Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Journal
- Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
- Volume
- 2 (1882)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1882)
- Date
- 1882-01-23
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 — - \.% י Ü llrcheil aus, daß der Lehrer von dem erlaubten Züchtigungsrecht Gebrauch' gemacht und daß die Frage, ob diese häufige körperliche Züchtigung vom pädagogischen Standpunkt zu billigen sei, hier nicht in Erwägung zu kommen habe. Nom. Profeffor Brunialti vom statistischen Archiv in Rom berechnet die Anzahl der Juden in der ganzen Welt auf überhaupt 6,568.000 Seelen, von denen sich 5,500.000 in Europa, 24 0000 in Asien, 500.000 in Afrika, 308.000 in Amerika und 20.000 in Australien befinden. Petersburg. In Orel wurden jüngst ca. 900 israelitische Familien auf Verlangen des Stadtamtes ausgewicsen. Augenzeugen beschreiben diesen Auszug einiger Tausend Menschen, welche von der Polizei gezwungen wurden, ihre Heimat, sowie ihren Erwerb aufzugeben, als herzzerreißend. Unter Weinen und Klagen versammelten sich die Ausgewiesenen auf einem freien Platze, wo sie vom Ortsrabbiner gesegnet wurden. — Ein hervorragendes Mitglied der Moskauer Judengemeinde, Herr E. H., leitete eine Sammlung zur Hilfeleistung an die unglücklichen Glaubensbrüder ein. Belgrad. Große Befriedigung herrscht ilt der hiesigen Judengemeinde darüber, daß die Regierung im März in der großen Skuptschina eine Judenemancipationsvorlage in Uebereinstimmung mit der Stipulation des Berliner Vertrages einzubringen beabsichtigt. Die serbischen Juden werden durch die neue Gesetzgebung auf gleichen Fuß mit den Juden gestellt werden, die österreichische Unterthänen sind. Letztere können in Gemäßheit des neuen Vertrages Grundbesitz in irgend einem Theile von Serbien erwerben. Stuttgart. Seine Majestät der König haben abermals allergnädigst geruht, den Verein zur Unterstützung der Witwen und Warfen armer israelitischer Cautoren und Lehrer mit dem reichen Geschenk von 50 M., ebenso Ihre Majestät die Königin, denselben wie alljährlich mit der schönen Gabe von 45 M. zu erfreuen. Der im laufenden Monate veröffentlichte Bericht pro Nov. 1880— 81 dieses Vereins zur Unterstützung der Hinterbliebenen und Angehörigen des Lehrer- und Vorsängcrstandes gibt das Bild einer ersprießlichen Fortentwickelung. Die Einnahmen dieses Jahres betragen 9863 M. 52 Pf. und die Ausgaben 9722 M. 28 Pf. Das Gesammtvermögen per 1. Aug. 1881 betrug 21.030 M. 9 Ps. und hat gegen das Vorjahr um 1594 M. 6l Pf. zugenommen. Der Verein zählt 52 Lehrer des Landes als ordentliche und noch 3 außerordentliche Mitglieder, welche jährlich L 2 M. beitragen. Die Haupteinnahme ersticßt aus Spenden der Gemeinden beim Aufrufen ״zur Thora und regelmäßigen Beiträgen vieler israelitischen Gemeindepflegen. Dieser Posten machte Heuer 1498 M. 53 Pf. aus. Die Capitalzinscn erhoben sich aus 893 M. 25 Pf. Auch der Gemeindebund übersandte 20 M. als Beitrag für die Vereinszwecke. Für Unterstützungen an 9 Lehrerwitwen und Waisen und an den (christlichen) allgemeinen Lehrerverein sind 970 M. aufgewendet worden. Von Len israelitischen Gemeinden des Landes sind es erst 27, welche dem Verein in erwähnter Weise ihre Gunst zuwenden und darunter ragen mehrere sehr rühmlich hervor. Offener Sprechfcrat für Alle. Arad, 17. Jänner 1882. Gruß an die ״Oesterr.-ungar. Cantorenzeitung". Willkommen ״Oesterr.-ungar. Cantorenzeitung" — du trauter Haus- und Familienfreund, den wir so lange entbehrten; den wir seit langer Zeit herbeiwünschten! Wie das eintretende Fest, bist du würdig, mit Dank- und Jubelhymnen begrüßt zu werden נקדמה פניו בתודה; denn du sollst von nun an unser trauter Gast, unser sicherer Bote, unser treuer Dolmetsch, unser. brüderlicher Vereinigungspunkt, eine Stütze der Kunst und deren Träger und Pfleger, ein Annehmer der Witwen und Waisen — mit einem Worte, der kräftige Beförderer unserer Wohlfahrt sein. Darum rufe ich dir beim Beginne deiner Laufbahn ein herzliches צלח ודפב! ein inniges Glückauf zu. ראשיתך מצעד Dein Lebenseintritt mag Manchem vielleicht unbedeutend scheinen; aber dein Ziel ist ein erhabenes und würdig der glänzendsten Resultate. David Kohn, Obercantor in Arad. C o l l e g e H e r r I a c o b L ö w e n s o h n i n B r ü x - schreibt uns: ״Ihr Unternehmen kann durchaus nicht fehlschlagen, weil, es eine Lebensfrage sämmtlicher Cantoren ist, ein Organ in der ״Oesterr.-ungar. Cantorenzeitung" zu besitzen, das ihren Stand nach jeder möglichen Richtung heben u. s. w." - College Herr S. Rosenberger in Komotau. ״Wo Alles jubelt kann ich allein es nicht über mich gewinnen, meiner Freude Ausdruck zu verleihen. Es ist die höchste Zeit, daß wir Cantoren uns endlich aufraffen und einen Verein gründen, der uns und unsere Familien vor Noth und Elend schütze ..." _ College Herr I. Stransky, Prag. ״Mit wahrer Freude habe ich aus dem mir zugesandten Blatte ersehen, daß endlich einem längst ersehnten Wunsche der Cantorenwelt, ein Fachblatt zu besitzen, welches dem Wohl und Weh' derselben Ausdruck zu geben vermag, entsprochen worden ist. Ich beglückwünsche Sie und uns Alle zu diesem freudigen Ereignisse. Hoffen wir, daß auch alle Collegen ohne Ausnahme dieses lobenswerthe Unternehmen in jeder Weise fördern werden; denn nur mit vereinten Kräften läßt sich das schöne Ziel, die Be-. gründung und Erhaltung eines großen, lebenskräftigen Vereines erreichen."_־ College Herr A. Rotter, Turnau. ״Indem ich Ihnen zur Gründung dieses Unternehmens Glück wünsche, drücke ich zugleich meine innigste Ueberzeugung aus, daß der Gedanke zur Gründung eines Cantorenvereines ein gesunder und leüensfähiger, wie nicht minder ein längst nothwendiger ist. Darum Glück auf! . . . Haben wir es endlich erreicht, daß sich Kämpfer gefunden, die für uns die Waffen führen wollen, so ist es unsere heilige Pflicht, sie darin auf's Kräftigste zu unterstützen. Und das wollen, das müssen wir, Personen "müssen uns gleichgiltig sein, nur an die Sache, an unsere Sache müssen wir uns halten." College Herr H. Grünwald, Schaffa. ״Ich kann Ihnen zum Gelingen Ihres Strebens nur von der Tiefe meines Herzens Glück wünschen. Da ich an der Berathung der Cantorenversammlung nicht theilnehmen kann, erlaube ich mir, auf einen Umstand aufmerksam zu machen, der zum Theile zur Beantwortung der in Ihrem Blatte aufgestellten Frage: ״Wie sollen alle diese Mängel, die unserem Stande anhaften, beseitigt werden?" — dienen könnte. Halten wir Rundschau, wie es mit der Stellung so mancher jüdischer Cantoren aussieht. — Da muß in mancher Gemeinde der Cantor — das Seelenheil der Verstorbenen herbeiführen helfen, indem er entweder als Mischnalerner die Todtenwache hält oder einiger Kreuzer wegen in Gesellschaft der anderen Ortsarmen auf den Friedhof wandert, um dort in deren Gemeinschaft am Jahrestage eines Verstorbenen die üblichen Seelenheilgebete zu verrichten. Ich könnte noch manch' verschiedene Fälle aufzählen, die das Ansehen des Cantors herabzuwürdigen geeignet sind, aber für heute sei blos dieser eine von so vielen Uebelständen erwähnt. Nach meiner unmaßgebenden Stimme glaube ich, der Cantor dürfe sich zu keiner ihn herabwürdigen Handlungsweise, wie die beispielsweise angeführte verwenden lassen, damit wir nicht zu dem Ausrufe genöthigt wären: •"מחרביך: ומהרסיך ממך יצאו"•