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Die Welt · 1901-11-08 · 45 (8.11.1901) · p. 1

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
45 (8.11.1901)
Article
Wir hoffen, dass es wahr ist
Date
1901-11-08
Page
1 (sequence 1)
Language
German
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Jahrgangs der„Welt"(1900)wissen dürften,zu unseren innigsten Gegnern. Was er unter dem obengenannten Titel vorbringt, war daher wohl angethan, uns zu überraschen. Denn Herr Hirsch tritt darin sehr warm und nachdrücklich für den Zionismus ein — allerdings nur für einen Zionismus, der Erfolg hat. Für den kämpfenden Zionismus hat er nichts übrig, dem siegreichen aber gehört sein ganzes Herz. Er hat erfahren, unserer Sache stünden grosse Erfolge bevor. Nun hofft er, dass die Zionisten „von der Theorie zur Praxis übergehen werden". Man sieht: Herr Hirsch hat sich mit unserer Thätigkeit der letzten Jahre nicht sehr genau beschäftigt. Er hofft auf eine Entwicklung, die so weit sie gesund und zweckmässig ist, längst begonnen hat und stetig fortschreitet. Gleichviel. Was aber dann, wenn in unseren Reihen die Praxis eingezogen ist? Dann, sagt Herr Hirsch, „werden wir und viele andere Zweifler vom Kriticismus zur Mitarbeit übergehen." Nun — wir hoffen, dass es wahr ist. Im Uebrigen mag es zwar schöner sein, sich einer Idee anzuschliessen, als einem Erfolge. Aber es ist immerhin ehrlich und anerkennenswert, sieh von dem Aufstiege und den glücklichen Wirkungen einer guten Sache überzeugen zu lassen. Wir werden Herrn Hirsch gern Gelegenheit geben, sich innerhalb eines praktischen und erfolgreichen Zionismus zu bethätigen. Eines hat Herr Hirsch begreiflicherweise übersehen: dass der Erfolg in geradem Verhältnisse zur Zahl und Opferkraft der Mitarbeiter wächst. Er hat übersehen, dass daher der Grad des Erfolges auch in seine Hand, auch in die Hand seiner Freunde und — wenn ich mich so ausdrücken darf — Gesinnungsgenossen gelegt ist. Nun sind diese Hände wohl zum Gebete für unsere Sache gefaltet, was sie früher nicht waren. „Wir flehen inbrünstig", sagt Herr Hirsch, „dass diese guten Nachrichten sich erfüllen mögen." Das ist gewiss eine erfreuliehe Thatsache. Aber nicht minder erfreulich wäre es, wenn diese Hände sich für unsere Sache nicht blos falten, sondern auch regen würden. Es sei hier nur daran erinnert, dass die Jüdische Colonialbank, die erste Grundlage und Voraussetzung unseres Erfolges, an diese — so zahlreichen — Hände in einem ganz bestimmten Sinne appelliert hat und noch appelliert. Wollen die Männer, die in dem Erfolge das Wesen des Zionismus sehen, für diesen Erfolg nur beten, nicht auch an ihm bauen? Gar sehr charakteristisch in ihrer Klarheit und Offenherzigkeit ist aber die Motivierung der Umkehr, die Herr Hirsch gibt. „Wir haben," so heisst es wörtlich in seinem Artikel, „zu früh von der anbrechenden Aera der allgemeinen Verbrüderung gesungen. Von unseren Kanzeln sind allzu oft die Variationen dieses einen Themas erschollen, das dem Herzen des modernen Liberalismus so theuer ist, der Emancipation der Menschenrasse von Irrthum, Sünde, Hass, Vorurtheil und allem Uebrigen. Von unserer Phraseologie berauscht, haben wir die Kraft verloren, zu unterscheiden zwischen dem ringenden Strahl unsicherer Dämmerung und der Glorie mittaglicher Sonnenflut. Weil wir die Erfüllung unserer Träume wünschten, erklärten wir, sie hätten sich erfüllt." „Dieser Humanitarianismus hat es allzusehr vernachlässigt, sich an historische Thatsachen und Kräfte zu erinnern. Die Enttäuschung musste kommen. Sie ist jetzt gekommen." Das sind deutliche und beachtenswerthe Worte, die weithin gehört werden dürften. Seit Jahren kommen aus allen Ländern Stimmen führender Persönlichkeiten, repräsentativer Männer, die laut und eindringlich den Bankerott der Assimilation verkünden — derselben Assimilation,

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