Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 35 (30.8.1901)
- Article
- Der Zionismus der westlichen Juden
- Date
- 1901-08-30
- Page
- 5 (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 35 9,Die Weit46 Seite 5 Vaterland. Er hat ein Volk. Er hat eme Sprache. Er hat eine Cultur. Dass das alles nicht sein ist, das hält er für eine verleumderische Erfindung, den, der es ihm sagt, für seinen Todfeind. Er leidet unter dem Antisemitismus, aber er kämpft wider ihn an nach dem Naturgesetze des geringsten Kraftaufwandes. Im Westen aber erfordert die Anpassung, die Assimilation, sieher einen geringeren Kraftaufwand als die Betonung der nationalen Eigenart, die Absonderung, die nationale Organisierung und als Aeusserstes die Auswanderung. Lasst aber nur erst eine off entlich-recht Hell gesicherte jüdische Heimstätte entstanden sein, lasst erst wieder jüdische Hunderttausende, und nun gar Millionen, auf eigenem Boden national leben und gedeihen, und dasselbe Gesetz des geringsten Kraftaufwandes wird aus den meisten heutigen Assimilationszeloten Bekenner des jüdischen Nationalismus, ja Zionssiedler machen. Die Assimilanten werden staunen, wie leicht sie angesichts eines Beginnes jüdischer .Nationalexistenz auf sicherem Grunde ihr jüdisches Herz wieder entdecken werden. Ich sage dies nicht ironisch, sondern warm, in der Vorfreude des Wiederfindens verlorener Brüder. Eine Genossenschaft jüdischer Handwerker und Gewerbetreibender in Jaffa. Ein überaus interessantes hebräisches Büchlein ist uns d'eser Tage zugekommen. Es führt den Titel: „Peulah", Genossenschaft von Handwerkern und Gewerbetreibenden in Jaffa. 1. Die Genossenschaft selbst. 2. Die Consumhalle. 3. Der Häuserbau. 4. Bückblick auf das erste Jahr. /. Die Genossenschaft selbst. lieber die Gründungsgeschichte dieser Consum.- und Baiigenossenschaft wird in der Einleitung des Büchleins Folgendes berichtet: Die Genossenschaft wurde im Mai 1900 gegründet. Damals begann die Auswanderung vieler hundert Arbeiter und Handwerker aus Palästina. „Wie sehr muss jeder erstaunen," heisst es in dem Berichte, ,.der an das Endziel des jüdischen Colonisationswerkes in Palästina denkt und plötzlich sieht, dass die Förderer dieser Colonisation selbst eine Auswanderung herbeiführen, und zwar eine Auswanderung von Leuten, die seit zwanzig Jahren im Lande wohnen und sich nach zahllosen Widerwärtigkeiten acclimatisiert haben; die sich hier verheiratet und einem neuen eingeborenen Geschlechte das Lehen gegeben haben. Lässt sich der Wert solcher Ansiedler für die nationale Zukunft ermessen? Und. gerade die müssen das Land verlassen! Skobelew, der berühmte russische Feldherr, sorgte in allen Schlachten für die rasche Heilung der Verwundeten und sandte sie dann wieder ins Treffen, indem er meinte: „E i n Verwundeter, der mit der Oertlichkeit vertraut ist und schon Pulver gerochen hat, ist mir lieber als hundert Recruten." — Das fühlten die treuen Siedler Palästinas, und namentlich die Handwerker und Gewerbetreibenden strebten nach Mitteln und Wegen, den Auswanderungsstrom zu dämmen. Sie sannen auf ein Hilfsmittel zur Sicherung ihrer Existenz in Palästina und zugleich zur Sicherung der Colonisation, und da fanden sie, dass es gut wäre, dem Rathe zu folgen, den nach einer sinnigen talmudischen Legende König David den Weisen Israels gab. Auf deren Vorstellung: „Dein Volk Israel braucht Nahrung" soll er nämlich erwidert haben : ,.Ernähret euch gegenseitig!" Zu diesem Zwecke einer gegenseitigen wirtschaftlichen Stärkung und Förderung verbanden sich nun die jüdischen Handwerker, Gewerbetreibenden und Arbeiter aus Jaffa und Umgebung zu einer Genossenschaft, die sie „Peulah" (Thätigkeit) nannten." Die Ziele, die sich die Genossenschaft nach dem Wortlaut der Satzungen stellt, sind folgende: Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Handwerker, Arbeiter. Landleute und Kleingewerbetreibenden; Hebung des Mveaus der Arbeit 'und''des Gewerbes ni"Palästina Verringerung der Ausgaben für Lebensmittel; Steigerung des. Arbeitsertrages durch gegenseitige Ernährung; Selbstschutz vor Ausbeutung; Festigung der Position ihrer Mitglieder in Palästina, im Ausschusse der Genossenschaft sind, folgende Berufe vertreten: Zwei Goldarbeiter, ein Uhrmacher, ein Mechaniker, ein Schlosser, zwei Schneider, ein Geometer, zwei Schuhmacher, ein Seifensieder, ein Spengler. IL Die Consani halle. Im März 1901 eröffnete die Genossensehaft „Peulah" ihre Consumhalle. Diese Anstalt steht nach den Satzungen auf folgender Grundlage: Die Genossenschaft emittiert 500 Consum Obligationen zu 20 Francs in Gold. Finden sämmtliche Obligationen Abnehmer, so steht der Genossensehaftscasse ein Betrag von 10,000 Francs in Gold zur Verfügung. Dieses Capital wird nun zur Eröffnung einer Consamhalle verwendet, die ihre Thätigkeit schon nach dem Verkauf von 100 Obligationen beginnen kann. In dieser Halle sollen alle Lebens- und Arbeitsmittel feilgeboten werden: Victualien, Kleider, Schuhwerk, Hausrath, Lern- Lind Schreibmaterialien, Arbeits- und Landwirtschaftsgeräthe, Baumaterialien usw. Die Halle bezieht ihre Waren in erster Reihe von den Handwerkern, Gewerbetreibenden und Ackerbauern in Palästina; aber sie führt auch vom Auslande Waren ein. Den inländischen Producenten ihres Warenvorrates gewährt die Halle nach Massgabe der vorhandenen Mittel Vorschüsse in anderer Ware oder in Arbeitsgeräthen auf Rechnung des Erlöses ihrer Producte. Die Kundschaft der Halle setzt sich zusammen : a) aus Besitzern von Obligationen und b) aus sonstigen ständigen Kunden. Ausserdem gibt es ambulante Käufer, die an dem Gewinn nicht theilnehmen. Als Kunden der Kategorie a) werden diejenigen Obligationenbesitzer angesehen, die während des Jahres aus der Halle Waren im Mindest werte von 100 Francs für jede Obligation bezogen haben. Als Kunde der Kategorie b) gelten diejenigen ständigen Käufer, die während des ganzen Jahres allmonatlich mindestens für "100 Piaster Waren abgenommen haben. Die Vertheihmg des Reingewinnes der Halle geht folgendermassen vor sich : Alljährlich am Gründungstage der Halle wird Bilanz gemacht. Von dem Reinertrag wird nun runäehst die auf die ambulanten Käufer nach ihrem percentuellen Verhältnisse zur Zahl der Kunden aus der Kategorie a). und b) entfallende Betrag zugunsten des Hallenfonds abgerechnet. Von dem übrigen Reingewinne bekommen die Kunden aus der Kategorie der Obligationenbesitzer 50 Percent und die Kunden der anderen Kategorie ebenfalls 50 Pereent. Wenn z. B. der Reingewinn 1000 Francs beträgt, und es beläuft sich die Zahl der ambulanten Käufer auf 10, die der Kunden aus der Kategorie a) auf 40 und die der sonstigen Kunden auf 50, so dass 1000 Francs unter 100 Käufer zu vertheilen wären, so fallen der Betriebscasse 100 Francs als Antheil der ambulanten Käufer zu, während die Kunden beider Kategorien sich in die übrigen 900 Frcs. wie folgt theilen: 450 Francs erhält die Kategorie a) und vertheilt sie unter ihren Angehörigen nach der Zahl der Obligationen, die jeder einzelne von ihnen besitzt; und 450 Francs erhält auch die Kategorie b) und vertheilt sie unter ihren Angehörigen nach dem Betrag der Losimg, die jeder einzelne von ihnen der Halle hat zufliessen lassen. TU. Der Tläuserbau. Am 20. l\Tissan d. J. beschloss die Generalversammlung der Genossenschaft „Peulah" die Gründung einer Section f ü r cl en B a u v o n W o h n h ä u s e r n. Der satzungsgemässe Zweck dieser Section ist : „Die Festigung unserer Position im Lande der Väter; die Ausschaltung der Handwrker und Gewerbetreibenden aus der Auswanderungbewegung; ihre Festkittung an das Land der Väter durch den Grundbesitz; die vollständige Ueberlassung eine's Wohnhauses an jeden einzelnen von ihnen durch Meine, gunstige Theilzählüngen."'—Die Section soll Baugründe in gesünder