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Die Welt · 1901-11-08 · 45 (8.11.1901) · p. 2

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
45 (8.11.1901)
Article
Wir hoffen, dass es wahr ist
Date
1901-11-08
Page
2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 „Die £ Welt" Nr. 45 deren Herolde dieselben Männer vor kurzem noch waren.. Eine Stimme kommt nach der anderen. "In ihrer Reihe fehlte uns die Stimme der Vereinigten Staaten Amerikas, des Freihoitslandes. Sie musste kommen; Sie ist gekommen. Die Juden Amerikas — diesen Sehluss zieht Kabbiner Dr. Emil G. Hirsch aus seinen Ausführungen — werden für einen Zionismus der That leicht zu gewinnen sein. Wir hoffen von Herzen,, dass diese gute Botschaft wahr ist. Baruch. Der fünfte Congress. Die Idee des allgemeinen Zionistentages hat überall, lebhaftesten Anklang gefunden. In vielen Zuschriften wurde es freudig bogriisst, dass das Aetionscomite dieses .rroject eines privaten Cond tos in eigene Ausführung übernommen hat. Lag anfangs die Besorgnis vor, dass nicht alle Landsmannschaften in einer ihrer Grösse entsprechenden. Weise an dem Zionstage thcilnehmon werden, so ist nunmehr durch Beschluss des Actionscomites die Universalität dieser Angelegenheit gesichert; Alle Landsmannschaften nehmen nun an dem Zionistentage theil, da ein Beschluss des grossen Actionsconiitees vorliegt. Das bedeutet eine Belastungsprobe für die gesammte zionistische Organisation. Aus allen Städten, Marktflecken und Dörfern, wo Zionisten wohnen, soll eine im Inhalte gleich lautende Resolution an den 5. Congress in Basel ergehen. Eine mächtige Vertraiumskundgelnmg von allgemeiner Bedeutung für den zionistischen Gedanken ist der Zweck dieser Demonstration, keineswegs (»ine "Vertrauensvotum für die Führer der Partei, die jedes persönliche Moment in dieser Sache ausgeschaltet wissen wollen. Es ist zu wünschen, d. h. es muss gesorgt werden, dass diese Probe glänzend bestanden wird. Demi die zionistische Organisation ist die Bereitschaft des jüdischen Volkcss.;£ Ein wichtiger Punkt der Tagesordnung des f>. Congrosses ist die Organisation. Das Organisationsstatut soll geändert werde]), da es nicht schlecht, aber unzureichend ist. Die zionistische Agitation ist seit dem Tage, wo das Baseler Statut geschaffen worden ist, nicht stillgestanden. Die jüdische Volksidee gewinnt täglich neue Anhänger, orohert neue Kreise und in den alten Centren zionistischer Bethätigung erstarkt der Volksgedanke immer mehr und jeder Tag erfordert neue Arbeit. Das Baseler Statut kann kein unantastbares Dogma sein, sondern muss von Fall zu Fall geändert werden. Dieser demokratische Charakter der zionistischen Bewegung gestattet es nicht, dass diese Aenderungen von einzelnen Personen oder (Korporationen getroffen werden. Die Correctur der Organisation gehört zur ausschliesslichen Prärogative des Congrosses. Der fünfte Congress wird sich mit der Frage der Organisation eingehend befassen. Aus den Anregungen und Anträgen der Landsmannschaften, aus den Darlegungen des Beferenten und den allgemeinen Ergebnissen der Diskussion wird die Schaffung eines neuen Statuts, das den Erfahrungen der letzten Jahre und allen praetischen Bedürfnissen entspricht, resultieren müssen. Das lief erat über die Organisation führt der Obmann des Actionscomites, Dr. Herzl. Der Zionismus in Indien (Orig.-Corr. der „Welt".) Coliin, Jews Town. (Indien), 15. October 1901. Die zionistische Idee hat auch hier ihren Siegeseinzug gehalten. Schon haben wir im Judenviertel von Oochin, in Bombay, in Calcutta, in Rangoon (Burma), in Mala an der Malabarküste, in Ernakulam, in Schenomangalam usw. zahlreiche begeisterte Genossen. Ich hoffe,-Ihnen binnen kurzem über die formelle Bildung indischer Zionsvereine in den genannten und anderen Städten, sowie über den Zusammenschluss dieser Vereine zu einem Zweigverbande (Siib-Federation) der ,English Zionist Federation" Bericht erstatten zu können. Die Schekel- und Sharessammlung nimmt einen überaus erfreulichen Fortgang. N. E. Roby. Die „Kölnische Zeitung" über das Einwanderungsverbot in Palästina. In ihrer Nummer 848 vom 29. October d. J. schreibt die „Kölnische Zeitung" unter der Ueberschrift „Pass-Massregeln in Palästina" : Zu der Behauptung verschiedener Blätter, ein auf zionistische Eingebungen zurückzuführendes Irade des Sultans beschränke den Aufenthalt ausländischer Juden in Palästina, wird uns von zuverlässiger Seite Folgendes mitgetheilt: Seit dem Jahre 1884 besteht in Palästina ein Einwanderungsverbot für russische und rumänische Juden, das beabsichtigt, das Zuströmen mittelloser Juden, von denen damals grosse Scharen zuwanderten, zu verhindern. Gleichzeitig wurde angeordnet, dass für einen vorübergehenden Aufenthalt von höchstens einem Monat Passkarten verabfolgt werden dürften. Im Laufe dieses Sommers wurde durch ein Irade des Sultans gestattet, ausländischen Juden Passkarten für einen dreimonatlichen Aufenthalt in Palästina auszustellen. Es ist also ein offenbarer Irrthum, wenn man diese Massregel als eine Erschwerung des früheren Zustandes bezeichnet, sie ist vielmehr eine Erleichterung. Umso unerfindlicher ist es, wie sie mit dem Zionismus in Verbindung gebracht werden konnte, da bekannt ist, dass der Zionismus jede Einwanderung von Juden in Palästina unter den gegenwärtigen Verhältnissen missbilligt und sie von einer vorher zu treffenden Staats- oder völkerrechtlichen Vereinbarung mit der Türkei abhängig macht; da ferner die Einwanderung mittelloser Personen, die mehr um zu bettein als um Beschäftigung inden Ackerbaucolonien zu suchen, nach Palästina kommen, von den massgebenden Führern als überaus schädlich bezeichnet worden ist. Dass man in türkischen Regierungskreisen dem Zionismus sympathisch gegenübersteht, hat der ausgezeichnete Empfang des Zionistenführers Dr. Herzl durch den Sultan und die Verleihung des Grosscordons des Medjidie - Ordens an ihn genügend dargethan. Die jüdische Frau. Von Paula WinMer (Graz).*) I. Ein Unendliches schuldet die jüdische Frau ihrem Volke: sich selbst. Ob sie ihre Schuld einlösen wird? Ob sie ihre Schuld einlösen kann? Einmal wird sie es thun, einmal wird sie es können. Nicht heute. Denn was sie schuldet, besitzt sie heute selbst nicht. Ihr eigenstes Wesen hat sie verloren — unabsichtlich zum Theil, zum Theil mit Willen. Aus dem Garton eines edlen Hauses entwischte ein Kind, gelangte auf die Strasse und vertauschte seinen köstlichen Perlensehniuck mit einer glitzerndem Glasscherbe, mit der es ein anderes Kind am Wege spielen sah. Das ist die jüdische Frau. Nicht von den wenigen ist zu reden, die sich ewig gleich blichen und treu ihrem Wesen, die nie irrten und darum nie heimzufinden brauchten. Nicht von jenen, die bereits heimgefunden haben. Aber von der grossen Menge, die in blindem Triumphe mit ihrem eingetauschten Flitter frohlockend dahinzieht. Und von dieser ist in liebender Art zu reden und mit liebendem Herzen, das blutet ob der Mängel und Fehler, die es sieht, und mit Namen rufen muss, damit sie den Ruf hören und auf Umkehr sinnen. Beneidenswert ist die jüdische Frau wie keine. Aller Augen, aller Herzen, ihr Volk wartet auf sie. Wunderbares *) Der Aufsatz, dessen ersten Theil wir hier bringen, ist in gewissem Sinne als die Weiterführung der „Betrachtungen einer Philozionistin" (Nr. c6) anzusehen. Die Red.

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