junge Edelmann zu seinem Erstaunen, daß er in diesem Traumleben seines Lieblingsver-

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