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Die Welt · 1901-10-04 · 40 (4.10.1901) · p. 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
40 (4.10.1901)
Article
Die Grenzen des Zionismus
Date
1901-10-04
Page
1 (sequence 1)
Language
German
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Jahrgang Die Grenzen des Zionismus. ) Von Berthold Feiwel. II. Ehe eine Besprechung der einzelnen Stoffgruppen des Schemas**), das für eine wissenschaftliche Bearbeitung vorgeschlagen wurde, eröffnet werden kann, muss bezüglich einer Materie eine merkwürdige Vorfrage erledigt werden — auch eine Grenzbestimmung, wenngleich anderen Charakters. Sie bezieht sich auf jenen Complex von Problemen, den wir gewohnt sind, unter dem Sammeltitel der „Fragen der körperlichen, geistigen und wirtschaftlichen Hebung der Juden" zusammenzufassen. Wir sind gezwungen, bevor wir diese Materie vom Standpunkte einer detaillierten wissenschaftlichen Behandlung aus betrachten, zu untersuchen, ob die „Fragen der Hebung" überhaupt in das Gebiet zionistischer Theorie und Praxis einzubeziehen sind. Denn es gibt politische Zionisten, die einen programmatischen Widerspruch darin sehen, wenn die Heimstättenbewegung mit einer „Gegenwartszwecken" dienden Thätigkeit verknüpft wird. Sie halten diese Meinung aufrecht, auch jetzt, wo die Fragen, um die es sich handelt, aus dem Bahmen theoretischer Erwägungen herausgetreten sind und im Detail mehrfach in Praxis umgesetzt wurden. Man weiss, dass der Londoner Congress der Materie sozusagen den officiellen, zionistischen Stempel aufgeprägt hat, und dass landsmannschaftliche Conferenzen, wie der Erste Oesterreichische Zionistentag in Olmütz, einen bedeutenden Theil des von ihnen entworfenen Arbeitsprogrammes den Fragen der Hebung widmeten. Umsomehr Anrecht haben die — trotz allem — Widersprechenden, gehört zu werden. Es sei gestattet, als Ausdruck dieses Widerspruches die Meinungsäusserung eines einzelnen zu wählen, eine *) Vergl. Nummer 37. **) Zu dem Schema, das, wie ausdrücklich bemerkt, nur einen unmassgeblichen und erweiterungsfähigen Vorschlag für nachfolgende wissenschaftliche Arbeiten geben wollte, sind dem Schreiber dieser Zeilen mehrere Anregungen zugekommen. Besonders beachtenswert erscheinen zwei Materien, die in dem entworfenen Schema unter einen höheren Begriff subsumiert waren, deren gesonderte Behandlung thatsächlich wünschenswert ist. Es sind dies: 1. Volkssprache, 2. Der Zionismus in seinem Verhältnisse zu Kindererziehung, zur jüdischen Frau, zur jüdischen Familie. Arbeit J. Klausners, die er vor einiger Zeit in der hebräischen Zeitschrift „Haschiloah" veröffentlichte. Der Gedankengang des K1 a u s n e r'schen Artikels ist folgender: „Der dritte Punkt des Baseler Programmes (Hebung des nationalen Selbstbewusstseins) wurde bisher auf den Congressen vernachlässigt. Es wurde auf die „culturelle" Thätigkeit unter Rücksichtnahme auf religiöse Empfindlichkeiten verzichtet. Auf dem vierten Congresse wurde sogar über die Culturfrage mit Stimmenmehrheit zur Tagesordnung übergegangen. Entgegen dieser Selbstbeschränkung konnte man auf dem jüngsten Congresse eine starke Neigung zur Erweiterung des Programmes wahrnehmen, die als schädlich anzusehen sei. Der Zionismus sei von den anderen jüdischen Hilfsbestrebungen dadurch unterschieden, dass er ein dauerndes Werk für die G e s a m m t nation schaffen wolle. Wohl sei nun in den Institutionen der „Hebung" auch ein Mittel zur Erreichung unseres Zieles gelegen. Aber ein vermehrter Wohlstand der Juden könne sie auch dem Zionismus abtrünnig machen. Dann seien die Kräfte der Zionisten zu gering und der Zionismus noch nicht eingewurzelt genug in den Herzen. An Stelle einer Verbreiterung solle man die „extreme Kraft" des Zionismus zu erhalten trachten und ihn auf seine Grundbestandteile einschränken: Die politische Hoffnung und die culturelle Arbeit. . ." „Auf dem vierten Congresse habe man eine Leere durch Erweiterung des zionistischen Programmes auszufüllen gesucht. Mit welchem Bechte aber habe man die Fragen der Hebung in den Zionismus aufgenommen? Sich mit ihnen zu beschäftigen, sei ja Pflicht eines jeden Juden. Wirklich betreffen die Anträge bezüglich der wirtschaftlichen Hebung Actionen, die heute schon von den verschiedensten jüdischen Wohlthätigkeitsanstalten geübt werden. Was der Congress begonnen habe, habe dann Max Nordau in seinen Artikeln „Die politische Gleichberechtigung der Juden" weiter ausgeführt. Nach Nord aus Ansicht müssten die Zionisten in den Ländern des Golus eine jüdische Organisation schaffen, die das ganze physische und geistige Leben der Juden umfassen solle. Durch solches Streben aber werde das Streben nach Zion immer mehr eingeschränkt, und es sei anzunehmen, dass nach dem Programme Nord aus sich dem Zionismus Leute nur wegen der untergeordneten Arbeiten anschliessen würden, und dass der Congress aus einem zionistischen ein jüdischer werden würde. (Es folgen Beispiele zweier Einzel-Actionen, die das beweisen sollen, die aber beide auf falschen Annahmen beruhen, wofür mangelnde Information des Verfassers als Rechtfertigung dienen mag). Der Verfasser betont dann nochmals, dass die Zionisten „allenfalls, wenn ihre Kräfte zahlreicher wären, alles

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