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Die Welt · 1901-08-23 · 34 (23.8.1901) · p. 1

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Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
34 (23.8.1901)
Article
Das Wesen des Antisemitismus [Rezension]
Date
1901-08-23
Page
1 (sequence 1)
Language
German
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iteaacbion und Administration: WIEN H.j föirkewsfrasse Nr. 9. Telephon 14199. Erscheint jeden Freitag. Zuschriften sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse Nr. 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte nicht zurückgesendet. Sprechstunden der Redaction: Montag, Mittwoch und Freitag von 3—4 Uhr. Preise der Anzeigen: Die viermal gespaltene Petitzeile 20 Heller. Der Inseratentheil wird Dienstag abends geschlossen. Einzelne Nummern 30 Heiler. Oesterreich-Ungarn: ganzjährig 12 Kronen, halbjährig 6 Kronen. Für das Ausland: Deutschland ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 Shg., Russland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50 Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doli. 40 Ct. Nr. 34. Wien, 23. August 1901. 5. Jahrgang Die abgelaufenen Abonnements bitten wir rechtzeitig erneuern zu wollen, damit keine Unterbrechung in der Zustellung erfolge. Unsere Vertretung für Russland hat wieder der Veslag „Achiasaf" in Warschau, Twarda 6, übernommen, wovon wir unsere Abonnenten in Russland hiemit in Kenntnis setzen. Geldsendungen erfolgen am billigsten in recommandierten Briefen. Anstatt Kopeken werden auch russische Briefmarken angenommen ^M^^^^^Aw^^^w^^^w^yw^ „Das Wesen des Antisemitismus."*) Auf den böhmischen kleinen Landsitzen ist's ein rechtes Wohlleben. Die Sonne beleuchtet ringsum weite, dichte, laut rauschende Wälder, schwere, glodbeseliwerte, wellenwiegende Erntefelder und endlose grüne Matten. Weltferner Friede ist das Zeichen der Gegend, kaum dass am Sonntag das Gespann friedlich in die Stadt trabt und die Politik mit den Zeitungen der vorigen Woche nachhause bringt. Hier rindet der Menschengeist Müsse, in sich zu gehen und weit von der Schnellrietze in den Steinwüsten der Grossstadt Gut und Böse der Wahrheit gemäss zu sondern, unbeirrt von persönlichen Forderungen und dem Geschrei der Menge. In der Stimmung seines Schlosses Eonsperg gieng Dr. Heinrich Graf Coudenhove mit uns Juden und unseren Feinden ins Gericht und was ihm Wissenschaft und persönliche Erfahrung brachte, hat er den Lesern in einem starken Bande übergeben. Was er schrieb, diente uns zum Guten, wenn es einer Welt übergeben worden wäre, die auf die Zeugnisse der Wissenschaft und hervorragender Männer wartet, um darnach zu handeln. Gewiss ist es eine muthige That des Verfassers, seiner Person den Hass der judenfeindlichen, will sagen, fast aller Parteien, als unser Lobredner zuzuziehen. Pfannen voll. Weihrauch hat die jüdische Beschwichtigungspresse ihm dafür als Dankopfer gebracht. Wir wollen aber dem Grafen nur dann ein Verdienst zurechnen, wenn als solches die Seltenheit eines selbstverständlichen Erfordernisses beim Manne gilt, nämlich das Erfordernis der Gerechtigkeit. Die Zionisten constatieren mit Befriedigung zwei Thatsachen. Ein gebildeter, bedeutender Mann, hat die Geschichte der Juden kennen gelernt *) Das Wesen des Antisemitismus. Von Doctor Heinrich Grafen Coudenhove. Berlin, Calvaiy, 1901. und wurde ihr Freund; er hat theilnehmend ihre Zukunft bedacht und bejaht den Zionismus. Das Buch verdient einige gute Noten. Aeussere Form der Diction vorzüglich, Flciss ausdauernd. Von gar vielen Schmökern wurde der Staub weggeblasen, eine ganze Broschürenbibliothek wurde durchgestöbert, bis wir das Buch in die Hand bekamen. Die Bergeshöhe, die das vorgedruckte Material erreichte, zeigt uns die colossale Intensität der Judenfrage zu allen Zeiten. Ein Wink für den friedenkündenden Autor und für uns. Wir glauben, keinen Sprachfehler zu machen, wenn wir Judenfrage mit Judenfeindschaft übersetzen. Und ob das vorliegende Werk auch nur die Wirkung einer Hetzbroschüre über den Konitzer Mord aufhebt, ist eine offene Frage. Wir erkennen dem Buche thatsächlich nur den Wert des Bekenntnisses einer symphatischen Persönlichkeit ohne agitatorische Fernwirkung zu. Es ist wahr, der Autor hat mit der T h e o r i e des Antisemitismus einen irischen Strauss begonnen, und mit den Waffen der Gelehrsamkeit in der Hand den Kampf glänzend bestanden. Gegen die Praxis des Antisemitismus aber kämpfen heute schon allerorten Soldaten und Gendarmen. In den Antworten an den Grafen wird ihm sicher nicht der alte Satz aus dem verrosteten Inventar unserer jüdischen Zionistenfeinde geschenkt worden sein, den wir seiner Langweile wegen nur in Schlagworten wiedergeben: Dankenswert, berühmter Name, Judenfrage, Tropfen Stein höhlen, Zukunft, Zuversicht. Ist das wahr? 500 und etliche Seiten sind daraus geworden, dass man den knappsten Abriss der Judenpolitik seit der Diaspora registrierte. Wenn es nun thatsächlich einem unglaublichen Hokuspokus gelänge, die uralten Bisse zwischen Judenthum und indogermanischer Basse für kurze Zeit zu verkleistern, könnten wir für immer unsere Waffen einstecken? Ich glaube denn doch, dass wir weiter zu scha/uen gelernt haben und erinnere jeden an seine Leetionen aus der politischen Geschichte der Juden. Die Wirkung, die man vom Buche Dr. Uoudenhoves .nicht erwartet — Juden sind gescheidt — sondern nur wünscht, wollen wir im Kähmen zweier Fragen untersuchen: Wie wird das Werk auf die Gebildeten wirken und wie auf die Menge? Der Verfasser selbst antwortet auf beide Fragen: Gar nicht. Auf die erste Frage, indem er uns den Standpunkt auseinandersetzt, den die berühmtesten Männer der Xeuzeit den Juden gegenüber eingenommen haben. Ich habe herkömmlicherweise das Wort Standpunkt verwendet, that-

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