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Die Welt · 1901-10-25 · 43 (25.10.1901) · p. 6

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
43 (25.10.1901)
Article
Der Judenzoll und die jüdische Wohlthätigkeit in Ungarn
Date
1901-10-25
Page
6 (sequence 3)
Language
German
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Seite 6 „Die 3& Weit*5 Nr. 43 müssen wir die Conferenz aufschieben: aber spätestens am 15. ds. halten wir sie ab, und zwar mit Einbeziehung sämmtlicher Siebenbürger Cultusgemeinden, und hege ich die grosse Zuversicht für das vollständige Gelingen der Sache . . . Ich theile vollkommen Ihre Ansicht . . /' Am 5. Juli: „ . . . Persönlich Ausführlicheres . . . Ich bin entschlossen., die Schwestergemeinde (neologe) zu ersuchen, mir zum heiligen Zwecke behilflich zu sein, in dem Sinne, dass wir gemeinschaftlich an sämmtliche jüdischen Cultusgemeinden Siebenbürgens einen Appell richten. Die yeologen haben mein Anerbieten mit Freuden aufgenommen, wollen aber vor allem bei der Pester Grossgemeinde anfragen, da sie ohne Wissen der letzteren nichts unternehmen. — Mein Plan geht dahin, dass wir in Contact mit den rumänischen leitenden Persönlichkeiten es durchsetzen, dass sämmtliche Emigranten den Temescher Pass wählen, also Kronstadt passieren sollen, da man von hier aus leichter und mit weniger Kosten disponieren kann . . /* Am 9. Juli: „Ihre Geldsendung habe ich erhalten und Ihren früheren zugeschlagen. Von Budapest ist noch keine Antwort gekommen. Es scheint, dass dort (bei der neologen Gemeinde) keine reine Selbstlosigkeit herrscht. Ich warte noch bis morgen, damit sie nicht sagen können, die Orthodoxen würden stets die Dinge durch LT ebereil igkeit verderben . . Am 11. Juli: „Gestern war ich krank, konnte darum mein Versprechen nicht einlösen. Heute verständige ich Sie vor allem davon, dass die Pester (neologe) Grossgemeinde der Einberufung einer Conferenz opponiert, es aber gerne sieht, wenn ihr die Orthodoxen mithelfen; die Leitung der Angelegenheit gebe sie nicht aus der Hand und protestiert im vorhinein gegen jedes offene Auftreten oder Conferieren, da sie auch den Schein zu vermeiden wünscht, als ob sie in irgendwelcher Richtung mit der Allianz oder den Zionistcn in Verbindung stünde. Um Aufsehen zu vermeiden, will sie auch die Zeitungen nicht in Anspruch nehmen und verrichtet alles streng geheim, Sie hat für die Geheimhaltung auch die in Judenhänden befindlichen Blätter gewonnen, so sehr, dass ... — Die hiesige neologe Gemeinde, welche mit ihrem Rabbiner an der Spitze in der Emigrationssache die Pester Gemeinde repräsentiert, hat mir den Antrag gestellt: sammt meinem Gemeindevorsteher in ihr Comite einzutreten, Geld zu sammeln und sammeln zu lassen . . . aber keinen Appell ergehen zu lassen, da ihr dies die Pester Gemeinde nicht gestatte. — Wie ich sehe, können wir, bis ich nicht die Sache mit Ihnen persönlich bespreche, nicht ans Ziel gelangen . . . Würde es sich nur darum handeln, Geld und immer nur je mehr Geld zu sammeln, und es wäre sonst nichts zu besprechen, so brauchte man keine kostspielige Conferenz einzuberufen . . . Wir aber mischten mehr leisten und mehr (als bloss Geld) wünscht von uns die Landeskanzlei, ohne es auszusprechen, was sie wünscht und denkt, sondern überlässt es uns, den Plan der Hilfsaction auszuarbeiten . . . Gestern kam ein Telegramm von der „AViener Allianz'', die Emigranten an der Grenze anzuhalten . . Dies war der letzte Brief. Auch diesen beantwortete ich. Bald darauf, als ich von einer im Interesse der Emigranten unternommenen erfolglosen Reise heimkehrte, begegnete ich zufällig dem Rabbiner Wezel auf der Eisenbahnstation 7?öris. Bis dahin hatten wir einander nie gesehen, niemand stellte uns gegenseitig vor und dennoch erkannten wir einander im ersten Augenblick. Mein edler Partner war im Begriff, zu mir zu erfahren. Wir conferierten im Eisenbahnwagen und mussten die tiefbetrübende Thatsache constatieren, dass die inzwischen hereingebrochenen katastrophalen Bcuebenheiten eine jede weitere Conferenz überflüssig gemacht hatten. (Fortsetzung folgt.) Tribüne. Löbliche Redaction! Wollen Sie gefälligst Folgendes zur Kenntnis Ihrer werten Leser bringen: Das bisherige Nichterscheinen des von uns geplanten Vereins-Liederbuches hat seinen Grund darin, dass der Verleger seinen Verpflichtungen nicht nachgekommen und contraetbrüchig geworden ist. Wir sind gezwungengewesen, nunmehr einen neuen, weit ungünstigeren Vertrag mit einer anderen Firma zu schliessen, und erleiden Einbusse an Zeit und namhaften Geldschaden. Dieses und ferner die Thatsache, dass unsere Sammlung weit stärker ausfallen wird, als wir annehmen konnten, zwingt uns, den Preis für das Liederbuch auf 40 Pfennige per Stück zu erhöhen; den Vereinen wollen wir jedoch bei Bestellungen von 50 Exemplaren an einen Rabatt von 25°/0 wiederum bewilligen. Wir bedauern aufs tiefste, zu diesem etwas ungewöhnlichen Mittel greifen zu müssen; jedoch stellt sich der genannte Preis mit Rücksicht auf Ausstattung und Reichhaltigkeit immer noch als ein recht billiger dar* Das Liederbuch erscheint am 23. October bestimmt. Es empfiehlt sich der schnellen Erledigung wegen, schon jetzt Bestellungen aufzugeben. Wir versenden das Buch nur gegen Voreinsendung des Betrages und der Porti, bei grösseren Aufträgen aus Deutschland und Oesterreich auch gegen Nachnahme. Probeexemplare werden gratis nicht verschickt. Ho chachtungsvoll Jüdischer Turnverein „BarKochba", Berlin. I. A. : M. Zirker, Krausnickstrasse 16. Achad-Haam als Historiosoph. Von Salomon Schiller. (Fortsetzung.) Diese Anwendung der Descendenztheorie auf das sociale Leben war für die Anschauungsweise Achad-Haams über das Judenthum von massgebendem Einflüsse. Es ist verblüffend und wohlthuend zu sehen, welch immensen Fortschritt unsere hebräische Literatur in der kurzen Spanne Zeit (seit Smolensky und Gordon) gemacht hat. Denn Achad-Haam hat wie als Stilist so auch als Socialpsychologe Schule gemacht, wenn er auch mit seinen zionistischen Anschauungen ziemlich vereinzelt dasteht. Die führenden Geister der verflossenen Generation im Judenthum waren halb Rationalisten und halb Theologen. Ais Rationalisten gebrach es ihnen an historischer Umsicht, sie vermochten nicht die unendliche Verschlingung von Triebfedern zu überblicken, die, unserer geschichtlichen Gesammtlage in der Diaspora entsprungen, unseren National Charakter zu dem gemacht haben, was er gegenwärtig ist. Als Rationalisten ersahen sie im Zerrbild des Judenthums ihrer Zeit das Werk böswilliger Menschen, die Repräsentanten des Judenthums erschienen ihnen als Volksverführer und raffinierte Betrüger . . . Als Theologen andererseits sind die damaligen Literaten auf halbem Wege stehen geblieben, sie glaubten durch Palliativmittel ritueller Natur (Reform des Schulehan-Aruch) das Judenthum sanieren zu können (zur Ehre Smolenskys sei es gesagt, dass er am Reformrummel zu Beginn der Siebziger jähre keinen Antheil nahm, ihn vielmehr in seiner Abhandlung „Zur Frage der Reformen in Israel" entschieden ablehnte) . . . Achad-Haam der Evolutionist ist milder in seiner Beurtheilung der Repräsentanten des Judenthums, aber entschieden und folgerichtig; er verdammt niemanden, macht aber auch niemandem Concessionen, er durchschaut die Triebfedern des historisch Gewordenen, verhält sich aber eben diesem Historischen gegenüber kritisch bis zur letzten Consequenz. Wir wollen seine Anschauung über das Judenthum mit Hilfe einiger Citate aus seinen Abhandlungen näher beleuchten. in einem offenen Briefe an einen orthodoxen Rabbiner in Russland, dem Widersacher Achad-Haams hinterbracht hatten, er bediene sich des Zionismus lediglich als einer Maske, um ketzerische, religionsreformerische Gedanken ins Judenthum hineinzuschmuggeln, formuliert er seine Ansichten über die Reformfrage in folgender Weise: „Rcligionsreformen in dem Sinne., wie es die jüdischen Theologen Deutschlands aufgefasst haben, sind weder erspriesslich, noch sind sie durchführbar, ohne die Religion selbst zu untergraben." „Die Religion hat nur so lange Bestand,

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