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Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung · 1882-01-15 · Heft 3 (15.1.1882) · p. Seite 7

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Journal
Österreichisch-ungarische Cantoren-Zeitung
Volume
2 (1882)
Issue
Heft 3 (15.1.1882)
Date
1882-01-15
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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/ Are Tochter des Khasan. Orig inal-Erzälung aus vergangenen Tagen von Ad. v. Zemkinszky. (Alle Rechte Vorbehalten.) 2. Fortsetzung. In Folge derschrecklichen Aufregung jener Unglücksnacht hatte sie eine fast tödtliche Krankheit auf's Lager gewarfen und irren Blickes hatte sie Alle betrachtet, die sich ihr nahten. Und wochenlange war sie so im Delirium gelegen, hatte geschrieen und geweint, um Erbarmen, um Gnade und Verzeihung gefleht, und dann war sie wieder regungslos, gleich einer Leiche, im Bette gelegen, starren Blickes, mit zuckenden Lippen, besinnungslos. Und das dauerte so Tage, Wochen hindurch fort, und Uls sie endlich genesen, da war aus dem jungen, ehemals so heileren Mädchen eine blasse ernste Frau geworden.- Sie waren Beide nach Gretna Green hiehergekommen,! um sich heimlich trauen zu lassen und Rosa's erster Ausgang war heute, um ihren Vorsatz zu verwirklichen. Doch mühsam und beschwerlich ist der Weg nach abwärts, besonders für die junge kranke Dame gewesen, und!deshalb hatte der Grobjchmied plötzlich geschwiegen, denn er!sah nur zu sehr, wie die gehabte Anstrengung, die junge!Dame erschöpft hatte. j Seid Ihr jetzt bereit? fragte der Grobschmied endlich »nach einer Pause, während welcher Rosa auf dem weichen, »schwellendem Moose am Fuße des Baumes geruht hatte. 1 Der junge Mann hatte sich zu ihr niedergebeugt. Du «itterst, sagte er, deine Lippen beben, und doch mußtest du »a auf diese Stunde gefaßt sein, oder fühlst du dich etwa «mrvohl, bist du noch nicht ganz gesundet. Dein Herz hat »mir gelobt, mein Weib zu werden, nun denn, wie du woll- Mest, ist es gekommen, — du wirst es. Bist du bereit. 8 Wie ich wollte, flüsterte Rosa wehmüthig, jawohl, wie «ch wollte, so ist es auch gekommen, — gut, ich bin bereit \ B Hier unter Gottes freiem Himmel begann der Grob- Bschmied nun mit ernster tiefer Stimme, will ich euere Ver- Windung segnen.*) Bereiter euch, die Treue zu geloben, die Mllcs überdauert, selbst Tod und Feindschaft. I Seid Ihr gewillt/ dieses Mädchen zu euerer Hausfrau 8u erwählen? B Jawohl, ich bin's. B Und Ihr, seid Ihr gewillt, Euch diesem Manne an- Ruvertrauen? B *) Bis gegen die Mitte des 18. Jahrhunderts galt in Großbritan- Kien das alte kanonische Ehcrecht, nach welchem eine gegebene Ehe-Er- Märnng zweier Personen vor ' einem Geistlichen, Friedensrichter, Notar Bder sonst irgend einer unbescholtenen Person, als eine gesetzliche Ehe Bugesehen wurde. B Um die Mitte des 18. Jahrhundert wurde dieses Gesetz ansge- Woben, für Schottland blieb cs in Kraft. B Zu jener Zeit, in welcher unsere - Erzälung handelt, deren Perso- Men wirklich lebten, war der Friedensrichter des Ortes Jean Dirk der «Wwbschmied und dieses Amt des Friedensrichter — sowie das Gewerbe K ererbte sich in dieser Familie immer von Vater auf Sohn. Ja, flüsterte Rosa zögernd. So leget euere Hände ineinander und so verbinde ich euch im Namen Gottes. Weder der Ort, noch die Stunde» noch das geheime Bündniß sei euerem Glücke verderblich. Niemand von den Dreien sprach weiter noch ein Wort und schweigend wendeten sie sich zur Heimkehr. Jean Dirk der Grobschmied von Gretna Green nach abwärts und die beiden Andern den Weg nach aufwärts — dem Gebirge zu. Doch nur wenige Schritte hatten sie erst gethan, da stand mitten am Wege die bleiche, kraftlose Gestalt des Chasan Schlome Meir. Zum Tode erschrocken stieß Rosa einett Schrei aus und stürzte nach rückwärts in die Arme ihres Mannes. Weshalb tretet Ihr mir hier und überall in den Weg rief der junge Mann zornig. Reb Schlome gab keine Antwort, — sondern trat nur noch naher an die Seite seiner ohnmächtig gewordenen Tochter, und legte׳ ihr seine Hände auf die alabasterweiße Stirne. O, mein armes — armes Kind sagte er wehmutsvoll, mußte es s o mit dir kommen? Ihr fragt mich junger Mann warum ich euch in den Weg trete! Ihr irrt!' — Nicht ich bin es gewesen, sondern Ihr! Seht mich an, — seht meine hohlen bleichen Wangen. — Ihr habt ihnen die Farbe gestohlen. — Jene Unglücksnacht — sie warf mich anfls Krankenlager, — und als ich gesundete, — da hatte ich noch ärgern Gram zu tragen, als den während meiner Krankheit. — Die Leute bemitleideten mich ob meiner entarteten, verlorenen Tochter, und jedes dieser Worte drang, — gleich der Spitze eines Messers, — gar scharf mir in's Herz.-Ich stellte die Kinder unter die Obhut eines armen doch braven Weibes und folgte eurer Spur. — Was ich hiebei gelitten, — was kümmerts euch; — doch eins stand bei mir fest, — finden mußte ich euch — finden — und wenn ich die ganze Welr Hütte durchwandern müssen. — Und ich fand euch; — sie dieses un» glückliche, — besinnungslose Weib, — sie wird mir nun folgen, — ihr werde ich ein Asyl anweisen, ferne von mir — von ihrem Vater, dem sie das Herz gebrochen, — doch auch ferner unauffindbar von ihrem Verführer, — dem sie das Leben des Elends, — ein verlorenes Leben, zu danken hat. Eine gar sonderbare Sprache ist es, die sich der I u d e. dem Edelmanne gegenüber herausnimmt, brauste der junge Mann abermals auf, — und wenn ich die Gerichte hievon verständige, dann ists mit Euch und eurem Gelichte aus. DerJudedem Edel man ne gegenüber, wiederholte der arme Mann bitter. — Der Jude kann stolz sein Haupt erheben, kann frei und offen Jedem Lus Gesicht schauen, — der..Edelmann kann dies nicht, — denn er hat das Kind des Juden zur Metze gemacht. Ihr irrt, Rosa ist mein Weib, und so lange noch ein Tropfen Blut in meinen Adern rollt, — ich werde sie vertheidigen. Euer Werb sagt Ihr, euer Weib, nein, nicht euer Weib ist's, sondern nur der Spielball eurer Launen. Ihr irrt! Rosa ist mir rechtlich angetraut, durch den Friedensrichter dieses Ortes, nach alter Sitt und Recht. Die Ehe ist giltig laut Gesetz, welches für ganz Groß-- Britannien Giltigkeit besitzt. (Fortsetzung falzt.)

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