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Die Welt · 1901-11-22 · 47 (22.11.1901) · p. 11

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
47 (22.11.1901)
Article
Über H. St. Chamberlain
Date
1901-11-22
Page
11 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 47 „Die $ Welt" Seite 11 culturellen nur zum kleinen Theile aus dem Fonds der Rasse oder des Volkes dringt, sondern zumeist aus einem allen Völkern auf ihre Sonderwege mitgegebenen Stück ursprünglichen allgemeinen Menschheitsc^pitals. Dann aber hat den Gegensatz übertrieben, weil er nicht klar erkannte, dass die Cultur nur eine jüngere Schwester der Civilisation ist und beider Vater der menschliche Geist, sei er welcher Rasse immer, ist. Natürlich musste er dann auch fast achtlos an dem Säfteaustausch vorübergehen, der zwischen beiden aus einer Wurzel hervorgehenden Geistesstämmen auch weiter stattfindet. Er musste übersehen, dass die Civilisation recht hohe Culturkosten und die Cultur einige Civilisationskosten bezahlt. So wie er den Gegensatz zwischen Cultur und Civilisation verschob, so auch das Verhältnis von Rasse und geographiscKhistorischen Umständen. Wenn er den directen Einfluss der letzteren auf die Rassenbildung leugnet, so wäre das an sich sein gutes imd wissenschaftliches Recht. Aber es ist es deshalb nicht, weil es vereinzelte Stellen in seinem Buche gibt, die die entgegengesetzte Anschauung aussprechen. Und warum dies alles, warum dieses imbewusste Sich-Gewaltanthun, dieses nur halb in die Dinge eindringen? Weil er keine sichere Intuition und keine kühle Prüf kraft hat. Jene verwirrt, diese verflüchtigt sich, sobald ihm seine vorgefassten Ideen auftauchen. Er ist kein Dilettant im ganzen Sinne des Wortes. Denn Dilettanten sind harmlos, kennen ihre Grenzen und lieben die Wissenschaft. Chamberlain aber hasst die Wissenschaft, trotz seiner gegentheiligen Betheuerungen, er hasst sie still und innig, weil er instincfTv fühlt, dass sie seinen Wünschen nicht gefügig ist, und er vergewaltigt sie in seinem Hasse. Nein, er ist kein Dilettant, sondern einer jener unglückseligen Künstlerbastarde, die sich auf das Wissenschaftsgebiet flüchten, weil sie auf dem rein künstlerischen, dem sie ihrem geistigen Typus nach, angehören, zum Schaffen zu schwach sind. Das fremde Land machen sie dann zum Tummelplatz ihrer laienhaften Ideen und ihrer künstlerischen Phan ta sien. Pantarhei. (Schluss folgt.) Bücher- und Zeitschriften-Rund sc hau, ^ftcbcf-ßinlaaf. ♦onn KpKip ♦miipiö nrsüi nitnö :pn^rab^ mw m ♦"oriön niwtiro i^iön ♦trnn wybi mifiob jhö^ w tu? sro& ♦rjb#n ♦win ■npn •aiDsn-a tob :-piyn /tioKTiK. rron h jrni niTÖTS »Mit Gesängen wollen wir Ihm jubeln» (Ps. 95, 2). Die häuslichen Sabbathgesänge für Freitag- Abend, Sabbath-Tag und Sabbath-Ausgang, erklärt und metrisch übersetzt von Dr. L. Hirschfeld, grossherzoglichem Provinzialrabbiner zu Glessen. Mainz, Joh. Wirth'sche Hofbuchdruckerei A.-G. *- „Kinderpredhjten". Von Dr. S. Hochfeld, Rabbiner in Frankfurt a. O. 1901. Berlin. Verlag von M. Poppelauer, Ein prächtiges Büchlein! Voll warmen Empfindens und von hervorragendem homiletischen Geschick. Dazu eine Neuigkeit auf dem jüdischen Büchermarkte in Deutschland, der Predigten, die allein für die Jugend bestimmt sind, bisher nicht kennt. „Der Jugend gehört die Zukunft", ein abgeschlissen triviales Wort und doch lange nicht genug beherzigt. Wäre frühzeitig auf jüdische Unterweisung der Jugend in moderner, ansprechender Form in Deutschland mehr Wert gelegt worden, lägen die Verhältnisse heute sicherlich weniger traurig. Dass die Hoch feldschen Predigten mit ihrer geschickten Auswahl von Stoffen, die dem kindlichen Gemüthe verständlich sind, mit ihrer edlen, treuen Sprache bei den Halberwachsenen regenerierend, bei den Jüngsten Liebe zum Judenthum weckend wirken werden, unterliegt keinem Zweifel. Nur eines — es fällt uns schwer angesichts des schönen Buches — möchten wir für eine Fortsetzung zu erwägen geben : Ein wenig mehr jüdisch-historische Stoffe! H o c h f e 1 d ist durchaus originell, und seine originelle Frische ist ein beneidenswerter Vorzug'; ist es unbescheiden, wenn wir trotzdem um ein wenig J e 11 i n e k'sche Art, etwas mehr stammesgeschichtliche Momente bitten? A. K. Der erste Vorlesungsabend aus jungjüdischer Ortung findet Mittwoch den 27. November 1901 im E h rbar-Saale, Wien, IV., Mühlgasse 28, statt. Programm: I. Rubinstein: Romanze. (Op. 44.) (Violine und Ciavier.) % Einleitende Worte. 3. Ch. N. ß i a 1 i k: Verwaister Sang. (Aus dem Hebräischen von Moriz Zobel.) 4. Leon Perez: Der kranke Knabe. (Aus dem Jüdischen von Mathias A c h e r.) 5. Morris Rosen fei d: Gedichte. (Aus dem Jüdischen von Berthold Feiwel.) 6. J. L. Boruchowitsch: Der Traum. (Aus dem Jüdischen von Berthold Feiwel.) Pause. 7. Adolph Donath: Judenlieder. 8. Martin Buber: Der Ackersmann. — Vierwal d s t ä 11 e r s e e. 9. M. J. Berdyczewski: Aus der „Geschichte vom steifen Kragen, von den drei Kreuzen und vom Kampfe der Mütze mit dem Hut e". 10. Ein jüdisches Volkslied. (Gesang.) II. Lewandowski: Hebräische Melodien. (Violine und Ciavier.) Anmerkung. Die „J u d e n 1 i e d e r" (Nr. 7) werden vom Verfasser, die „Geschichte vom steifen Kragen" von H. York-Steiner gelesen. Die Namen der übrigen Vortragenden werden erst am Vorlesungsabende selbst bekanntgegeben werden. Anfang halb 8 Uhr. Eintrittspreis 1 Krone. Karten siud in der Redaction der „Welt", IX. Bez., Türkenstrasse 9, zu haben. Der Reinertrag ist der Ausschreibung von Preisen für Schöpfungen jüdischer Kunst und Dichtung gewidmet. Im Dunkeln. Der Vater schachert, die Mutter keift, Seht, wie Kiein-Schlome zur Geige greift! Er greift und spielt gar ein wehes Lied, Was zittert Deine Seele so, kleiner Jüd? * Die seidenen Röcke der Schwester knattern, Die sollen am Ball sich Männer ergattern, Dort glänzen viel Lichter, Geschmeide funkeln; Eine Kindergeige schluchzt im Dunkeln. * Ins Kinderherz fiel ein Samenkorn, Daraus wuchs der Schmerz, die Scham und der Zorn, Und wuchs ein Sehnen, das niemand stillt, Das brennt so heiss, das schreit so wild . . , Wien. Maximilian Barber. Lose Blätter. (Aus Galizien.) Von David Rothblum. Frauen. Die junge Försterstochter steigt langsam und bedächtig die Böschung hinab und nimmt mit einem leichten Kopfnicken an der Seite der schönen Jüdin Platz. „Ich suche seit Wochen die Gelegenheit," beginnt sie schüchtern, „Ihre Bekanntschaft zu machen . . . Ich hin glücklich, Sie hier allein gefunden zu haben."

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