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Die Welt · 1901-11-29 · 48 (29.11.1901) · p. 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
48 (29.11.1901)
Article
Europäer
Date
1901-11-29
Page
12 (sequence 3)
Language
German
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Seite 12 „Die # Weilar. 48 lyrisch zu meistern. Eine nervöse, äusserst agile Sprache* ßilderreichthum und von Zeit zu Zeit die blendende Rakete eines geistreichen Feuilletonapergus sind seine wesentlichsten Mittel. Dieser Charakteristik möchte ich noch eines beU fügen, das mir als das Bedeutsamste an ihm erscheint Er führt uns in seinen Büchern immei weit, weit fort vom wirklichen Leben. Seine Menschen stehen diesem Leben ferne» Sie haben entweder nie damit zu thun gehabt oder sie haben es längst hinter sich. „Sie stehen am Ende aller t)inge", wie es irgendwo bei ihm heissh Es sind müde, raffinierte Menschen. Sie haben die Fähigkeit* ge.-und und naiv zu gemessen, eingebüsst. Anämische Und neurasthenische Geschöpfe, deren Nerven nur noch in der schwülen Atmosphäre phantastischer Varietes ins Schwingen gerathen. Sie leben beinahe nicht, sie spuken. Frpm i sind ihnen die grossen Parolen und die grossen Kämpfe der Zeit. Alle Wirklichkeit ist ihnen verhasst. Ich meine nicht j»-ne schmutzige, abgegriffene Wirklichkeit, die der stumpfe Banause in jedem Buche und in jedem Kunstwerk vorgeführt haben möchte, weil er alles Höhere nicht begreifen kann und verlegenerweise seinen Unverstand mit bideiben Rufen nach Wahrheit markiert. Aber darauf hat man ein gutes Recht, in der Kunst nach grossem Leb m, jenem grossen Leben, das nie banal sein kann, zu fragen. Und darauf gibt Wassermann keine Antwort. Auch seine Menschen haben Schmerzen. Aber es sind individuelle Sehnierzen, die subtilen Schmerzen der Einzelnen, der Abgeklärten. Da »st nie etwas von einer starken Noth, die durch viele tausend Herzen zuckt, zu verspüren. Gibt es keine solche für Jakob Wassermann? Warum ist seine feine Kunst so erschreckend steril, warum hat er nichts von dem grossen, furchtbaren Mitleid Multatulis und Tolstois? Wie ein prächtiger und kostbarer Pokal ist seine Kunst. Der dürstend nach ihm greife, wird ihn enttäuscht zurückstellen, denn er ist leer. Den Satten aber mag seine Schönheit erfreuen. Q u a e r e n s. (Fortsetzung folgt.) Von unserer westlichen VoSksbildunysbewegung. Wochen-Programm der Toynbee-Halle, XX., Karajangasse 20. Sonntag den 1. December: Dr. Heinz Kohn: Ueber Schuld und Strafe. M o n t a g den 2. ü e c e m b e r : Dr. Hermann Engländer: Aus dem Gebiete der Naturwissenschaften. Dienst a g d e n 3. December: Adolf Steinschneider: Die jüdischen Wohlthätigkeits-An-talten in Wien. IV. Das israelitische Mädchenwaisenhaus. M i 11, w o ch de n 4. D e c e m her: N. Scherbak: Römische Charakterbilder mit Rücksicht auf die jüdische Geschichte. Donnerstag den 5. D e c e m b e r : Dr. S. Kornfeld: Aus der- Seelenlehre. Freitag den 6. December: * Dr. GrüJI: Bibel. Erklärung der Sidra. Samstag den 7. December: Concert: Musik und Gesang. Anmeldungen zu Vorträgen sind zu richten anDoctor Leopold Kahn, VIL, Lindengasse 11. * Zwei junge Künstlerinnen, die schon im vergangenen Winter ihre Zuhörer in der Toynbeo-Halle durch ihr schönes Spiel entzückten, die Pianistin Frl. Rosa Popper und die Violinvirtuosin Frl. Melanie Fürst, haben den letzten Concert-Abend in der Toynhee-Halle am 23. d. M. zu einem höchst genussreichen gestaltet. Frl. Popper spielte Grieg, Chopin und Grünfeld mit gewohnter Meisterschaft und künstlerischem Feuer, und Frl. Fürst schmeichelte sich mit ihrer Geige in die Herzen der Hörer hinein. Ihr Repertoire bestand aus Stücken von Massetiet, Pierne und Hubay, zum Schlüsse trug sie „Zigeunertänze von Nacheä44 mit feurigem Schwünge Vor. Eingeleitet wurde der Abend durch ein Streichquartett Von Mendelssohn, bei welchem die Herren: Müller BernianU, Goldner und Steinschneider ihr bestes Können einsetzten. R F. fdus dei) \)ei*eiiKi% Voranzeigen. Wien. Die grosse Makkabäer - Feier sämmtlicher zionistischen Corporationen Wiens findet am Donnerstag den 12. December 1901 in den Sophiensälen statt. Wien. (Literarischer Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „M o r i a\) Der literarische Geselligkeitsverein jüdischer Mädchen „Moria" hält am 1. December a. c. sein zehnjähriges Gründung-fest im Saale des Hotel Central. IL, Taborstrasse, ab. Aus denn streng jüdischen Programme sei ein Festspiel von Bert hold Feiwel hervorgehoben. Karten im Vorverkaufe sind zu hab°n bei Fräulein Natalie Pol lak, IX., Währingerstrasse 3, sonst an der Abendcassa. ' ' Wien. Ueber Initiative der Ve hindung ,.Ivriatt findet Mittwoch den 11. Decemberin der „Ressource*. L, Reichsrathsstrasse, anlässlich des Weit-Zionistentages eine Demonstration* - Ver-ammlung jüdisch-nationaler Studenten statt, in welcher J. U. C. Rudolf Nassau das Referat erstatten wird. Beginn präcise halb 9 Uhr abends. Jüdische C o m m i l i t on en willkommen. Wien. (Im „Vereinejüd. Mädchen „Hadass a") findet Sonntag den 1. December im Schulsaale der Israelitischen Cultusgemein.de, I., Seitenstettengasse 2, II. Stock, ein Vortrag des Herrn Dr. Isidor Marmorek statt. Thema: „Treppenwitz der Weltgeschichte." Beginn präcise 4 Uhr nachmittags. Gäste herzlichst willkommen. Wien. (Jüdische Vereinigung „Jordania".) Samstag den 30. November 1901, 8 Uhr abends, Monatsversamnilung im neuen Vereinslocal, IT, Rembrandtstrasse 3 Tegesordnung: „Der Weltzionistentag." Zuschriften sind zu adressieren in das neue Vereinslocal, II., Rembrandstrasse 3. Wien. (Einzelverein „Maria hilf-Neubau" des Verbandes , Z i o n \) Zuschriften in Angelegenheiten des Einzelvereines „Mariahilf- N e u bau" sind künftighin nichtmehr an Herrn j u r. Max Bernhardt, sondern an Herrn Doctor J. Korn blüh, VIIL, Wicken burggasse 19, zu riehen. - Unser Verein veranstaltet den Welt-Z'onistentag Samstag den 21. December* in Löbls Terrassensaal unter Mitwirkung mehrerer Kunstkräfte. — Der Verein veranstaltet seine Generalversammlung Samstag den 30. d. M. in Löbls Restauration, VI., Schmalzhofgasse 10. und ladet hierzu alle Freunde des Vereines herzlichst ein. Auf der Tagesordnung befinden sich ausser dem Rechenschaftsbericht und den Neuwahlen ein Vortrag des Ehrenpräsidenten Dr. Leopold Kahn über das Thema: „D'ie 1 e t z t j ä h r i g en E tappen i m Ringen d e r J u d e n t h u m s um seine S e 1 b s te r h a 1 t u n gu, ferner das R ferat : Stellungnahme zur .,T h ä t i g k e i t* der Bezirks-Cu Uuscommission. Zu dieser Versammlung ist das Präsidium obgeilachter Commission eingeladen. Wien. (Allgemeiner Jüdischer Arbeiter- Verein.) Samstag den 30. d. M. findet im Vereinsiocale, XX., Traunfelsgasse 1, ein Vorlesu<'g-abend von Herrn Heimann Blume nthal statt. Die Mitglieder werden ersucht, zu diesem Vortrage pünktlich und vollzählig zu erscheinen. Gäste herzlich willkommen! —k— W en. (Der Allgemeine Jüdische Arbeiter- Verein) veranstaltet Samstag den 7. December 1. J. im ,Hotel Central", IL, Taborstrasse, eine grosse Makkabäer- Feier mit nachstehendem Programm : 1. Anzünden der Chanukahlichter: Herr Obercantor L. Schleifer; 2. Festrede : Herr Architekt Oscar Marmorek: 3. Violinsolo: Violinvirtuose Herr Leo Fiedler; 4. Gesangsvortrag: Herr Dr E. Lamberti; 5. Gesangsvortrag: Frau Rosa E 1 i s c h e r; 6. Humoristisches Quartett der akademischen Verbindung „Ivria*. Angesichts des überaus reichhaltigen Programms ist zu erwarten, dass unsere Gesinnungs-

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