Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 52 (27.12.1901)
- Article
- Eröffungsrede Dr. Herzls
- Date
- 1901-12-27
- Page
- 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 52 „Die # Welt" Seite 3 Mögen es denn die Juden der ganzen Welt erfahren, mögen sie auch ■ verstehen, welche Aussichten für sie in dieser Thatsach!cf'rfetithalten sind, und mögen sie endlich bereit s^rn' zirr Acti!6'ri,!'dutch' die sie sich: selbst } helfestiim;^l>(^ii neüeni Aufblühen des türkischen Eeiehes beitragenkönnen. Geehrte Congressmitglieder! Wir, Ihre Beauftragten, sind mit unserer ersten Arbeit fertig. Wir sind gleichsam die Mechaniker gewesen, die eine elektrische Anlage herzustellen hatten. Wir haben die Maschinen gebaut, welche Kraft in Strom verwandeln können; wir haben auch die Leitungsdrähte gelegt, öfters an Stellen, die vorher unzugänglich erschienen. Damit ist aber unser bescheidenes Werk auch gethan. Ueberblicken Sie es heute! Die Hauptsache in unserer Anlage war dieser Congress, ein Vertretungskörper für die in aller Welt Zerstreuten, eine jüdische Tribüne, deren Ansehen von Jahr zu Jahr gestiegen ist, dank dem Ernst und den red Liehen Absichten der Männer, die hier zu Worte kamen. Von hier gehen heute schon Losungsworte aus für die ganze Diaspora. In allen Ländern Europas, in Nord- und Süd- Amerika, in Nord- und Süd-Afrika, bis nach Sibirien, Indien und Australien gibt es heute zionistische Vereine mit dem Baseler Programm. Heuer zum erstenmale findet überall beinahe gleichzeitig eine Kundgebung statt: Der Weltzionistentag. Viele hunderttausende von Juden nehmen daran theil. Durch unsere Vereine ist ein unerwartetes Leben ins Judenthum gekommen. Es gibt zahllose einzelne Anstrengungen, die zusammen etwas Mächtiges darstellen. Die geistigen und moralischen Wohlthaten des Zionismus sind schon heute sehr bedeutend, das können auch unsere Gegner nicht bestreiten. Schon ist eine Plejade von Dichtern, Künstlern und Gelehrten durch unsere Idee aufgerufen und begeistert worden. Wunderbar genug: es sind, wie wir gesehen haben, nicht nur Juden. Das ist der Beweis, dass wir allgemein Menschliches verkünden und erstreben. Und schon fallen Lichtstrahlen in manchen dunklen Winkel unserer Armen. Toynbee-IIallen, Volksbildungsheime entstehen an vielen Orten. In Schule und Haus erhebt sich wieder ein Ideal vor der Jugend. An den Universitäten ist in die Studenten ein neuer Geist gefahren. Arbeiter und liandelsangestellte kommen zu höheren Discussionen zusammen. Daneben wird die körperliche Ausbildung in Turnvereinen, die Geselligkeit in Gesangvereinen gepflegt. Genossenschaften zur gegenseitigen Unterstützung entstehen. Dies alles im Zeichen des Zionismus. Aber wir können die Anstalten nur einrichten — das Volk selbst muss sie weiter erhalten und ernähren. Und dies gilt vor allem auch von dem finanziellen Instrumente unserer Bewegung. Die Jüdische Colonialbank in London ist heute actionsfähig. Die Gegner haben ihr im vorhinein vielUebles nachgesagt. Aber es gab da weder Gründergewinne noch auch Tantiemen oder irgendwelche Vortheile für den Aufsichtsrath, und die Verwalter haben kein anderes Bestreben, als die Sicherung der gesellschaftlichen Habe gegen alle Gefahren. Wir müssen auch fernerhin dafür sorgen, dass dieses Gut mit der grössten Gewissenhaftigkeit gehütet werde, sparsam und lieber zu ängstlich als zu muthig. Der Congress übt die Aufsicht durch seine freigewählten Organe aus, und darin liegt der Wert der Einrichtung. Es muss über die Verwaltung öffentlich Rechenschaft gelegt werden. Die Mittel, welche für den Volkszweck da sind, können nicht durch die Launen oder Fehlmeinungen einzelner Personen für etwas anderes verwendet werden. Dieses Finanzinstitut muss nach den vom Congresse vorherbestimmten Grundsätzen und mit der Sorgfalt eines guten ängstlichen Familienvaters geleitet werden. Und jetzt, da es existiert, können wir auch an die Ausführungen des Planes schreiten, den unser verewigter Freund, der Heidelberger Universitätsprofessor Sehajüra, dein ersten Congresse vorgelegt hat: die Schaffung des NatioiraliVmdx.\s. Die Colonialbank in London wird die Depotstelle sein. Sie werden im Verlaufe unserer Verhandlungen, den neuem Kn^wurf keimen Jörnen, und darüber bcscliliessen. Das* Tolk soll nicht nur der'Stifter, sondern auch der dauernde Herr dieses Zweckvermögens sein. Dadurch sind willkürliche, von den Absichten des Stifters a b\veiehende 'Verwendungcii ausgeseh I ossei \. So können Aviv in. einem gewissen Sinne sagen, dass wir mit unserer ersten Aufgabe fertig sind. Die Institutionen sind vielfach nur angedeutet und verbesscrungsfähig, aber sie sind vorhanden. Das jüdische Volk kann sie ausbauen, verstärken und benutzen, Avcnn es will. In allem haben wir uns bemüht, Unpersönliches einzurichten. Nur das hat Dauer. Kein einziger von uns ist heute mehr unentbehrlich. Wer .immer von uns verschwinde oder aus den Reihen falle, die Sache geht weitei:. Wie schnell oder wie langsam die von uns vorbereiteten Wirkungen eintreten werden, das können Avir nicht bestimmen. Von uns hier hangt es nicht ab. Wir konnten nur die Anlage herstellen, die Kraft können wir nicht liefern. Die Kraft muss vom jüdischen Volke geliefert Aver den — Avenn es Avill. * Schlnss der Delegiertenliste. Dem Congressbureau sind folgende Delegiertenwahlen als die letzten gemeldet worden : Lurie (Genf) - Synowodzko, E. M. Lilien (Kaiisch), M. Krakowski, H. Solnik-Kalisch, Dr. Ch. Weizmann- Jaunowo, J. Nissenbaum-Wirrballen, Sch. Rosenfeld-Wischnowitz, Dr. Klee-PoduTurcului, Frl. Tauber (ßerlin)-Bucecea- Ivesti- Tg. Ocna, Dr. Regensburger-R. Sarat. Beer (Berlin)- Tecucui, Dr. Ph. Menczel-Kossow, Dr. L. Kahn-Czortkow, B. Günzburg-Riga, R. Asarch-Riga, M. Silberberg-Werschetz, E. Churgin-Minsk, Dr. S. Rosenheck, L. Taubes, Dr. Regensburger-Kolomea, Dr. Fel;ce Ravenna-Ferrara, Dr. Th. Herzl- Lodz, H. J. Fischl-Pins-Zetil, N. Brandhändler-Praga, Silberberg (Köln) I, L. Davidsohn-Warschau, Abrarasohn (Bern)- Swisloz, Bettino Levi-Neapel, Herbert Bentwich, J.H. Loewe- London (Order ancient Maccabeans), J. Rawicz - Brzezany, Salomon (Mannheiin)-Mikulince, S. Notkin-Roslawey, Dr. F. Awinovvitzky, A. Barbasch, S. Bojukansky, M. Disenhof, D. Glückmann, Dr. J. Saphir, Dr. M. Scheinkin, N. Sloutsch- Odessa, S. Asehkenasy - Dubno, Jac. Morene - Zabludow, Seligsohn (Berlin)-Nadworno, Dr. Kokesch, O. Marmorek, Dr. Schnirer, Dr. L. Mandelberg, Em. Zuckermann, Ch. M. Losinsky, E. M. Lilien-KieAv, J. Kremenezky - Kanew, M. Kleinmann-Rohaczew, WT. Temkin, M. Schenkin-Berdyczew, Jos. Rosenfeld-Talnoje, Sch. Rosenfeld-Wischniwetz. S. Aschkenasi-Kremenetz, Gr. Lurie-Stawitsche, H. Grünau- Usehomir, Dr. Klee-Toranbatscha, Dr. A. Kornhäuser- Brzesko, Posniak, Dr. Schnirer-Moskau, Dr. Regensburger- Sadovva - Wisznia, J. Kreppel, Dr. A. Kornhäuser-Krakau, Dr. D. Malz-Jezierna, Abersoth (Genf)-Torsku, Goldstein (Köln)-Ottynia, Eisenstadt-llletz, Schapiro-Tomsk, Dr. Bernstein-fcohän-Irkutsk, Dr. Goldberg (Frankfurt)-Zloczow, L. Taubes-Wygoda, J. Hellmann (Frankfurt), Dr. Friedmann (StrabSburg)-Suchowalia, J. Morene - Zabloto\\r, Fr. Beer- Wien I,'Ing. Treidel-Wien IIa, S. Neufeld-Wien IIb, Frau Wolftsohn-Wien X, H. Grünau Wien VI, J. Uprimny- Wien IX, J. Reines-Ostrin, L. Kohn (Frankfurt)-H uro dok, Ch. Gurwitz, J. Saalkind-Rosiny, Dr. M. Bernstein-Greensberg, A. Vecht-Durham, J. Zangwill-Sheffield, J. de Haas- Nottingham, M. Sheier-Hull, Dr. M. Gaster, H. Ginsburg- M. DaAvis-London, Ravinsonn-Liverpool, J. L. Greenberg- Limerik, B. Schatz - Cardiff, Frau Brauch, Frau S. Sarua- Edinburgh, Dr. Carl Lippe (Jassy) - Przemysl, Isaac Agent,Husi, Frankfurter (Bern) - Murawiew, Dr. Gaster, Sir Francis Montefiore, J. de Haas, J. Co wen, David Levy (Montreal)-Canada, Dr. H. Moscowitz-Sulina, Horia Carp- Bukarest, Marcus Weissmann (Galatz)-Tulcea, Dr. Theodor Herzl, Dr. Kahn, Oscar Marmorek, Bernard Lazare, Isaac Agent Dr. Moscowitz-Braila, Dr. Moscowitz-Tg.-Neamt, Dr. J. Nacht, Horia Carp-Focsani, Dr. A. Marmorek, Dr. J. Nacht-Vaslui, Dr. Moscowotz-Podul Iloei, Doctor Moscowitz-Nomolosa, L. Rabinovici-Berlad, Rudolf Kohler- Kolin. Kantorowicz, Filipowitz (Lausanne) - SchadoAva, R. Auerbach, Horia Carp-Moinesti, M. Schwarzfeld (Bukarest) Zlatina.