Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 41 (11.10.1901)
- Article
- Beiträge zur Kenntnis Palästinas
- Date
- 1901-10-11
- Page
- 5 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3315709-3315905-3315947-3400386--28478-3400472- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Safed 1× ep/1046078
OCR text
„Die x£ Welt*6 Seite 5 seiner Gesammtheit war Gegenstand einiger Skizzen, welche mehr oder weniger tiefgehend und vollständig sind. Geologische Karten für jede einzelne Gegend gibt es nicht, der Agronom bleibt also seinen eigenen Vermuthungen überlassen. Man wird aber recht schüchtern, wenn man an die Irrthümer denkt, welche ein Eose g gor, ein Dr. A n d e r s o n , ein F r a a s begangen haben, die doch für ihre Zeit sicherlich recht gelehrte Geologen waren. Um von vornherein den Wiederholungen im weiteren Verhülle der Darlegungen ans dem Wege zu gehen, zugleich auch dem Leser ein klares Bild über die geologische Structur des Landes zu verschaffen, wollen wir hier erinnern, indem wir uns hier den Ansichten L. Lartets, des wenn auch nicht vollständigen, so doch gewissenhaften Erforschers Palästinas und Syriens, anschliessen, dass Palästina, wie auch Syrien, zum grössten Theile dem Kreidesystem angehört. Der Libanon, der Antilibanon, das Gebirge von Galiläa, mit Ausnahme einiger vulcanischer Punkte in der Umgebung von Safed, der Karmel, das Gebirge von Samaria, sowie dasjenige von Judäa gehören dem Kreidesystem an. Ebenso kehrt diese Formation, nach den Eruptivmassen des Djolan, im Djebel Ajloun, in den Gebirgen von G al a ad und Belkaa wieder. Wenn auch alle Gebirge demselben Systeme angehören, so ist es, wie man sich wohl denken kann, durchaus nicht dieselbe Schichtung, dasselbe Alter in geologischem Sinne, welches überall zum Vorschein kommt. Diese Gebirge gehören also nicht zum gleichen geognostisehen Niveau. Schliesslich begegnet man auch in gewissen Gegenden der Tertiärbildung: auf dem Karmel, in der Umgebung von Saida (Sidon) und von Nabulus trifft man den nummulitischen Kalk an. Wenn auch das Aeocen sich hier vorfindet, soll das Miocen vollkommen fehlen. Im transjordanischen Theile beobachtet man eine derartige allgemeine Erhöhung, dass an der Basis von einigen Bergen in der Eichtling von Jabok (das gegenwärtige Wadi-Zerka) der nubische Sandstein zum Vorschein kommt, der jn Palästina ständig die Unterlage für die Kreide bilden soll. Folglich wird man sich nicht wundern, wenn man auf einigen Bergen infraecenomanische Schichten, und nur am Bergesgipfel allein das Senon auffindet, wie es wohl der Fall in Es-Salt ist (Blankenborn). Das Senon soll übrigens, nach der Ansicht desselben Autors, auch in Westjordanien eine bedeutendere Rolle spielen, als ihm von Lartet zugeschrieben wird. Dies alles vorausgeschickt, wollen wir im Nachfolgenden bei der Charakterisierung der Bodenarten uns auf die Schilderung des allgemeinen Bildes der Kreidefelsen beschränken, ohne auf eine genauere v issenschaftliche Bestimmung einzugehen. (Forts, folgt.) Eine Culturgeschichte der jüdischen Gegenwart, Von Dr. Philipp Menzel (Czernowitz) erhalten wir folgende beachtenswerte Anregung, an deren Ausführung wir schon in nächster Zeit zu gehen gedenken : Auf den bisherigen Zionisten-Congressen und auch sonst allerorten, wo das jüdische Volksthum zum Worte gelangt, wird der Ruf laut nach einer verlässlichen Culturgeschichte der jüdischen Gegenwart. Wer für das Volk arbeiten will, muss auch wissen, wie es sich social, beruflich, culturell etc. gliedert, muss die Lebensanschauungen, die Wünsche und Bedürfnisse desselben kennen. Ein einzelner ist jedoch nicht imstande, eine verlässliche Gesammtschilderung zu bieten. Nicht nur Ost und West stehen sich gegenüber, sondern auch das osteuropäische Judenthum selbst ist stark differenziert. Da können nur Einzeldarstellungen die Garantie für ein sicheres Gesammturtheil bieten. Die „Welt", welcher mit Recht die Stellung einer Revue des Gesammtjudenthuras zuerkannt wird, muss es auf sich nehmen, die geeigneten Mitarbeiter zu suchen und die jüdiche Welt successive mit sich selbst bekannt zu machen. Aus den Einzelsehüderungen könnte dann eine sichere Hand ein Gesammtwerk schaffen, das sich würdig den bisherigen zionistischen Errungenschaften anreihen würde. Als Proponent mache ich den Anfang und bitte Sie um die Aufnahme folgender Schilderungen, weiche die Bukowinaer Judenheil betreffen und welche in 3—1 Briefen erschöpft sein dürften. Sie betreffen das Gesammtieben der Bukowinaer Juden, und sind sie auch nicht immer „interessant* genug, so werden sie als erster Beitrag zu der mir vorschwebenden Sammlung nicht ganz ohne Wert sein. Schon deshalb nicht, weil ich hoffe, dass es ihnen gelingt, auch die besseren jüdischen Federn zu dem erwähnten Zwecke mobil zu machen. Die Juden der Bukowina. Von Dr. Ph. Menczeb I. Jenseits der schwarzgelben Pfähle ist die Bukowina wenig bekannt. Wer sie nicht mit der Herzegowina oder einer ähnlichen exotischen Provinz verwechselt, sieht sie für ein Stück Galizien an. Das Land ist aber schon zufolge seines Rahmens interessant: Galizien, Ungarn, Russland und Rumänien bilden die Grenzen, und innerhalb derselben — sie umspannen ein Gebiet von ungefähr 10.000 Quadratkilometern — leben Ruthenen, Rumänen, Deutsche, Polen. Lipowaner, Magyaren. Huzulen und Juden, letztere knapp 100.000 an Zahl, etwa \^j0 der Gesammtbevölkerung. Der Bukowinaer Jude bildet keinen selbständigen Typus. Man könnte ihn für einen ostgalizischen, „polnischrussischen" Juden halten, eine starke Beimischung des rumänisch-jüdischen Volkscharakters und eine nicht sehr dünne Schichte von deutschem Firniss verwischt jedoch den „polnischen" Eindruck. Der Kern des autochthonen „Ur-Bukowinaers" ist übrigens aus der stets fluetuierenden Masse der einwandernden galizischen, rumänischen und russischen Juden schwer herauszuschälen . . . Stadt und Land sind himmelweit verschieden. In der rasch aufblühenden Metropole mit ihren zahllosen deutsch amtierenden Behörden, Aemtern, Kasernen und Bildungsanstalten ist das Innere fast ganz europäisch, die Peripherie halbasiatisch, und die äussersten Vororte sind transkaukasischen Charakters. In diesem sonderbaren Gemisch von Ost und West, von kerndeutschen Universitäts-Professoren, rumänischen Popen und Beamten, polnischen Selchern und Schustern, ruthenischen Bauern und halbslavisierten deutschen Colonisten hat sich der Jude eine vorherrschende Stellung erobert. Es gibt keine zweite grosse Stadt in Oesterreich, und ich glaube, man darf sagen: in Europa oder in transatlantischen Ländern, in welcher die Juden eine auch nur annähernd gleiche sociale, wirtschaftliche und politische Stellung einnehmen. Industrie und Gewerbe, Gross und Kleinhandel, Bank- und Assecuranzwesen ruhen in jüdischen Händen. Auf die Stadtverwaltung üben sie ausschlaggebenden Einfluss — die erste Vicebürgermeisterstelle wird traditionell mit einem Juden besetzt — die Handelskammer ist zu zwei Dritteln jüdisch, die Reichsrathsmandate der Stadt und der Kammer werden ohne Schwertstreich von Juden erobert, kurz auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens ist der jüdische Einfluss dominierend. Das Eldorado der Exil-Judenheit. Auf den ersten Blick wenigstens. Wer etwas tiefer hineinsieht, findet das GqIus und die traurigen Blüten desselben bald heraus. Während sich im Innern der Stadt stattliche Häussr und Läden eng aneinander reihen, die zu grossem Theile unseren Stammesgenossen gehören, gibt es in der sogenannten Altstadt ein specielles Judenviertel, das sich von einem galizischen oder russischen Landstädtchen in nichts unterscheidet und in dem das speeifische Judenelend in seiner grausamsten Nacktheit, Erwerbs- und