Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 5 (1901)
- Issue
- 34 (23.8.1901)
- Article
- Zweierlei Juden
- Date
- 1901-08-23
- Page
- 15 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3315709-3315905-3315940-3399247--27754-3399349- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 2× ep/1000834
- Vršac 1× ep/1045948
OCR text
Nr. 34 „Die £ Welt" Seite 15 betheiligten Wucherern mehr als eine Million. Erfahren diese Blutsauger, dass er ' Tulpenthals Schwiegersohn wird, so lassen sie von ihren Forderungen keinen Heller nach. Hält man dagegen die Sache geheim und lässt sie durch einen klugen Menschen in die Enge treiben, so gelingt es, die Wechsel für den vierten Theil der Summen, auf welche sie lauten, anzukaufen, da ja scheinbar keine Hoffnung vorhanden ist, dass der Graf seine Schulden jemals bezahlen könnte. Da wären demnach mindestens dreiviertel Millionen zu erübrigen! Dann aber kommt noch ein Coup. Der Graf hat das ganze Vermögen seiner Frau durchgebracht. Das sind anderthalb Millionen, die er, sobald er die Mitgift erhalten hat, ersetzen muss. Den weitaus grössten Theil dieser Summe könnte man der Gräfin abnehmen, wenn man es nur ein wenig klug anstellt. Ihr Bruder, Graf Steinau, wäre der beste Mittelsmann. Das ist ein Mensch, der sich vollkommen in den Händen seiner Circusreiterin befindet und immerfort Geld benöthigt, um sich ihre Treue zu bewahren. Er nimmt Geld, wo er es findet; kein Augenblick, in dem er nicht bereit wäre, für Geld seine Seligkeit dem Teufel zu verschreiben. Mit diesem Manne muss man sich in Verbindung setzen, und durch ihn gelingt es sicherlich, seine Schwester in das Netz zu locken. Tulpenthal hatte so seine diesbezüglichen Ideen, mit deren Ausführung er einen Freund betraute. Dieser Freund war der verschlagenste und durchtriebenste Wucherer der Stadt, der von allen Teufeln gerittene Michel Strassenlauber, der, was sehr nahe liegt, gewöhnlich Michel Strassenrauber genannt wurde. Michel hat die „Reduction" der Mitgift in die Hand genommen, und was er übernimmt, führt er auch durch. Er ist zähe wie eine Buldogge, die sich in einem Stier verbissen hat. Er wird den Stier nicht mehr loslassen, bis er ihn gestellt oder bis man ihm seihst alle Zähne eingeschlagen hat. Und bis diese Operationen vollendet sind, darf natürlich kein Sterbenswort über die geplante Verlobung in die Oelt'entlichkeit dringen. Bloss das tiefste Geheimnis konnte Tulpenthals Pläne zur Reife bringen, deshalb war er entsetzt, dass seine Frau ein öffentliches Verlobungsfest veranstalten wollte, und deshalb fuhier jetzt zum Grafen, um ihn zu beschwichtigen, wenn ihn die Nachricht erzürnen sollte, dass seine Verlobung nicht morgen, sondern vielleicht erst in zwei Monaten stattfinden werde. Der Graf war nicht daheim. Tulpenthal erfuhr von seinem Diener, er sei mit dem Grafen Bernardi zur Besichtigung dessen Rennstalles nach Mosdorf gefahren und werde erst morgen abend nach der Hauptstadt zurückkehren. So war es unmöglich, ihn vorzubereiten, man musste warten, bis er beim Feste erschien und ihn gleich bei seinem Eintreten beiseite nehmen. Hoffentlich gelang es, ihn zu vertrösten. Aergstenfalles kostete es abermals einen Vorschuss. Er wollte zur Stelle sein und kümmerte sich im Uebrigen nicht um die Vorbereitungen zum morgigen Feste, nur als er am nächsten Tage bei Tische erfuhr, seine Frau habe sich eine Anzahl Juden und Jüdinnen eingeladen, brauste er auf. Was das für unglickliche Idee sei? Es werden eine Menge Aristokraten kommen, und die werden höchlich erbaut sein, mit allerlei Judenpack verkehren zu müssen. Emmy aber meinte, Mama habe recht getlian. Wenn unsere Juden und Jüdinnen da sind, fühlen sich die jungen, fröhlichen Herren ein wenig beengt, legen sich einigen Zwang an und betragen sich nicht in der Weise, wie es bereits zweimal geschehen sei. Ob er denn den Ball vor drei Jahren vergessen habe? Da seien bloss Aristokraten geladen worden; kein einziger Jude durfte erscheinen. Nun, die Aristokraten waren gekommen, sie hatten sogar eine Anzahl solcher mit sich gebracht, die nicht gerufen waren. Doch kein einziger kam in Begleitung seiner Frau, und als es zum Tanze gieng, waren fünfzig Herren und bloss sechs Damen da. Es war eine hübsche Geschichte. Die jungen Herren rissen schlechte Witze, mitten im Tanze wurde einigemale die elektrische Beleuchtung ausgeschaltet, und als man eine Quadrille versuchen wollte, erschien Graf Pottenstein mit dem Stubenmädchen und Graf Friedenberg mit der Köchin am Arme im Salon. Es war ein Scandal, dass man sich die Augen aus dem Kopfe schämte. Die jungen Herren benahmen sich in einer Weise, als ob sie auf einem Dienstbotenballe wären, und die Damen des Hauses mussten sich eiligst zurückziehen, um nicht wie die Köchin und das Stubenmädchen behandelt zu werden. (Fortsetzung folgt.) Mittheilungen aus dem Publicum. Ischl. Unser Gesinnungsgenosse Techniker Paul R o 11 b e r g e r ist beim Baden im nahen Nussensee vor den Augen seiner Eltern ertrunken. Die nach mehrtägiger Frist geborgene Laiche, wurde riach der Heimatsgemeinde Prossnitz überfuhrt. Ehre seinem Andenken! Spenden. Für die Arbeiter in Palästina : Julius Flaschner, Gablonz K 5,—, Salomon Glass, Stanislau K 2.20. Zusammen K 7.20. Für die National-Bibliothek in Jerusalem. Julius Flaschner, Gablonz K 5.—. Für zionistische Zwecke: „Awodas Hakodasch", Odessa K 384.74, „Bnei Zion% Odessa K 82.08, Moses Epstein, Odessa K 93.75, Julius Flaschner, Gablonz K 5.—, Maier Hübner, Nadworna, anlässlieh der Vermählung von Leib Inslicht mit Frl. Regina Bloch in Naklo K 1.—, Zusammen K 566.57. Für die Colonie „Bene Jehuda": N. A. K 1.- A. A. K 1.-, B. L. K 1.-, P. T. K 2.-, sämmtiieh in Aussee. Zusammen K 5.—. Briefkasten. A. Sch. in Bohorodczany: Bei Salomon Wilk in Kowno, Russland. A. B. in Bukarest: Anonyme Zuschriften können nicht berücksichtigt werden. „Marion" in Wien, J. J. K. in Versecz, St. D. in Baden bei Wien : Leider unverwendbar. E. F. in Krakau: Wir haben ein solches Gedicht nicht erhalten. Dr. E. Z. in Olmütz: Besten Dank. Es ist besser, auf derartige Schriften überhaupt nicht einzugehen. Zionsgruss. „Israelitische Rundschau11 in Berlin: Postkarte erhalten. Besten Dank. Zionsgruss. Jüdisch-nationale Frauen Vereinigung" in Berlin : Besten Dank. Dr. F. in Chemnitz: Besten Dank für Ihre Zusendungen. Die Wohlinformiertheit des Constantinopeler Correspondenten der „Voss. Ztg." ist schon dadurch genügend charakterisiert, dass er von einer amerikanischen Missionsschrift als von einer — zionistischen Broschüre spricht. J. Sch. in Torskie und viele andere : Auf die gemeinen Ausfälle des »Slowo Polskie" einzugehen, i&t eines ernsten zionistischen Blattes unwürdig. Correspondenz der Administration. Die Schriftsteller Lazarus, Röhn, W i 11 n e r, L. Abr. Cohn,, N. Gnesin, A lf er o w i t s c h, Mirenburg, Z a t u 1 o w sky; > Salomon Biber, Blumga r t e n, Levin L i p(m a n n (sämmtiieh in Warschau), T r i n k s in Zvvanietz, Pritzker in Biala- Zerkow, Kl ein m an n in Berdyczew, A. Gr. Drujanow in Drugä, Lewin in Male'tsch, M. M. Horowitz in Odessa, Süsskind R a b i ri o witsch in Poltawa werden um gefällige Angabe ihrer genauen Adresse ersucht Aeltere Nummern der „Weif1 der Jahrgänge 1897, 1898, 1899 und 1900, ebenso Jargon-Nummern der Jahrgänge: 1900 und 1901 — vorzüglich zur Agitation geeignet, Werden gegen- Voreinsendung von blossem Porto geliefert! Ein 5 Kilo-Paket, ca. 100 Nummern, kostet für Oesterreich- Ungarn' und Deutsehland K 0.72. Mr grössere Sendungen als Fracht in Säcken oder Kisten richten sich die Spesen je nach Gewicht und Entfernung, nud kommen selbstverständlich billiger. — Gegen Voreinsendung eines beliebigen Betrages für Behälter und Fracht wird dann ein entsprechendes Colli geliefert. Auch liefern wir gegen Voreinsendung einer Krone für Colli und Frachtbrief circa 50 Kilo unfrankiert.