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Die Welt · 1901-10-18 · 42 (18.10.1901) · p. 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
42 (18.10.1901)
Article
Der Golem
Date
1901-10-18
Page
13 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 42 „Die & Welt« Seite 13 Werk wieder auf. Er strich mit den Fingern vom Leben zum Lehm und seine Worte klangen bald weich und kosend wie Geflüster der Liebe, bald hart und gewaltig wie der Ruf des Sturmes. Plötzlich Hess der Rabbi die Hände sinken und das Wort hielt inne auf seinen Lippen. Tiefes Dämmern füllte das Gemach. Durch das Fenster herein leuchtete das Pentagramma auf der Thurmspitze des Rathhauses im letzten Abendfeuer. Die Zeit des Abendgebetes war gekommen. In der Synagoge wartete die Gemeinde auf den Rabbi. Der Sabbath hatte begonnen. War Reb Simons Unterricht falsch oder unvollständig gewesen, war das Werk unmöglich oder nur unvollendet — gleichviel, jetzt musste es der Rabbi im Stiche lassen. Der Sabbath hatte begonnen., feierlich legte er sein Gebot der Ruhe auf Hand und Mund. Der Rabbi musste in die Synagoge, die Botschaft des Gottesfriedens zu verkünden. Kr gieng. Der Schlafende lag ruhig. Das Werk war misshingen. (Schluss folgt.) Aphorismen. Von Michael Flürscheim (Neu-Seeland). T. Gross ist die Undankbarkeit der Deutschen gegen die Juden, da doch diesen in erster Linie die Einigung der deutschen Stämme zu danken ist. Noch 1871 herrschte ein grosser Antagonismus zwischen Preusse und Bayer, zwischen Schwabe und Badenser etc. Es war von jeher so gewesen. Etwas muss der Mensch zu hassen haben. Wo zwei Schulen in einem Orte sind, hauen sich die Jungens von Schule zu Schule; wo nur eine Schule ist, wird von Classe zu Classe geprügelt. Erst seitdem, nach der Begründung des Deutschen Reiches, die Judenhetze losgieng, einigten sich alle Stämme zur gemeinsamen Judenprügelei, und die Einigkeit unter ihnen war endlich hergestellt . . . . II. „Erst seit meiner Taufe bin ich Jude," sagte ein Neuchrist. „Früher sagten meine einstigen Glaubensgenossen : „Welch ein GoiVk Jetzt sagen alle : „Er ist doch nur ein getaufcer Jud!"u Von unserer westlichen Volksbildungsbewegung. Wochen-Programm der Toynbee-Halie. XX., Karajangasse 20. Samstag den 19. October: Dr. Fischel: „Die Bedeutung der Rechtspflege im modernen Staatsleben.u Sonntag den 20. October: Concert, Musik, Gesang. Montag den 21. October: Dr. Martin Engländer: „Aus dem Gebiete der Naturwissenschaften". Cyklus L: „Das geistige Sehen." Dienstag den 22. October: Upfimny: „Josephus Flavius." Mittwoch den 23. October: Adolf Steinschneider: Cyklus. Jüdische Wohlthatsanstalten in Wien. L „Das Altersversorgungshaus." Donnerstag den 24. October: Primarius Dr. Sigmund Kornfeld: Cyklus. „Aus dem Seelenleben." Freitag den 25. October: Dr. G r ü 11: Bibel. Erklärung der Sedra. Samstag den 26. October: Dr. J. W. Fries er: „Hygiene." Cyklus. L „Prophylaxe der Nervenkrankheiten." Anmeldungen zu Vorträgen wolle man richten an: Dr. Leopold Kahn, Hof- und Gerichtsadvocat, Wien, VIL, Lindengasse 11. Hus dei) \)epeii)ct). Voranzeigen. Wien. („Jüdischer Verein jugendlicher Arbeiter*, XX., Traunfelsgasse 1.) Dieser Verein veranstaltet Sonntag den 20. October im Vereinslocale einen Discussions-Abend. Tagesordnung: „Arbeiterrecht." Referent College G rü n h u t. Beginn 7 Uhr. Gesinnungsgenossen als Gäste willkommen. — Von der General- Intendanz der Hoftheater wurde dem Vereine eine Anzahl Karten zu ermässigten Preisen für die Sonntag-Nachmittagvorstellungen im Burgtheater zur Verfügung gestellt. Vormerkungen für Sitzplätze ä 60 Heller und Stehplätze a 20 Heller werden täglich von 8—9 Uhr abends entgegengenommen. Bücherausgabe jeden Mittwoch und Sonntag abends. Wien. (Der „Allgemeine Jüdische Arbeiter- Verein") bringt hierdurch zur Kenntnis, dass die Unterrichts-Curse in deutscher Sprache, Arithmetik und jüdischer Geschichte Montag den 21. d. M. im Vereinslocale XX. Bez. Traunfelsgasse 1, beginnen. Eine beträchtliche Mitgliederzahl hat sich bereits zur Theilnahme an denselben vormerken lassen und werden auch diejenigen Collegen, denen es daran gelegen ist, an diesen Cursen theilzunehmen, ersucht, sich diesbezüglich an unseren Schriftführer Collegen Emil Butterklee, IL, Obere Augartenstrasse Nr 2, zu wenden. Wien. („Erster Wiener jüdischer Turnv e r e i n", I, Mölkerbastei 5.) Turnabende für Herren : Montag und Donnerstag von V28—9 Uhr. Für Damen: Mittwoch und Samstag von 7~V29 Uhr. Der Turnverein hat eine Fechtsection eröffnet. Beitrittserklärungen und Auskünfte an den Turnabenden am Turnplatze. Wien. (Kranken-Unterstützungs-Verein „O s e h C h e s e d", IL, Schiffamtsgasse Nr. 5.) Es wird hiermit den geehrten Vereinsmitgliedern zur Kenutnis gebracht, dass der hebräische unentgeltliche Unterricht Sonntag den 20. d. M,, 10 Uhr vormittags beginnt. Die Väter werden ersucht, darauf zu achten, dass die Kinder pünktlich erscheinen. Auch mögen die Väter selbst womöglich sich einfinden. Der Unterricht wird im Vereinslocal, IL, Schiffamtsgasse 5, abgehalten. Diejenigen Mitglieder, die keine schulpflichtigen Kinder haben'oder kinderlos sind, haben im Sinne unseres seinerzeitigen'Circulärs die Berechtigung, fremde Kinder zur Theilnahme an dem Unterrichte anzuempfehlen. Berichte. Wien. Am 4. d.M. fand unter zahlreicher Betheiligung das Begräbnis des A. H. der „Kadimah" Alfred Chodrower statt. Unter den Trauergästen war auch der Ehrenbursche der Verbindung Herr Dr. Theodor H e r z 1 und das Mitglied des Actionscomites Herr Architekt Oscar Marmorek. Mitglieder der Verbindung trugen den Sarg zum Grabe, an dem Dr. Schalit dem todten Bundesbruder den letzten Abschiedsgruss der „Kadimah* nachschickte. Im Namen des A. C. sprach Herr Architekt Marmorek, für die „Hasmonaea" Dr. Kommer und im Namen der Bureaucollegen Herr Dr. Weiss. Samstag den 12. d. M. wurde auf der Bude die Trauerfeier nach dem Verblichenen abgehalten. Nach einleitenden Worten des Präses med. Bogar hielt med. Upfimny den Nachruf, in dem er auf die glänzenden Eigenschaften Chodrowers als Zionist und Kadimahner hinwies. Zahlreiche officielle Vertreter der Studentenschaft und Freunde der Verbindung hatten sich eingefunden. Wien. Die akademische Verbindung „Kadi m ahtt tritt gegenwärtig in ihr XXXVIII. Semester. Das Ergebnis der letzten Chargiertenwahlen lautet. Präses : med. Siegfried B o g a d. Vicepräses: jur. Maximilian Barbe r. Schriftführer: jur. Josef Feingold. Fechtwart: teerm. Isaak Karpel. Zweierlei Juden. Roman von Max Viola. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Bestechen? Bin ich so dumm? Wir werden nicht bestechen, sondern als Wohlthäter auftreten. Ich komme hinunter und suche mir unsere zwei Aerzte auf. Denen sage ich Folgendes: Wie wir aus den Zeitungen ersehen, herrscht unter den Arbeitern die Cholera. Hier haben Sie fünzigtausend Kronen zur Linderung der Noth der Kranken. Was Ihnen von diesem Gelde übrig bleibt, das behalten Sie für Ihre Mühewaltung. Natürlich bloss, wenn wirklich die Cholera ausgebrochen ist. Ist nicht die Cholera ausgebrochen, so haben Sie mir die fünfzigtausend Kronen ohne Abzug zurückzuerstatten. Ich warte die Antwort dieser Aerzte nicht ab, sondern verfüge mich zum Bezirksarzt; dem mache ich dieselbe Eröffnung und übergebe ihm fünfzigtausend Kronen. Hierauf suche ich den Bezirkshauptmann auf; der bekommt hun-

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