Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1901-08-16 · 33 (16.8.1901) · p. 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
5 (1901)
Issue
33 (16.8.1901)
Article
Eine "Geschichte der Israeliten"
Date
1901-08-16
Page
1 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3315709-3315905-3315939-3399098--27589-3399164
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Keaaefcion und Administration: WIEN IXTöflrkesstosse Nr. 9. Telephon 14199. Erscheint jeden Freitag. Zuschritten sind nicht an einzelne Personen, sondern an die Redaction oder Administration: Wien, IX., Türkenstrasse Nr. 9, zu richten. Unfrankierte Briefe werden nicht angenommen und Manuscripte nicht zurückgesendet. Sprechstunden der Redaction: Montag, Mittwoch und Freitag von 3—4 Uhr. Preise der Anzeigen: Die viermal gespaltene Petitzeile 20 Heller. Der Inseratentbeil wird Dienstag abends geschlossen. Einzelne Nummern 30 Heller. Oesterreich-Ungarn: ganzjährig 12 Kronen, halbjährig 6 Kronen. Für das Ausland: Deutschland ganzjährig 13 Mk. 70 Pf., halbjährig 6 Mk. 85 Pf., England ganzjährig 14 Shg., halbjährig 7 Shg., Russland ganzjährig 7 R., halbjährig 3 R. 50Kop., Schweiz, Frankreich, Italien, Türkei, Rumänien, Bulgarien, Serbien, Griechenland, Aegypten ganzjährig 17 Frcs., halbjährig 8 Frcs. 50 Cts., Amerika ganzjährig 3 Doli. 40 Ct. Nr. 33. Wien, 16. August 1901. 5. Jahrgang Die abgelaufenen Abonnements bitten wir rechtzeitig erneuern zu wollen, damit keine Unterbrechung in der Zustellung erfolge. In Warschau haben wir keine Agentur mehr, wir bitten deshalb unsere Gesinnungsgenossen, sich in allen Dingen direct an uns zu wenden. Geldsendungen erfolgen am billigsten in recommandierten Briefen. Anstatt Kopeken werden auch russische Briefmarken angenommen. AM^^>AA^^rt^^^^^^A^^^^^V^^M^^%^i>M^VMW¥^i^^ Eine „Geschichte der Israeliten." Von Max Nordau. *) Ich lese, soweit mir das möglich ist, alles, was über Juden und Judenthum veröffentlicht wird. Ich thue es ohne Auswahl und ohne Ausnahme. Der Stoff hat das Recht, meine Aufmerksamkeit in Anspruch zu nehmen, wer immer auch der Schriftsteller sei, der ihn behandelt. Ich übergehe weder die Schriften der Antisemiten, noch auch die der assimilatorischen Juden. Und so kommeich dazu, eine „Geschichte der Israeliten" von Herrn Theodor Rein ach durchzunehmen. Ich habe alle Achtung vor Herrn Theodor Reinach. Bei seinen Bestrebungen, deren er sich ohne Zweifel bewusst ist, dürfte ihn das wundernehmen. Aber es ist doch so. Er ist gelehrt, und seine Gelehrsamkeit ist von der ehrbaren Art. Er bedient sich ihrer nicht für seine sehr sonderbaren Ideen. Seine Sammlang aller unser Volk betreffenden Stellen aus den alten Schriftstellern ist verdienstvoll. Seine Studie über die jüoischen Münzen ist lehrreich. Und seine „Geschichte der Israeliten", ein älteres, aber, wie es scheint, in der neuen Auflage vollständig umgearbeitetes Werk, hat auf mich einen der stärksten Eindrücke der letzten Jahre geübt. Natürlich hat Herr Theodor Reinach uns keine neuen Thatsachen zu bieten. Er hat mit Geschmack eine handliche Verkleinerung des Denkmals von Grätz hergestellt. Er hat es verstanden, ziemlich vollständig zu bleiben und dabei doch bündig zu sein. Alles in allem ist es ein kleines Meisterstück der Zusammen- *) Aus der jüngsten Nummer unseres französischen Bruder blattes, des „Echo Sioniste". fassung, das Leb. n und die Werke, die erstaunlichen und furchtbaren Abenteuer, die Folterqualen, die Hoffnungen, die Anstrengungen und die Enttäuschungen unseres Volkes in zwanzig Jahrhunderten und dreissig Ländern auf weniger als?>S0 Seilen festzuhalten, ohne in die Trockenheit von Namenverzeichnissen und in die Kleinigkeitskrämerei eines fühllosen Jahrbuchschreibers zu verfallen, Djnn er ist durchaus nicht trocken, der Herr Theodor Reinach. Er ist beredt. Er ist gefühlvoll. Seine Darstellung ist lebhaft. Zuweilen ist er sogar von einem Zug ins Glosse beseelt, und manche Seite, die von dem Marterthnni unserer Vorväter erzählt, würde sich selbst bei Michelet gut ausnehmen. Allein ein verblüffender Umstan i tritt in diesem Buche hervor. Vier Fünftel davon sind dem Nachweise gewidmet, dass die Juden, oder die „Israeliten1*, wie Herr Theodor Reinach mit der Feinfühligkeit eines modernen Parisers uns zu benennen vorzieht, ein Volk, eine Nation sind, ein zerstreutes Volk, eine Nation ehne Land, aber, wie er in ausgezeichneter Weise sagt, eine, „deren Mitglieder untereinander durch pietätvolle E:innerungen, durch peinlich genaue, mit eifersüchtiger Sorge festgesetzte religiöse Uebungen, endlich durch die Bücher, in denen dieses religiöse Vätererbe niedergelegt ist, eng verbunden sind". Er hätte hinzufügen können: „durch gemeinsame Abstammung." Doch das hätte ihn wahrscheinlich geniert, und er hat es daher vermieden, von den Banden des Blutes zu sprechen, die unter den Gliedern der jüdischen Familie bestehen. Denn auf die ersten vier Fünftel, des Buches folgt ein letztes Fünftel, in dem Herr Theodor Reinach ebensoviel Energie entwickelt, um in Abrede zu stellen, das die „Israeliten" eine Nation seien, wie er einige Seiten vorher angewandt hat, um zu begründen, dass sie eine sind. Nein, ruft der Verfasser mit leidenschaftlicher Kraft aus, Israel ist keine Nation mehr. Es will mehr keine werden. Es ist nichts weiter als eine religiöse Gruppe, als eine Gonfession. Doch wie? Israel, das ein Volk geblieben ist nach der Zerstörung des Tempels, nach der Vertreibung aus dem Heimatlande, nach der Zerstreuung, nach dem Schwinden jeder Berührung zwischen den einzelnen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.